Volkswagen: Ist das die Wende?

Volkswagen: Ist das die Wende?
Foto: REUTERS/Matthias Rietschel
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Jochen Kauper 11.12.2024, 08:59 Jochen Kauper

VW steht stellvertretend für die Probleme in der Autoindustrie und die schwache Nachfrage nach Elektroautos. Die Aktie rutschte im Jahr 2024 weiter ab. 17 Prozent Minus fuhren die Aktionäre seit Jahresbeginn ein. Der Börsenwert kippte auf ein Niveau ab, das zuletzt auf dem Höhepunkt des „Dieselgate“-Abgasskandals im Jahr 2015 erreicht wurde. Zuletzt nutzen die Käufer das niedrige Kursniveau, um erste Positionen aufzubauen. Jetzt nähert sich die Aktie der wichtigen 50-Tage-Linie und steht kurz vor einem technischen Kaufsignal.

VW ID.3 Frontansicht
Quelle: Volkswagen
VW ID.3

VW-Konzernchef Oliver Blume sieht keine Alternative zu harten Sparmaßnahmen bei Volkswagen. "Das Ziel für Kosten- und Kapazitätsanpassung steht", sagte Blume in einem Interview mit der Bild am Sonntag. VW sei in der Heimat zu teuer. "Unser Arbeitskostenniveau ist beispielsweise hier oftmals mehr als doppelt so hoch wie der Durchschnitt unserer europäischen Standorte", betonte Blume. Was das Thema Effizienz betrifft, produziert etwa der chinesische Elektroautobauer BYD rund 20 bis 30 Prozent günstiger als VW. Und auch Toyota ist effektiver: VW fertigt mit 680.000 Mitarbeitern knapp 9 Millionen Autos im Jahr, während man bei Toyota mit 370.000 Mitarbeitern über 11 Millionen Autos baut.

Analyst Philippe Houchois von der US-Investmentbank Jefferies hat etwaige Belastungen aus einem Stellenabbau und einer Umstrukturierung bei Volkswagen auf 2,5 bis 4 Milliarden Euro geschätzt. Die entsprechenden Mittelabflüsse dürften in den kommenden beiden Jahren stattfinden, so der Experte in einer Studie. Nach Treffen mit dem Management der Wolfsburger habe er den Eindruck, dass es keinen "Plan B" gebe als Alternative zu den Forderungen der Konzernführung.

Probleme in China

Im wichtigsten Automarkt der Welt, China, sind die Stromer von VW Ladenhüter. Die Wolfsburger verlieren mehr und mehr an Boden gegenüber BYD, Nio und Xiaomi. Die üppigen Gewinne der Vergangenheit, die in China gemacht wurden und damit die Probleme und die mickrige Marge der VW-Kernmarke kaschiert haben, sind passé. Die Wolfsburger werden 2024 in China nur noch rund 1,5 Milliarden Euro verdienen. Das wäre der Stand von 2010.

Volkswagen New Energy Vehicle ID.Store in Shanghai, China
Quelle: CFOTO/Kontributor/GettyImages
Volkswagen New Energy Vehicle ID.Store in Shanghai,

Die erste Welle der Disruption haben die Wolfsburger bereits verschlafen. Nun hecheln sie im neuen E-Mobility-Zeitalter First Mover Tesla und BYD hinterher. Die zweite Welle der Disruption ist bereits angelaufen. In San Francisco und Los Angeles spulen Waymos selbst fahrende Stromer jede Woche rund 1,6 Millionen Kilometer herunter. Hier hat VW derzeit wenig entgegenzusetzen.

Und dennoch…

Dennoch sieht Analyst Henning Cosman von Barclays auch positive Aspekte: „Die VW-Aktie wird nach wie vor von mehreren Schlüsselaspekten dominiert - die übermäßig negative Stimmungslage ist unserer Ansicht nach eine Chance“, so Cosman. Der Auto-Experte hält vor allem den Schwenk von VW zu Partnerschaften gegenüber vertikaler Integration für sehr sinnvoll. „Also insgesamt sehen wir trotz der unbestrittenen kurz- und mittelfristigen Herausforderungen immer noch ein positives Chance-Risiko-Verhältnis auf dem aktuellen Kursniveau“, so das Fazit von Cosman. Sein Kursziel lautet 100 Euro.

Volkswagen Vz. (WKN: 766403)

Schafft der Volkswagen-Konzern die Wende? Schaffen es die Wolfsburger, sich neu zu erfinden oder wird der Automobil-Hersteller in Zukunft nur noch zum „Blechbieger“ und leblosen Zulieferer für die großen Tech-Konzerne? Noch hat VW die Chance, noch ist es möglich, mit Hilfe von Rivian und Xpeng die Probleme in der Software-Sparte und den Rückstand bei selbst fahrenden Autos wettzumachen. Aktuell ist die Aktie in einen kurzfristigen Aufwärtstrend übergegangen und steht kurz vor dem Break der 50-Tage-Linie bei 86,78 Euro. Gelingt es diese zu überwinden, lautet das nächste Ziel 90,88 Euro. Hier verläuft die 100-Tage-Linie.


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