Kommt jetzt der Crash? Im Zweifel: Kaufen
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08.07.2021 Fabian Strebin

Commerzbank taumelt weiter: Jetzt verkaufen?

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Commerzbank

Die Talfahrt der Commerzbank-Aktie findet vorerst kein Ende. Dabei wird das Papier derzeit aber eher in Sippenhaft genommen, denn in den letzten Tagen mussten fast alle europäischen Bankwerte Federn lassen. Negative Meldungen bei der Frankfurter Bank selbst gibt es nicht. Im Gegenteil: Die Pläne zu den Filialschließungen kommen gut voran. DER AKTIONÄR erklärt, ob Anleger die Aktien nun dennoch verkaufen sollten.

Bereits 2020 waren die Umrisse des aktuellen Sanierungsprogramms der Commerzbank sichtbar. Die Zahl der Filialen sollte deutlich sinken. Festgelegt hatte sich der Vorstand dann zum Jahresanfang auf 450 Niederlassungen, die von damals 790 in Deutschland verbleiben sollten. Bereits im letzten Frühjahr und dann auch in den ersten Monaten 2021 waren einige Filialen aufgrund der Pandemie geschlossen. Viele davon werden nie mehr öffnen.

Ab Oktober müssen sich Kunden umschauen

Wie der Konzern nun bekannt gab, sollen noch dieses Jahr 240 Niederlassungen dichtmachen. Los gehen soll es im Oktober. Bereits Ende nächsten Jahres soll es dann nur noch 450 und damit nur noch rund die Hälfte der ursprünglich 790 Anlaufstellen für Commerzbankkunden geben. Der Vorstand verspricht sich davon deutliche Kosteneinsparungen. Zusammen mit dem Abbau von 7.500 Vollzeitkräften bildet die Maßnahme den Kern des Sanierungsprogramms. Am Ziel will die Bank dann 2024 sein.

Chart macht Sorgen

Ein Blick auf den Chart der Aktie zeigt: Die Situation hat sich zuletzt nicht verbessert, im Gegenteil. Gestern hat die Aktie die GD100 bei 5,73 Euro nach unten gerissen. Allerdings liegt um 5,35 Euro noch die GD200, die einen stärkeren Halt bieten sollte. Der seit Mitte 2020 gültige Aufwärtstrend bei 5,21 Euro ist zudem noch voll intakt. Allerdings sollten interessierte Anleger derzeit keinen Einstieg wagen, da das Chartbild zu stark angeschlagen ist.

Commerzbank (WKN: CBK100)

Wieso sollten investierte Anleger dann noch dabeibleiben? Wie erwähnt leidet die Aktie derzeit unter dem Umfeld für die Gesamtbranche, die Q2-Zahlen kommen hingegen erst Anfang August. Dort könnte es aber mehrere positive Überraschung geben, die den Kurs wieder anschieben sollten. Zudem bleibt es dabei, dass die Aktie ein großer Profiteur steigender Zinsen und somit anziehender Inflationsraten ist. Die Konjunktur in Deutschland hat wieder merklich angezogen und die Commerzbank kassiert auch hier mit. Daher sollte zwar der Stopp bei 4,80 Euro beachtet werden. Zum kompletten Verkauf der Position besteht aber derzeit kein Grund.

Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren: Commerzbank.


Hinweis auf Interessenkonflikte gemäß § 85 WpHG: Aktien von Commerzbank befinden sich im Aktionär-Depot von DER AKTIONÄR.

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