27.01.2020 Fabian Strebin

Deutsche Bank und Sigmar Gabriel: Geniestreich oder Flop?

-%
Deutsche Bank
Trendthema

Am vergangenen Freitag wurde bekannt, dass der ehemalige Außenminister Sigmar Gabriel in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank einziehen soll. DER AKTIONÄR berichtete. Aus der Öffentlichkeit schlägt Gabriel Kritik entgegen, auch Experten sind skeptisch. Mehrere Großaktionäre unterstützen dagegen die Personalie.

Laut Handelsblatt hielten einflussreiche Investoren Gabriel für eine „gute Lösung“, da die Bank von seinem internationalen Netzwerk und seinen Kontakten in die Politik profitieren könnte. Andere meinen, die Berufung könnte die gesellschaftliche Akzeptanz der Deutschen Bank verbessern. „Nichts hätte die Bank nötiger“, so ein Insider. Ein anderer Großaktionär nennt es eine „überraschende, aber sinnvolle Entscheidung“. Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei der Dekabank meint, dass Gabriel ein großes Netzwerk mitbringe, dass der zunehmend auf Deutschland fokussierten Strategie helfe.

Politik kann Banking nicht

Doch nicht alle sehen das so. „Entscheidend ist, inwiefern die Erfahrung von Herrn Gabriel im Bankgeschäft durch das Gesamtgremium kompensiert werden kann“, warnt Henrik Pontzen, Leiter Nachhaltigkeit bei Union Investment. Angesichts der Komplexität und des Umfangs der Aufgabe scheint das dem Experten „zumindest fraglich“. Jörg Kasten, Managing Partner der Personalberatung Boyden, fürchtet zudem, dass die Hoffnung, die die Deutsche in Gabriel setzt, nicht erfüllt wird: „Gute Politiker sind nicht unbedingt gute Wirtschaftslenker und umgekehrt“, meint Kasten.

Reicht KfW-Erfahrung für Ausichtsratposten?

Befürworter der Personalie Gabriel werfen ein, dass der ehemalige Politiker fünf Jahre dem Verwaltungsrat der staatlichen Förderbank KfW angehörte und ihn zeitweise leitete. Allerdings hat das Geschäft der KfW mit dem der Deutschen Bank nichts zu tun. Die KfW vergibt Kredite für Projekte, die der Staat für förderungswürdig hält. Dabei ist die Bank nicht gewinnorientiert und soll nur kostendeckend arbeiten.

Im Mai muss sich Gabriel bei der Hauptversammlung zur Wahl stellen. Der Großaktionär Katar unterstützt ihn und Aufsichtsratschef Paul Achleitner soll ihn vorgeschlagen haben. Bevor Gabriel im Mittelpunkt steht, schauen Anleger diese Woche aber zuerst auf die Zahlen am Donnerstag. Anleger sollten die Aktie im Vorfeld weiter meiden.

Mit Material von dpa-AFX

Deutsche Bank (WKN: 514000)