Vor drei Jahren führte die Migration der Kundendaten der Postbank auf die Systeme der Deutschen Bank zu einem Debakel. Das belastete den Unternehmensgewinn für mehrere Quartale. Nun plant das Finanzinstitut erneut einen Schritt in Richtung Vereinfachung.
- Die Deutsche Bank will im Privatkundengeschäft ein neues cloudbasiertes Kernbankensystem einführen.
- Die Zahl der Kernbankensysteme soll von 15 auf zwei sinken.
- Bis 2028 investiert die Bank 600 Millionen Euro in IT, Abläufe und KI, um langfristig 300 Millionen Euro einzusparen.
Viele erinnern sich noch an die Probleme, die die Verschmelzung der Postbank-IT bei der Integration in das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank vor drei Jahren verursachte: So mancher Postbankkunde konnte monatelang nicht auf sein Konto zugreifen. Das Chaos führte zu einem höheren Aufwand bei der Deutschen Bank und verzögerte die erhofften Einsparungen.
Nun wagt sich das Geldhaus in Deutschland im Privatkundengeschäft und im Segment mit vermögenden Sparern an ein neues Kernbankensystem, wie die Börsen-Zeitung berichtet. Das ist das Herzstück der IT in dieser Sparte und bündelt alle Kunden-, Konto- und Kreditdaten sowie Vorgänge aus dem Meldewesen und weitere Transaktionsdaten. Angeschafft werden soll die cloudbasierte Plattform Vault Core des britischen Start-ups Thought Machine.
Wie bereits auf dem letzten Kapitalmarkttag angekündigt, soll die Zahl der Kernbankensysteme damit von 15 auf zwei reduziert werden. Damit würde sich in diesem Bereich die Komplexität deutlich reduzieren. Mehrere Großbanken sind bereits Kunden von Thought Machine, darunter JPMorgan, Intesa Sanpaolo und Standard Chartered.
Ab kommendem Jahr soll Vault Core eingeführt werden und für eine Übergangszeit von mehreren Jahren parallel zu den bestehenden Systemen laufen. Der Vertrag mit Thought Machine läuft zehn Jahre. Bis 2028 will die Deutsche Bank insgesamt 600 Millionen Euro in ihre IT, Betriebsabläufe und künstliche Intelligenz investieren, um langfristig 300 Millionen Euro einsparen zu können.
Die geplanten IT-Investitionen, die den Umstieg auf ein neues Kernbankensystem im Privatkundensegment beinhalten, sind Teil der Effizienzmaßnahmen bei der Deutschen Bank. Die Kosten-Ertrags-Quote soll bis Ende dieses Jahres auf unter 65 Prozent sinken, bis 2028 auf unter 60 Prozent. In den vergangenen Quartalen konnte der Vorstand die Kostenziele stets erreichen.
Nach dem Chartausbruch am Mittwoch schnaufte die Aktie gestern erst einmal durch. Das ist nach dem neu erreichten Jahreshoch kein Einbruch. Nicht nur bei den Kosten ist die Bank auf Kurs, ihre Jahresziele zu erreichen. Anleger greifen weiter bei der unterbewerteten Aktie zu.
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