Jahrhundertchance „Neue Energie“ >> maydornreport
Foto: Börsenmedien AG
03.03.2016 DER AKTIONÄR

Volkswagen wehrt sich gegen Aktionärs-Klagen – Winterkorn seit 2014 informiert

-%
DAX

Bei der Aufklärung des Abgas-Skandals will Volkswagen aus der Defensive. In einer ungewöhnlich langen Erklärung wehrt sich der Autobauer gegen den Vorwurf, die Öffentlichkeit zu spät über den Abgas-Skandal informiert zu haben. Brisant dabei: Ex-VW-Chef Winterkorn wurde bereits 2014 informiert.

In dem Schreiben erklärt Volkswagen, am Landgericht Braunschweig eine Klageerwiderung im Zusammenhang mit dem Vorwurf eines Verstoßes gegen kapitalmarktrechtliche Publizitätspflichten eingereicht zu haben. Dort haben einige Aktionäre wegen einer Verletzung der Adhoc-Pflicht geklagt – sie wollen, dass VW die Verluste ersetzt, die durch den Kursrutsch im September entstanden sind.

Im Kern geht es um die Frage, wann genau VW die Aktionäre über den Abgas-Skandal hätte informieren müssen. Volkswagen tat dies am 22. September 2015 mit einer Pflichtmitteilung an die Börse. Laut Medienberichten hätten VW-Manager aber bereits am 3. September hinter den Kulissen gegenüber US-Umweltbehörden Manipulationen bei Diesel-Abgastests eingeräumt. Kursrelevant wurde der Vorgang am 18. September, als US-Behörden die Verletzung von Umweltschutzrichtlinien publik gemacht hatten.

Was wusste Winterkorn?

In der Erklärung geht Volkswagen auch auf die Geschichte des Skandals ein. Der damalige Konzernchef Martin Winterkorn bereits im Mai 2014 erstmals über Unregelmäßigkeiten beim EA189-Motor informiert worden. Die Notiz sei Winterkorn in seiner „umfangreichen Wochenendpost“ zugestellt worden – „ob und inwieweit Herr Winterkorn von dieser Notitz Kenntniss genommen hat, ist nicht dokumentiert“, heißt es dort.

Zudem habe es im Juli 2015 eine Besprechung zur „Diesel-Thematik“ gegeben, an der auch Winterkorn und VW-Markenchef Herbert Diess teilgenommen haben. Nach einer internen Prüfung seien Mitglieder des VW-Vorstandes im Ende August zu der Erkenntnis gekommen, dass es sich bei der Softwareänderung um ein laut US-Recht unzulässiges „Defeat Device“ handle. Am 3. September sei dies gegenüber den US-Umweltbehörden CARB und EPA kommuniziert worden, Winterkorn sei darüber durch eine Notiz vom 4. September unterrichtet worden.

Foto: Börsenmedien AG

Vieles bereits eingepreist

Die Aufarbeitung des Abgas-Skandals wird teuer – so viel ist sicher. Wie hoch die Kosten für die Nachrüstung der betroffenen Fahrzeuge und die Schadenersatzzahlungen an die Aktionäre letztlich ausfallen werden, ist dagegen ungewiss. Auf dem aktuellen Kursniveau dürfte allerdings Vieles schon eingepreist sein. Langfristig orientierte Anleger mit einem Anlagehorizont von 12 bis 24 Monaten können daher weiterhin zugreifen.

(Mit Material von dpa-AFX)

Behandelte Werte

Name Wert Veränderung
Heute in %
DAX - Pkt.
Volkswagen - €

Buchtipp: Powerplay

Genie, Visionär oder doch nur windiger Geschäftemacher? Elon Musk war einer der umstrittensten Titanen des Silicon Valley. Er wurde von Konkurrenten und Investoren bedrängt, von Whistle­blowern behindert – dennoch verloren er und sein Team von Tesla nie den Glauben an das Potenzial von E-Autos. Beharrlich entwickelten sie ein Auto, das schneller, leiser und sauberer war als alle anderen. Der Auto- und Technologie-Reporter des „Wall Street Journal“, Tim Higgins, verfolgte das Drama von der ersten Reihe aus: die Phasen des Innovationsstaus, das Ringen um die Kontrolle, die Verzweiflung und den unerwarteten Erfolg. „Powerplay“ ist eine Geschichte von Macht, Rücksichtslosigkeit, Kampf und Triumph und schildert, wie ein Team von Exzentrikern und Innovatoren alle Hürden überwand – und die Zukunft veränderte.
Powerplay

Autoren: Higgins, Tim
Seitenanzahl: 480
Erscheinungstermin: 25.11.2021
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-86470-781-0