Chinaknaller zündet am 22.10.20 - jetzt Kursfeuerwerk sichern!
08.11.2019 Nikolas Kessler

Wirecard: Goldman wird vorsichtiger – Aktie vor großer Neubewertung?

-%
Wirecard

Die meisten Analysten sahen nach den Quartalszahlen von Wirecard und den Äußerungen des Top-Managements zur laufenden Bilanz-Sonderprüfung zunächst keinen Anlass, ihre Einschätzung für die Aktie zu ändern. Doch Goldman Sachs wird nun etwas vorsichtiger.

In einer aktuellen Studie hat Analyst Mohammed Moawalla zwar sein „Buy“-Rating für die Wirecard-Aktie bestätigt, das Kursziel aber von bisher 230 auf 175 Euro deutlich gesenkt. Die Kurszielsenkung reflektiere die Wahrscheinlichkeit, dass am Markt verschiedene Risiken eingepreist würden, etwa in Bezug auf die Ergebnisse der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und Untersuchungen in Singapur, so die Begründung.

Die weitere Kursentwicklung bei Wirecard hänge maßgeblich von deren Ausgang ab, so der Analyst. Die Zwischenbilanz für das dritte Quartal habe derweil weitgehend seinen Erwartungen entsprochen und die anhaltend robuste Wachstumsdynamik des Zahlungsabwicklers bestätigt.

Bis vor Kurzem zählte Goldman-Analyst Moawalla zu den größten Wirecard-Bullen. Doch bereits vor vier Wochen hatte er den DAX-Titel aus der Favoritenauswahl „Conviction Buy List“ gestrichen und stattdessen den niederländischen Rivalen Adyen aufgenommen (DER AKTIONÄR berichtete).

Kaum Handlungsbedarf

Während US-Investmentbank ihre Erwartungen damit erneut angepasst hat, sahen die Analysten vieler anderer Institute zunächst keinen Handlungsbedarf. So hat die Commerzbank ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 230 Euro kurz nach Veröffentlichung der Zahlen bestätigt.

Richard-Maxime Beaudoux von Société Générale hatte bereits kurz nach den Zahlen sein „Buy“-Rating mit einem fairen von 271 Euro erneuert. Gemessen am Kursziel ist er damit der größte Optimist unter den 29 Experten, die nach Daten von Bloomberg die Wirecard-Aktie covern.

Wie realistisch sind die Mega-Kursziele?

Zwar konnte sich die Aktie etwas vom Kursrutsch Mitte Oktober erholen, aktuell dümpelt sie jedoch im Bereich von 120 Euro. Daran konnten auch der anhaltend positive Newsflow zum operativen Geschäft nichts ändern.

Auf diesem Niveau entspricht das Commerzbank-Kursziel über 90 Prozent Kurspotenzial. Das Mega-Kursziel von Société Générale signalisiert auf 12-Monats-Sicht sogar rund 125 Prozent Aufwärtspotenzial.

Das wirft die Frage auf, wie realistisch solche Kursziele angesichts der Kursentwicklung der vergangenen Monate noch sind. Und ob vor diesem Hintergrund nun eine größere Neubewertung der Wirecard-Aktie bevorsteht.

Wirecard (WKN: 747206)

Hemmschuh für die Kursentwicklung

Klar ist: Die wiederholten Bilanz-Vorwürfe und die draus resultierenden Untersuchungen überschatten seit Monaten die positive operative Entwicklung des Zahlungsabwicklers. Die laufende Sonderprüfung kann diese Zweifel im Idealfall ausräumen und womöglich den Startschuss für eine kräftige Erholungsrallye samt Short-Squeeze liefern. Doch selbst in diesem Fall hält DER AKTIONÄR einige der Kursziele auf mittlere Sicht für zu hoch gegriffen.

Mit Ergebnissen wird zudem erst in einigen Monaten gerechnet und selbst dann ist noch offen, ob der erhoffte Freispruch das Thema „wirklich zu einem Ende bringt“, wie Vorstandschef Markus Braun es in der Analystenkonferenz nach den Zahlen formulierte.

Die Unsicherheit bleibt in der Zwischenzeit hoch und die Wirecard-Aktie aus diesem Grund auf der Beobachtungsliste.

Mit Material von dpa-AFX.

Hinweis nach §34 WPHG zur Begründung möglicher Interessenkonflikte: Aktien oder Derivate, die in diesem Artikel besprochen / genannt werden, befinden sich im "Real-Depot" von DER AKTIONÄR.

Buchtipp: Die Geschichte der Spekulationsblasen

Eigentlich sind wir alle ziemlich schlau. Nur das mit dem Geld klappt nicht so recht … und manchmal geht es sogar richtig schief. Doch warum nur? Mit „Die Geschichte der Spekulationsblasen“ macht sich John Kenneth Galbraith, einer der ganz großen Ökonomen des 20. Jahrhunderts, auf die Suche nach der Antwort. Und er sucht an den richtigen Stellen – den Finanz­katas­trophen der letzten vier Jahrhunderte: der Tulpenmanie des 17. Jahrhunderts, der Südseeblase im 18. Jahrhundert, den Hochrisiko-Anleihen im 20. Jahrhundert. Mit Geist und Witz erklärt Gal­braith die psychologischen Mechanismen hinter diesen Blasen … damit der Leser sie durchschaut und sich dagegen wappnen kann. Dieses Meisterwerk zum Thema Finanzpsychologie war vergriffen und wird nun im Börsenbuchverlag wieder aufgelegt.

Autoren: Galbraith, John Kenneth
Seitenanzahl: 128
Erscheinungstermin: 19.03.2020
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-86470-677-6