18.03.2019 Florian Söllner

Zeitenwende? Tesla-Fan mit „Aha-Erlebnis“ zu Model S und X - Analyst sieht „fundamentale Veränderung“ bei Aktie

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Tesla
Trendthema

Verändert sich gerade etwas bei Tesla? Gleich zwei neue, ganz unterschiedliche Einschätzungen lassen aufhorchen. Zum einen Roth Capital: Die Aktie verhalte sich nicht mehr so wie bisher, stellen die Analysten fest. „Wir sehen eine fundamentale Änderung im Verhalten der Anleger“. Bisher sei Tesla eine Art Emerging-Markets-Wachstumsaktie gewesen. Musk habe Meilensteine festgelegt und die Börse das Erreichen dieser gefeiert. Doch nun betrachten Investoren primär das Verkaufsvolumen, die Marge und schätzen das realistische Marktpotential ein.

Audi: „andere Liga“

Das größte Asset von Elon Musk sind weiterhin die Millionen Fans der Marke. Kein anderer Autohersteller konnte zuletzt so viel Euphorie wecken wie der Elektroauto-Pionier. Doch auch hier gibt es nun mehr und mehr differenzierte Stimmen. Ein neues Video von einem Elektroauto-Blogger hat nun besondere Aufmerksamkeit erregt – selbst US-Shortseller haben den Link zu dem deutschen Video geteilt. Denn Dirk Henningsen vom E-Auto-Vlog bringt als Tesla-Fahrer Glaubwürdigkeit mit und ist ein Freund der klaren Worte. Nach einer Probefahrt mit dem Audi e-Tron sagt er: Tesla müsse sich ändern, sonst könne der Autohersteller „einpacken.“ Der Unterschied der Verarbeitungsqualität sei sehr hoch: Sein Auto „klappere“ und sei bei einer Geschwindigkeit von 100 bis 120 Km/h so laut wie der Audi bei Tempo 200. Auch die teils haarsträubenden Qualitätsmängel bei der Auslieferung der neuen Model 3 und angebliche Wartezeiten für Service-Termine von bis zu 8 Wochen seien ein Punkt, den Tesla angehen müsse, um weiter erfolgreich zu bleiben. Direkt von Tesla weg zu Audi wechseln will Henningsen dann trotzdem nicht – weil das Supercharger-Netz von Tesla immer noch ein triftiger Grund für die Marke sei.

Tesla hat einen Zeitvorsprung und eine große Chance – doch entscheidend bleibt, dass die (laut Consumer Report trotz geringerer Qualität sehr hohe) Kundenzufriedenheit im Auge behalten wird. Nur wenn der Glauben an die Marke hoch bleibt, kann Tesla Premiumpreise erzielen und weitere Preissenkungen abwenden. Trader warten weiterhin neue Stärke in der Aktie und ein Kaufsignal zwischen 320 und 330 Dollar ab.

Chance Model Y

Ein schönes Auto - wie das Model 3. Doch hier beginnt das Problem: Aus Kostengründen hat Elon Musk beim Model Y auf den großen Wurf verzichtet. Aufgrund seiner Leistungswerte und des gefälligen Designs wird es hunderttausende Käufer finden. Doch Tesla hat die Messlatte selbst sehr hoch gelegt - Elon Musk zufolge erwartet er vom Mini-SUV deutlich höhere Absatzzahlen als vom Model 3 bis hin zu siebenstelligen Werten - obwohl das Model Y teurer wird. Ein Blick auf die GoogleTrends-Daten zeigt, dass die Euphorie weit geringer ist als damals 2016 zum Model-3-Event. Zwar werden viele Presseartikel erst im Laufe der nächsten Tage veröffentlicht und der Aufmerksamheits-Peak liegt noch vor uns - doch selbst der Vergleich der Trend-Daten vor den Events zeigt, dass 2016 das Interesse am Model 3 grob doppelt so hoch war als nun zur Model-Y-Enthüllung.

Auch die Reaktionen im Netz und der Reporter vor Ort sind positiv - aber nicht euphorisch. Ein Bild-Reporter (Tweet) bezeichnet das Model Y als das "bisher uncoolste" Auto von Tesla. Das Model Y wird ein Erfolg werden - doch Elon Musk braucht einen Mega-Erfolg, um die jüngste Absatzschwäche hinter sich zu lassen. Anleger warten weiterhin ab, ob die Vorfreude auf den Verkauf des Model Y reicht, um endlich die Marke zwischen 320 und 330 Dollar zu knacken.

