Profitieren Sie von Korrekturen
08.10.2019 Fabian Strebin

Commerzbank: Herabstufung voraus?

-%
Commerzbank

Die Commerzbank hat einen umfassenden Umbau beschlossen. Mehrere tausend Arbeitsplätze sollen dabei abgebaut werden. Die Bank will mehr sparen aber gleichzeitig zum Beispiel auch in die IT und die Digitalisierung investieren. Die Analysten sind bisher skeptisch, ob der Plan aufgeht. Nun hat sich die Ratingagentur Fitch zu Wort gemeldet.

Das langfristige Rating BBB+ wurde bestätigt. Allerdings senkten die Analysten den Ausblick von „stabil“ auf „negativ“. Gründe dafür nennen die Bonitätswächter einige. Hauptgrund sind der langwierige Konzernumbau und die niedrige Profitabilität der Bank. Es gebe nur wenig Spielraum für Fehler, die Erfolgsbilanz des Managements bei früheren Umbauten sei durchwachsen und der harte Wettbewerb auf dem Heimatmarkt schlage immer mehr durch.

Zudem weißt Fitch darauf hin, dass der geplante Verkauf der polnischen Tochter M-Bank komplizierter als erwartet werden könnte. Denn kürzlich gab es ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs, das den polnischen Bankkunden im Franken-Streit den Rücken stärkt.

Stolperstein Franken-Kredite

Vor Jahren hatten knapp 700.000 Polen Immobilienkredite in Schweizer Franken aufgenommen, um von den dort günstigeren Zinsen zu profitieren. Nach Ausbruch der Finanzkrise verteuerte sich der Franken gegenüber dem Zloty aber deutlich und die Belastungen für die Kreditnehmer stiegen massiv. Nun klagen etliche Kunden, um aus den Krediten herauszukommen. Die M-Bank sitzt auf einem Hypotheken-Portfolio von 3,4 Milliarden Franken.

Fitch merkt außerdem an, dass nach dem Verkauf der M-Bank das Geschäft der Commerzbank noch stärker auf Deutschland konzentriert sei. Auf dem Heimatmarkt seien die Margen aber unter Druck und der Wettbewerb intensiv. Zudem stehe der Kreditzyklus vor dem Ende, was höhere Rückstellungen für Darlehensausfälle bedeuten könnte.


Ob der Konzernumbau der Commerzbank gelingt, steht in den Sternen. Die Ziele sind nicht recht ambitioniert, aber ob sie erreicht werden, ist fraglich. Das Umfeld trübt sich zumindest immer weiter ein. Anleger meiden die Aktie der Commerzbank.

Commerzbank (WKN: CBK100)

Buchtipp: Die Geschichten des Geldes

Spekulationsblase am Neuen Markt, Bankenkrise 2008 und griechische Schuldenkrise – lauter Themen, die die Finanzmärkte bewegten und bewegen. Doch wer einen Schritt zurücktritt und das große Bild sieht, bemerkt: So neu ist das alles gar nicht! Die Geschichte gibt wertvolle Hinweise zum Verständnis der Gegenwart. Dass sich Geschichte wiederholt, zeigen die beiden Autoren anhand vieler Geschichten des Geldes. Infl ation, Deflation, Abwertung, irrationalen Überschwang, Bankenpleiten und -rettungen gab es immer schon: im Spanien des 16. Jahrhunderts, im Großbritannien des 17. Jahrhunderts, im Frankreich des 18. Jahrhunderts und in den USA des 19. Jahrhunderts. Lehr- und anekdotenreich vermitteln die Autoren gewissermaßen nebenbei ein tiefes Verständnis für die Ursprünge des Finanzsystems – und damit auch für seine aktuellen Kapriolen. So zeigt sich: Der Weg von der Kaurischnecke zur Kreditklemme ist nicht weit.

Autoren: Vaupel, Michael Kaul, Vivek
Seitenanzahl: 240
Erscheinungstermin: 15.04.2016
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-86470-327-0