27.04.2020 Nikolas Kessler

Wirecard: Die nächsten Stunden bringen Klarheit

-%
Wirecard

Zweimal wurde verschoben, am heutigen Montag soll es soweit sein: Wirecard wird die Ergebnisse der Sonderprüfung veröffentlichen. Große Überraschungen dürfte es dabei eigentlich nicht mehr geben. Was bedeutet das für die Aktie?

Eigentlich wollte Wirecard die Angelegenheit bis Ende März hinter sich bringen. Bereits Mitte März war allerdings klar, dass es etwas länger dauern wird. Immerhin: Die Prüfung der Niederlassung in Singapur – einer der größten Kritikpunkte von Financial Times und Co – sei „weitestgehend abgeschlossen“ und habe „keine substanziellen Feststellungen“ ergeben, hieß es damals (DER AKTIONÄR berichtete).

Unter anderem wegen der „aufwendigen und detaillierten Prüfung“ und Reiserestriktionen wegen Corona wurde der Zeitrahmen für die Untersuchung damals verlängert – sie solle „voraussichtlich zum 22. April 2020 abgeschlossen werden“.

An jenem Termin in der Vorwoche dann die nächste Teil-Entlastung: Auch im Dritt-Partnergeschäft (TPA) gebe es nichts zu beanstanden. Zwar würden noch einige Datenbestände ausgewertet. Bislang gebe es aber keine Belege für die öffentlich erhobenen Vorwürfe der Bilanzmanipulation und auch keinen Korrekturbedarf für die Jahresabschlüsse im Untersuchungszeitraum von 2016 bis 2018 (DER AKTIONÄR berichtete). Am Montag, 27. April, werde der KPMG-Bericht dann endgültig vorliegen. 

Wirecard (WKN: 747206)

Comeback der Aktie läuft

Die Anleger haben die Meldung faktisch als Freispruch von den Bilanz-Vorwürfen gewertet. Die Aktie hat ihre Aufwärtsbewegung daraufhin noch einmal beschleunigt und in der Vorwoche kurzzeitig die Marke von 140 Euro überwunden. Ein schwacher Gesamtmarkt und Gewinnmitnahmen ließen den Kurs vor dem Wochenende zwar wieder etwas zurückkommen, am Montag fassen die Anleger aber neuen Mut: Mit einem Plus von rund drei Prozent gehört Wirecard erneut zu den Gewinnern im DAX.

Nach den bisherigen Statements des Unternehmens rechnet DER AKTIONÄR nicht damit, dass der Abschlussbericht von KPMG noch große Überraschungen beinhalten wird. Allerdings werden Anleger, Analysten und nicht zuletzt die Leerverkäufer jedes Wort auf die Goldwaage legen. Eine gewisse Spannung bleibt. Mittel- und langfristig dürfte sich der Fokus nach der überstandenen Sonderprüfung aber endlich wieder auf operative Geschäft verlagern – und das Comeback der Aktie weitergehen.

Buchtipp: Die Geschichte der Spekulationsblasen

Eigentlich sind wir alle ziemlich schlau. Nur das mit dem Geld klappt nicht so recht … und manchmal geht es sogar richtig schief. Doch warum nur? Mit „Die Geschichte der Spekulationsblasen“ macht sich John Kenneth Galbraith, einer der ganz großen Ökonomen des 20. Jahrhunderts, auf die Suche nach der Antwort. Und er sucht an den richtigen Stellen – den Finanz­katas­trophen der letzten vier Jahrhunderte: der Tulpenmanie des 17. Jahrhunderts, der Südseeblase im 18. Jahrhundert, den Hochrisiko-Anleihen im 20. Jahrhundert. Mit Geist und Witz erklärt Gal­braith die psychologischen Mechanismen hinter diesen Blasen … damit der Leser sie durchschaut und sich dagegen wappnen kann. Dieses Meisterwerk zum Thema Finanzpsychologie war vergriffen und wird nun im Börsenbuchverlag wieder aufgelegt.

Autoren: Galbraith, John Kenneth
Seitenanzahl: 128
Erscheinungstermin: 19.03.2020
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-86470-677-6