Jetzt auf die neuen Favoriten setzen!
22.11.2019 DER AKTIONÄR

Deutsche Bank und Commerzbank: Droht eine Kapitallücke?

-%
Deutsche Bank

Gestern erst hat die Ratingagentur Moody’s den Ausblick für die deutsche Bankenbranche von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt. Jetzt kommt der nächste Hammer: Die europäischen Banken könnten zur Umsetzung der neuen Basel-IV-Regulierung wesentlich mehr Eigenkapital benötigen, als bisher angenommen. Die europäische Bankenaufsicht EBA kam im Sommer in einer Studie auf einen Kapitalbedarf von 91 Milliarden Euro. Eine neue Analyse nennt eine mehr als viermal so große Zahl.

Alleine bei der EBA-Studie müssten Banken im Schnitt ihr hartes Eigenkapital um 24 Prozent bis 2027 erhöhen. Die Bankenverbände Europas haben nun eine eigene Studie in Auftrag gegeben. Selbst wenn man annimmt, dass hier eigene Motive dahinterstecken, ist das Ergebnis erschreckend: Das beauftragte Forschungsinstitut Copenhagen Economics kommt zum Schluss, dass in Europa 400 Milliarden Euro fehlen.

Weitere Verwässerung der Deutsche-Bank-Aktie?

Alleine in den vergangenen sieben Jahren hat die Deutsche Bank vier Kapitalerhöhungen durchgeführt. Die Milliarden, die dadurch eingenommen wurden, hat der Vorstand vor allem verbrannt, oder als Boni ausgeschüttet. Wahrscheinlich fällt die Kapitallücke am Ende niedriger aus. Aber die Deutsche Bank befindet sich gerade in einem tiefgreifenden Umbau, der mehrere Jahre dauern soll. Ob danach wieder so viel Geld verdient werden kann, um das Eigenkapital aufzupolstern, ist fraglich.



Commerzbank besser positioniert?

Die Commerzbank versucht gerade ebenfalls den Laden wieder flott zu bekommen. Aber das Negativzinsumfeld macht ihr ebenso wie der Deutschen zu schaffen. Das Zinsumfeld scheint auf Jahre zementiert, sinkt die Gesamtverschuldung der Wirtschaft nicht, gibt es auch keine Aussicht darauf, dass sich so schnell etwas daran ändert.  Zu höheren Kapitalanforderungen im Rahmen von Basel IV hat sich Finanzvorstand Stephan Engels zulässt geäußert. Die Commerzbank fühle sich gut vorbereit auf die Effekte, die sich künftig aus Kapitalanforderungen ergeben würden, so Engels. Man habe die Effekte durch bereits angestoßene strukturelle Maßnahmen wahrscheinlich abmildern können.

Die beiden deutschen Großbanken sind schlecht positioniert. Für das derzeitige Umfeld kommen die aktuellen Umbauprogramme wohl teilweise zu spät. Auch wenn 2027 noch weit weg scheint, spricht wenig dafür, dass sich das Umfeld in den kommenden Jahren merklich bessert. Anleger setzen deshalb lieber auf andere Aktien.

Commerzbank (WKN: CBK100)

Buchtipp: Die Geschichten des Geldes

Spekulationsblase am Neuen Markt, Bankenkrise 2008 und griechische Schuldenkrise – lauter Themen, die die Finanzmärkte bewegten und bewegen. Doch wer einen Schritt zurücktritt und das große Bild sieht, bemerkt: So neu ist das alles gar nicht! Die Geschichte gibt wertvolle Hinweise zum Verständnis der Gegenwart. Dass sich Geschichte wiederholt, zeigen die beiden Autoren anhand vieler Geschichten des Geldes. Infl ation, Deflation, Abwertung, irrationalen Überschwang, Bankenpleiten und -rettungen gab es immer schon: im Spanien des 16. Jahrhunderts, im Großbritannien des 17. Jahrhunderts, im Frankreich des 18. Jahrhunderts und in den USA des 19. Jahrhunderts. Lehr- und anekdotenreich vermitteln die Autoren gewissermaßen nebenbei ein tiefes Verständnis für die Ursprünge des Finanzsystems – und damit auch für seine aktuellen Kapriolen. So zeigt sich: Der Weg von der Kaurischnecke zur Kreditklemme ist nicht weit.

Autoren: Vaupel, Michael Kaul, Vivek
Seitenanzahl: 240
Erscheinungstermin: 15.04.2016
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-86470-327-0