Die militärische Eskalation im Nahen Osten hat die Luxusaktien aus ihrer leichten Erholungsphase gerissen. Denn gerade die angegriffene Golfregion ist einer der wichtigsten Märkte für LVMH und Co. An den Börsen rauschen die Kurse seit Wochenbeginn in die Tiefe.
Die Raketen trafen Ziele in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Bahrain und Katar. Genau diese Golfregion ist für die Luxusbranche längst mehr als ein Nebenmarkt. In Dubai befindet sich inzwischen häufig der umsatzstärkste Store einer Marke, wie Bernstein-Analyst Luca Solca betont. Insgesamt steht die Region für rund sieben bis acht Prozent der weltweiten Luxusausgaben und ist damit ähnlich wichtig wie Japan.
Doch seit Montagmorgen sind die internationalen Flughäfen Dubais dicht, der Luftraum über den Emiraten und Katar gesperrt. Fluggesellschaften stellen Verbindungen ein. Wo sonst Shoppingtouristen aus Asien, Europa und Russland ein- und ausfliegen, herrscht Stillstand.
Solca warnt: Ein langwieriger Krieg würde nicht nur die regionale Nachfrage, sondern die globale Konsumlaune dämpfen und damit das ohnehin fragile Wachstum im Luxussegment weiter ausbremsen.
Reisepläne in Gefahr
RBC-Analyst Piral Dadhania verwies auf die unmittelbaren Folgen der Anschläge auf Dubai und die verhängte Ausgangssperre. Die Einnahmen im wichtigsten Markt der Region könnten einbrechen, zudem falle die Eskalation mitten in den konsum- und reisefreudigen Ramadan.
Sollte sich die Unsicherheit bis 2026 ziehen, könnten Konsumenten aus dem Nahen Osten ihre Reisepläne nach Europa überdenken. Das hätte spürbare Folgen, da ein erheblicher Teil des europäischen Luxusumsatzes am internationalen Tourismus hängt.
Auswirkungen nicht absehbar
Dabei ist die Branche bereits angeschlagen. Die Nachfrage in China schwächelt, geopolitische Spannungen und Handelskonflikte belasten die Planungssicherheit, die globale Konjunktur bleibt fragil. „Die größte Herausforderung in dieser Phase besteht darin, dass weder die Dauer noch das Ausmaß des Konflikts vorhersehbar sind, was bedeutet, dass jeder Versuch, die Auswirkungen zu quantifizieren, mit großer Unsicherheit behaftet bleibt“, so Vontobel-Analyst Jean-Philippe Bertschy.
Die Aktien von LVMH, Hermès und Kering geben deutlich nach, auch Richemont, Swatch und EssilorLuxottica lassen Federn. Anleger halten die Füße still und beachten die Stoppkurse des AKTIONÄR.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: LVMH, Kering, Hermès.
Die Autorin hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: LVMH.
LVMH-Aktien befinden sich in einem Real-Depot der Börsenmedien AG.
Heute, 09:50