Am Donnerstag, dem 20. August 2026, legt Deere & Company vor US-Markteröffnung die Zahlen zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 vor. Es ist der Termin, an dem sich zeigt, ob die Aktie ihr Plus von rund 28 Prozent seit Jahresanfang zu Recht trägt, während die Branche ächzt.
Was haben ein Haus und ein Traktor gemeinsam?
Der Mechanismus ist einfach. Ein Großtraktor kostet so viel wie ein Einfamilienhaus – und anders als Saatgut ist er eine Anschaffung, die sich verschieben lässt. Fallen die Erzeugerpreise und bleiben die Zinsen hoch, repariert der Landwirt ein Jahr länger. Der Gewinn schwankt deshalb weit stärker als der Verbrauch von Nahrungsmitteln.
Im Geschäftsjahr 2025 fiel der Gewinn um 29,2 Prozent auf 5,03 Milliarden Dollar. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 brachen die Nettoumsätze des Segments Production & Precision Ag um 14 Prozent auf 4,50 Milliarden Dollar ein; das operative Ergebnis der Sparte sank um 39 Prozent, die Marge fiel von 22,0 auf 15,7 Prozent. Der Gewinn je Aktie von 6,55 Dollar wurde durch eine einmalige Zollerstattung von 272 Millionen Dollar gestützt. Die beiden kleineren Sparten entwickelten sich besser: Das Segment Construction & Forestry legte um 29 Prozent auf 3,79 Milliarden Dollar zu, das Segment Small Ag & Turf um 16 Prozent auf 3,48 Milliarden Dollar.
Was am Donnerstag vor US-Börsenstart wichtig ist
Für das dritte Quartal erwarten Analysten einen Gewinn je Aktie von 4,80 Dollar, nach 4,75 Dollar im Vorjahresquartal. Die Kursreaktionen fielen zuletzt sehr unterschiedlich aus: Nach den Jahreszahlen im November 2025 verlor die Aktie rund fünf Prozent; nach dem ersten Quartal im Februar 2026 sprang sie dagegen um knapp zwölf Prozent auf ein Allzeithoch; nach dem zweiten Quartal im Mai 2026 verlor sie gut sieben Prozent. Entscheidend ist die Jahresprognose für den Nettogewinn von 4,50 bis 5,00 Milliarden Dollar. Nach sechs Monaten hatte Deere bereits 2,43 Milliarden Dollar verdient.
Der Blick auf die Wettbewerber schärft die Frage. CNH Industrial meldete für das zweite Kalenderquartal einen unveränderten Agrarumsatz von rund 3,3 Milliarden Dollar; das bereinigte operative Ergebnis der Sparte fiel von 263 auf 170 Millionen Dollar, die Marge von 8,1 auf 5,2 Prozent. AGCO, ein weiterer Mitbewerber, kam konzernweit auf 2,61 Milliarden Dollar – ein Minus von einem Prozent – und erzielte in Nordamerika ein währungsbereinigtes Umsatzplus von rund 20 Prozent, während die Branchenstückzahlen bei Traktoren dort zweistellig fielen. Das schwache Volumen ist zyklisch. Die auseinanderlaufenden Margen sind es nicht: Wer in einem schrumpfenden Markt Anteile gewinnt, nimmt sie jemandem weg.
Finanzchef Brent Norwood hat auf der Telefonkonferenz am 21. Mai 2026 das laufende Jahr als Sohle des Agrarzyklus bezeichnet und die Wende für 2027 in Aussicht gestellt. Das Unternehmen verweist dabei auf die Lager: Die Neubestände an Großtraktoren und Mähdreschern in Nordamerika liegen mehr als 50 Prozent unter dem Hoch von Mitte 2024, ein Ersatzbedarf staut sich auf. In Bau und Forst (Construction & Forestry) zeigt sich die Gegenbewegung bereits im Auftragsbuch, das in den USA und Kanada mehr als 60 Prozent über dem Stand vom Geschäftsjahresbeginn im November 2025 liegt; mehr als 80 Prozent der Produktionsslots des laufenden Jahres sind belegt.
Daten sind das neue Gold auf dem Acker
Die Datenplattform John Deere Operations Center bündelt bereits rund 500 Millionen digital erfasste Acres, also gut 200 Millionen Hektar; bis 2030 sollen es 600 Millionen Acres sein. Vernetzt sind bislang mehr als eine Million Maschinen. Das frühere Ziel von eineinhalb Millionen vernetzten Maschinen bis 2026 wird in den neu gefassten 2030-Zielen nicht mehr genannt. Die Unkrauterkennung See & Spray wird in den USA nach Fläche abgerechnet, für Vielnutzer inzwischen auch über eine unbegrenzte Jahreslizenz; autonome Funktionen werden teilweise im Abonnement angeboten. Deere hat knapp 440.000 monatlich aktive digitale Nutzer; bis 2030 soll ihre Zahl auf eine Million steigen. Dass der Zukauf des Bau-Technologieunternehmens Tenna für 439 Millionen Dollar im Februar 2026 dieselbe Logik ins Baugeschäft trägt, zeigt, wie ernst es Deere damit ist.
Drei Einschränkungen gehören dazu. Erstens hat Deere sein eigenes Ziel inzwischen gestreckt: Ursprünglich sollten bis 2030 zehn Prozent des Umsatzes aus wiederkehrenden Erlösen stammen – auf dem Investorentag im Dezember 2025 räumte das Unternehmen ein, dass dieser Wert erst nach 2030 erreicht wird. Gemessen an den Nettoumsätzen des Ausrüstungsgeschäfts von 38,92 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2025 ginge es um rund 3,89 Milliarden Dollar, gemessen am eigenen Umsatzziel von 63 Milliarden Dollar für 2030 um 6,30 Milliarden Dollar.
Zweitens weist Deere die wiederkehrenden Erlöse bis heute nicht als eigene Zeile in der Gewinn- und Verlustrechnung aus; Anleger müssen also genau darauf schauen, wie sich digital erfasste Acres, vernetzte Maschinen und zuletzt auch die monatlich aktiven digitalen Nutzer entwickeln.
Drittens hängen diese Erlöse am Maschinenpark: Wer weniger Traktoren verkauft, kann auch weniger Maschinen vernetzen. Das Abogeschäft dämpft den Zyklus; es entkoppelt sich nicht von ihm.
Die Aktie schloss am 18. August 2026 bei rund 593 Dollar, beim 33-Fachen des Gewinns der vergangenen zwölf Monate. Eingepreist ist ein weiterer Umsatzrückgang im Agrargeschäft – nicht eingepreist ist ein Margenrückgang. Damit verengt sich der Donnerstag auf eine Größe: die operative Marge des Ausrüstungsgeschäfts, bereinigt um den Zolleffekt. Im zweiten Quartal lag sie bei 16,9 Prozent, ohne die Zollerstattung bei rund 14,5 Prozent.
Deere & Company ist bei DER AKTIONÄR keine laufende Empfehlung.
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