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26.11.2020 Fabian Strebin

Commerzbank: Das steckt hinter Boekhouts Abgang

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Commerzbank

Der Abgang von Roland Boekhout als Firmenkundenchef scheint so gut wie sicher. Ein Dementi der Commerzbank gab es nach den Meldungen gestern nicht. DER AKTIONÄR berichtete. Allerdings sind nun mehr Details bekannt, was wohl zu dem Bruch geführt haben könnte. Ein Nachfolger soll auch schon feststehen.

Die Börsen-Zeitung schreibt, dass es Boekhout wohl mit dem Umbau seiner Sparte übertreiben wollte. Bereits vor der Corona-Pandemie sanken die Erträge und der Gewinntrend ist negativ. Das Betriebsergebnis hat sich in den ersten neun Monaten gegenüber 2019 auf 120 Millionen Euro fast halbiert. Zugleich bindet die Sparte 52 Prozent der Risikoaktiva der gesamten Commerzbank. Klar also, dass das Firmenkundengeschäft und nicht die Sparte mit den Privatkunden das eigentliche Sorgenkind der Bank ist.

Radikaler Schnitt geplant

Die Berater der Boston Consulting Group, die Anfang des Jahres die Commerzbank für den Anteilseigner Bund durchleuchteten, empfahlen beispielsweise Beziehungen zu bestimmten Großkunden zu beenden. Und zwar zu solchen, mit denen kein Gewinn gemacht wird. Boekhout war der Sanierungsbedarf mehr als bewusst, er wollte einige der Auslandsniederlassungen schließen und die Hälfte der 5.000 Beschäftigten der Sparte entlassen. Dem Aufsichtsrat war das anscheinend zu radikal.

Am Freitag könnte auf einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung bereits die Nachfolge entschieden werden, sagten mehrere mit dem Thema vertraute Personen dem Handelsblatt. Michael Kotzbauer wird als heißer Kandidat gehandelt. Er ist als Bereichsvorstand für das Mittelstandsgeschäft in Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland sowie den ostdeutschen Bundesländern inklusive Berlin verantwortlich. Kotzbauer gilt als kundennah, was ein Signal für den Fokus auf Deutschland im Mittelstandsgeschäft sein könnte.

Commerzbank (WKN: CBK100)

Die Aktie hat gestern korrigiert, aber liegt noch komfortabel über der Marke von fünf Euro. Der nächste Widerstand liegt nun bei 5,35 Euro, danach kommt die Marke bei 5,65 Euro in den Fokus. Investierte Anleger bleiben dabei und beachten den auf 4,00 Euro nachgezogenen Stopp. Das Ziel wurde auf 7,50 Euro erhöht. Ob die Commerzbank mit der Ablehnung von Boekhouts Plänen eine Chance vertan hat, muss sich in den kommenden Jahren zeigen. Klar ist, dass die Digitalisierung nach der Pandemie noch stärker Fahrt aufnehmen wird. Vielleicht hätte die Commerzbank die Gunst der Stunde jetzt nutzen sollen.


Hinweis auf Interessenkonflikte:


Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierende Kursentwicklung profitieren: Commerzbank.


Aktien von Commerzbank befinden sich im AKTIONÄR-Depot.

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