Börsen-Achterbahn: So handeln clevere Anleger richtig
Foto: Börsenmedien AG
13.06.2018 DER AKTIONÄR

Wirecard-Konkurrent Adyen: Sensationeller Börsengang

-%
Wirecard

Der Zahlungsabwickler Adyen hat am Mittwoch ein fulminantes Börsendebüt aufs Parkett gezaubert. Im Vergleich zum Ausgabepreis hat sich der Kurs zeitweise mehr als verdoppelt. Beinahe die gesamte Branche befindet sich daraufhin im Aufwind.

Der niederländische Payment-Anbieter ist am Mittwoch mit satten Gewinnen an der Börse in Amsterdam durchgestartet. Bereits im Vorfeld hatte sich bereits Interesse an den Papieren abgezeichnet – nach Angaben der Konsortialbanken war das Orderbuch bereits eine Stunde nach Beginn der Zeichnungsfrist einmal gefüllt. Entsprechend wurden die Aktien mit 240 Euro pro Stück am obersten Ende der Bookbuilding-Spanne ausgegeben.

Der erste Kurs an der Euronext in Amsterdam lag am Mittwochmorgen mit 400 Euro bereits mehr als 65 Prozent über dem Emissionskurs. Im Laufe des Vormittags hat sich die Adyen-Aktie in der Spitze auf rund 500 Euro mehr als verdoppelt. Der Börsenneuling kommt damit aus dem Stand auf eine Marktkapitalisierung von rund 14 Milliarden Euro.

Ähnlich wie beim Spotify-IPO vor einigen Wochen wurden im Zuge des Börsengangs lediglich Anteile aus dem Besitz früher Investoren verkauft – rund 947 Millionen Euro flossen den verkaufswilligen Eigentümern im Gegenzug für 14 Prozent der Anteile zu. Adyen selbst hat indes auf den Verkauf von Aktien oder eine Kapitalerhöhung verzichtet.  

Das im Jahr 2006 gegründete Unternehmen bietet Omnichannel-Payment-Systeme zur Abwicklung von Online-, Mobile- und Point-of-Sale-Zahlungen sowie Tools zur Analyse von Payment-Daten an. Zu den Kunden zählen beispielsweise Online-Plattformen wie Netflix, Spotify, Booking.com und Ebay, die Modekette Mango oder das Luxus-Label Tory Burch. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat Adyen Zahlungen im Volumen von 108 Milliarden Euro abgewickelt und dabei einen Umsatz von einer Milliarde Euro sowie einen Nettogewinn von 71,3 Millionen Euro erwirtschaftet.

Jubelstimmung in der Peergroup

Die News über das starke Börsendebüt von Adyen sorgt auch bei anderen Unternehmen in der Branche für gute Stimmung. Die Aktie von Ingenico springt rund sechs Prozent nach oben, bei First Data sind es gut vier Prozent. Wirecard ist am Morgen bei 154 Euro auf ein neues Allzeithoch gesprungen, musste einen Teil der Gewinne zwischenzeitlich aber wieder abgeben.

Gelingt es dem TechDAX-Schwergewicht, das Plus von aktuell rund 2,4 Prozent bis zum Handelsschluss aufrechtzuerhalten, wäre es bereits der elfte Gewinntag in Folge. Gemessen an der Marktkapitalisierung von über 18 Milliarden Dollar ist Wirecard damit nun wertvoller als die Deutsche Bank.

Wirecard auf neuem Allzeithoch – Adyen auf der Watchlist

Zwar ist der langfristige Aufwärtstrend bei Wirecard intakt und auch die Wachstumsaussichten in der Branche stimmen, nach der rasanten Kursrallye in den vergangenen Monaten ist das Risiko zwischenzeitlicher Gewinnmitnahmen jedoch recht hoch. Trader können die Gewinne laufen lassen, sollten aber auf mögliche Rückschläge gefasst sein.

Adyen hat sich bei seinem IPO explizit an institutionelle Investoren gewandt – der kräftige Kurssprung zum heutigen Börsendebüt dürfte an den allermeisten Privatinvestoren daher vorbeigegangen sein. Statt sofort auf den fahrenden Zug aufzuspringen sollten Anleger zunächst abwarten, bis sich die anfängliche Aufregung etwas gelegt hat.

Mehr zu Wirecard und dem Börsengang von Adyen lesen Sie auch in der neuen Ausgabe 25/2018 des AKTIONÄR – heute Abend ab 22 Uhr als E-Paper und ab Freitag am Kiosk.

Buchtipp: Die Geschichte der Spekulationsblasen

Eigentlich sind wir alle ziemlich schlau. Nur das mit dem Geld klappt nicht so recht … und manchmal geht es sogar richtig schief. Doch warum nur? Mit „Die Geschichte der Spekulationsblasen“ macht sich John Kenneth Galbraith, einer der ganz großen Ökonomen des 20. Jahrhunderts, auf die Suche nach der Antwort. Und er sucht an den richtigen Stellen – den Finanz­katas­trophen der letzten vier Jahrhunderte: der Tulpenmanie des 17. Jahrhunderts, der Südseeblase im 18. Jahrhundert, den Hochrisiko-Anleihen im 20. Jahrhundert. Mit Geist und Witz erklärt Gal­braith die psychologischen Mechanismen hinter diesen Blasen … damit der Leser sie durchschaut und sich dagegen wappnen kann. Dieses Meisterwerk zum Thema Finanzpsychologie war vergriffen und wird nun im Börsenbuchverlag wieder aufgelegt.

Autoren: Galbraith, John Kenneth
Seitenanzahl: 128
Erscheinungstermin: 19.03.2020
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-86470-677-6