Mein erster Eindruck vom #ModelY: die SUV-Version des @Tesla #Model3 . Das wahrscheinlich uncoolste der jetzt vier Modelle. Aber etwas nutzwertiger. Und immer noch mit dem beeindruckenden Tesla-Antrieb. Auch die Reaktion der Fans in der Halle war eher zurückhaltend @autobild pic.twitter.com/k7U8QqWOvQ

Wir berichteten : Um vier Uhr MEZ hat Elon Musk das neue Model Y vorgestellt. Hier sind die ersten Bilder. Das Design von Franz von Holzhausen ist gewohnt gefällig und windschnittig (cw: 0,23) - wenngleich wie von Elon Musk angekündigt, große Überraschungen bei der Optik aufgrund der Nähe zum Model 3 ausblieben. Doch für Kunden gab es dennoch zwei angenehme Neuerungen, die so nicht erwartet wurden: Das Model Y wird mit sieben Sitzen angeboten. Zudem ist die Reichweite mit bis zu 300 Meilen (480 Kilometern) am oberen Ende der Schätzungen angegeben. Die Basisvariante (370 km) wird erst Frühjahr 2021 auf den Markt kommen und soll 39.000 Dollar kosten. Die Langstreckenversion (480 km Reichweite) wird hingegen laut Musk schon im Herbst 2020 für 47.000 Dollar erhältlich sein. Die ersten Reaktionen der potenziellen Kunden auf das Model Y sind primär positiv - doch der ein oder andere Kritiker bemängelt die große Ähnlichkeit zum Model 3.

Die große Frage ist: Wie viel Model Y kann Tesla verkaufen? Der CEO erwartete älteren Aussagen zufolge für das Model 3 eine potentielle Nachfrage von "700.000 bis 800.000 pro Jahr, in einer Rezession vielleicht nur 500.000". Aktuell hält sich Elon Musk aufgrund einer SEC-Untersuchung mit solchen Aussagen zurück. Für das Model Y soll die Nachfrage, nach älteren Aussagen, ungefähr doppelt so groß sein, was mindestens einer Million Autos pro Jahr entsprechen würde.

congrats to @elonmusk and the @tesla team! this is history! we’re finally #S3XY!!! soon we’ll be #SemiS3XY! then we’ll be #SemiS3XYRoadster! and if the pickup truck is the Model M, then we’ll be #SemiSM3XYRoadster!

Audi Q4: Auf Augenhöhe

Audi setzt ähnlich wie Tesla auf einen kompakten SUV, den Audi Q4. Nach bisherigen Schätzungen positioniert sich die VW-Premiummarke mit dem Q4 punktgenau auf Augenhöhe mit dem Model Y. Punkten kann Audi mit dem futuristischen Design. Bisher gelang es Tesla meist bei der Beschleunigung der Konkurrenz mindestens eine Nasenlänge voraus zu sein – kontern könnte Audi hier mit seinem Qualitätsanspruch und einer hohen Zuverlässigkeit. Fazit: Ein stimmiges Produkt, das seine Fans finden wird.

Polestar 2: Geheimfavorit

Volvo wird mit seinem Tochterunternehmen Polestar, das 2020 mit dem Polestar 2 ihr erstes voll elektrisches Auto herstellen wird, ebenfalls eingreifen. Mit ähnlicher Reichweite, Preisklasse und sportlicheren Design kann es als ernstzunehmender Model-Y-Alternative betrachtet werden. Zumal Unternehmenschef Thomas Ingenlath "zehntausende" davon verkaufen will. Auch wenn es für die Schweden schwer wird, dem Hype rund um Tesla Stirn zu bieten, sie versuchen es: "Der Polestar 2 tritt gegen das Model 3 von Tesla an”. Was Daten und Preise angeht, spielt das Elektroauto in einer Liga: Es verfügt über zwei E-Motoren und eine 78-kWh-Batterie. Fazit: Cooles Image und durchdachter Style – eine echte Tesla-Alternative.

Verkaufssieger: Model Y

Man muss kein Prophet sein, um zu erahnen: Die meisten Bestellungen wird das Model Y einheimsen. Doch während das Model 3 2016 quasi konkurrenzlos war, muss sich das Tesla Model Y nun im Wettbewerb behaupten. Entscheidend wird für den operativen Erfolg, dass Tesla zu einem effizient produzierenden Autohersteller wird – siehe auch hier.