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Reiseaktien im Check: Warum Booking und Carnival vom Sparzwang profitieren

Reiseaktien im Check: Warum Booking und Carnival vom Sparzwang profitieren
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Ingo Nix Heute, 07:50 Ingo Nix
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Der Labor Day ist vorbei, Benzin und Flugtickets in den USA sind massiv teurer geworden – gereist wird trotzdem, nur anders. Zwei Geschäftsmodelle profitieren direkt davon: die Plattform von Booking Holdings und die Autoanreise-Logik von Carnival. Was die jüngsten Quartalszahlen dazu sagen.

Groupon ruft für sein Flaggschiff-Angebot rund 200 bis 300 Dollar pro Person auf, Flug und Unterkunft inklusive – das Reiseziel erfährt der Käufer erst wenige Tage vor der Abreise. Solche Mystery-Reisen verkaufen sich in den USA derzeit auffällig gut. Dahinter steht ein Markt unter Preisdruck. Benzin kostet rund um den Labor Day etwa 30 Prozent mehr als vor einem Jahr, Flugtickets lagen im Juli mehr als 25 Prozent über Vorjahr. Gereist wird trotzdem.

Nach einer Auswertung von Kartendaten der US-Bank PNC gaben Haushalte mit einem Jahreseinkommen unter 36.675 Dollar im Juli sieben Prozent mehr fürs Reisen aus als ein Jahr zuvor; im bisherigen Jahresverlauf lag ihr Ausgabenniveau so hoch wie seit mindestens 2019 nicht. Die Buchungsplattform Hostelworld meldet für das erste Halbjahr ein Transaktionsplus von zehn Prozent in Nordamerika. Der Verzicht trifft also nicht die Reise selbst, sondern ihre Ausstattung: billigere Betten, kürzere Wege, mehr Last-Minute. Für genau dieses Verhalten sind zwei börsennotierte Geschäftsmodelle gebaut.

Booking Holdings: Das Inland trägt das Wachstum

Der weltgrößte Reisevermittler verkauft keine Betten, sondern Reichweite – und verdient an jeder vermittelten Nacht, egal ob Fünf-Sterne-Haus oder Hostel. Im Q2 (Stichtag 30. Juni) vermittelte der Konzern 325 Millionen Zimmernächte, fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Das Buchungsvolumen stieg um neun Prozent auf 51,00 Milliarden Dollar, der Umsatz um acht Prozent auf 7,35 Milliarden Dollar.

Entscheidend ist die Aufteilung: In den USA wuchsen die Zimmernächte hoch einstellig, international nur leicht. Teure Tickets und ausgedünnte Flugpläne bremsen die Langstrecke, das Inlandsgeschäft fängt es auf. Finanzchef Ewout Steenbergen wies Analysten bereits im April mit Blick auf das Q1 darauf hin, dass die durchschnittlichen Tagesraten im unteren Preissegment stabil lagen – nach einer Serie rückläufiger Werte. Für das Q3 stellt das Unternehmen drei bis fünf Prozent mehr Zimmernächte in Aussicht.

Booking Holdings (WKN: A2JEXP)

Carnival: Die Anfahrt kostet nichts

Bei der weltgrößten Kreuzfahrtgesellschaft läuft dasselbe Argument über die Kostenseite des Kunden. Rund die Hälfte der US-Bevölkerung wohnt nach Angaben von Finanzchef David Bernstein maximal fünf Autostunden von einem Abfahrtshafen entfernt. Wer mit dem Auto anreist, streicht den Posten, der in diesem Jahr am stärksten gestiegen ist – den Flug. Unterkunft, Verpflegung und Unterhaltung stecken im Paketpreis, das Budget ist vor der Abreise bekannt.

Die Zahlen stützen das: Im Q2 bis zum 31. Mai erlöste Carnival 6,66 Milliarden Dollar bei einem bereinigten Gewinn von 569 Millionen Dollar, gut 20 Prozent mehr als im Vorjahr – trotz rund 30 Prozent höherer Treibstoffkosten. Die Kundenanzahlungen kletterten auf den Rekordwert von 9,00 Milliarden Dollar, das Jahr war zum Meldezeitpunkt zu 93 Prozent ausgebucht, und es war das zwölfte Rekordquartal in Folge bei den Nettoerlösen je Bettentag.

Carnival (WKN: A42BYX)

Beide Geschäftsmodelle haben jedoch auch einen Haken. Der Nahostkonflikt drückt auf Langstreckenflüge und Mittelmeerrouten: Bei Booking hat sich das Wachstum der Zimmernächte von neun auf fünf Prozent fast halbiert, Carnival senkte die Jahresprognose für das Erlöswachstum je Bettentag von rund 2,75 auf 2,25 Prozent. Dazu kommt die Stimmung: Das Verbrauchervertrauen der Universität Michigan lag im August elf Prozent unter Vorjahr, ausdrücklich wegen erwarteter Spritpreise.

Die Reise ist für den amerikanischen Konsumenten vom Luxus zur Selbstverständlichkeit geworden – bezahlt wird sie inzwischen an anderer Stelle im Haushaltsbudget. Booking monetarisiert diese Verschiebung nach unten preisunabhängig, Carnival verkauft das Paket, bei dem die teuerste Einzelposition entfällt. Beim nächsten Zahlenwerk zählen deshalb nur zwei Dinge: bei Carnival, dessen Q3-Bericht für Anfang Oktober erwartet wird, die Kundenanzahlungen und die Buchungslage für 2027 – bei Booking Anfang November die Frage, ob das Zimmernächte-Wachstum das obere Ende der eigenen Spanne erreicht.

Booking und Carnival sind laufende Empfehlungen des AKTIONÄR.

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