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04.01.2020 Maximilian Völkl

United Technologies: Am Scheideweg

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United Technologies

Die Zeit der großen Konglomerate an der Börse ist vorbei. Das hat auch der US-Mischkonzern United Technologies (UTX) erkannt. Nach einem radikalen Umbau geht es im kommenden Jahr in völlig neuer Struktur weiter.

Tiefgreifender Umbau

Aktivistische Investoren wie Daniel Loeb mit Third Point oder William Ackman mit Pershing Square fordern bereits seit Längerem eine Aufspaltung von UTX. Dem kommt der Konzern jetzt nach. Die Aufzugssparte Otis und die Klimatechniksparte Carrier werden eigenständig an die Börse gebracht. Im Konzern verbleiben der Triebwerkhersteller Pratt & Whitney sowie das Luft- und Raumfahrtgeschäft Collins Aerospace. Doch damit nicht genug: Nach der Aufspaltung will sich UTX mit dem Rüstungskonzern Raytheon zusammenschließen. Durch einen Aktientausch würde ein neuer Big Player für Luft- und Raumfahrt sowie Rüstung mit einem Börsenwert von über 120 Milliarden Dollar entstehen. 57 Prozent der Anteile sollen an die UTX-Aktionäre gehen.

Es ist ein kompliziertes Konstrukt, hinter dem noch viele Fragezeichen stehen. Die Wettbewerbshüter müssen den Raytheon-Deal erst absegnen – was nicht als sicher gilt. Zudem ist Collins Aerospace aktuell noch mit der Integration des 30 Milliarden Dollar schweren Zukaufs von Rockwell Collins, einem Produzenten von Bordelektronik und Innenausstattung, beschäftigt. Hinzu kommt die Frage, wie erfolgreich Otis und Carrier eigenständig agieren können. Betrachtet man die künftige Ausgestaltung genauer, fällt jedoch auf, dass die Chancen klar überwiegen.

United Technologies hat derzeit vier Töchter. 2020 werden Otis und Carrier abgespalten, dafür kommt die bislang eigenständige Raytheon zum Konglomerat hinzu.
DER AKTIONÄR

Einzeln mehr wert

Durch die Auflösung des Konglomerats sollen zunächst einmal verborgene Werte gehoben werden. Eine Sum-of-the-parts-Analyse verdeutlicht das. Bei einer ähnlichen Bewertung wie bei den Wettbewerbern Schindler oder Kone könnte Otis etwa 44 Milliarden Dollar auf die Waage bringen. Carrier dürfte verglichen mit Rivalen wie Ingersoll-Rand oder Allegion sogar rund 64 Milliarden Dollar wert sein.

Der verbleibende Kern, Pratt & Whitney und Rockwell Collins, käme im Peergroup-Vergleich mit Honeywell und der TransDigm Group auf eine Bewertung von satten 78 Milliarden Dollar.

Addiert ergibt sich für die drei Sparten somit ein Wert von 186 Milliarden Dollar. Aktuell beträgt die Marktkapitalisierung des Konglomerats lediglich 125 Milliarden Dollar. Rechnet man die 39 Milliarden Dollar Nettoschulden hinzu, kommt man auf einen derzeitigen Unternehmenswert von 164 Milliarden Dollar – der Konglomeratsabschlag beträgt damit knapp 15 Prozent. Ein Potenzial, das es nun zu heben gilt.

Weltmarktführer Otis

Doch UTX hat weit mehr zu bieten als nur Fantasie durch den Umbau. Die einzelnen Sparten versprechen selbst viel Potenzial. Das Interesse an Otis dürfte an der Börse riesig sein. Die Verkaufspläne der Aufzugssparte des Rivalen ThyssenKrupp haben gezeigt, wie lukrativ das Geschäft auch für institutionelle Investoren ist – und Otis ist der klare Weltmarktführer.

Langfristig ist der Markt hochlukrativ. Der zunehmende Platzmangel in den Städten durch die Urbanisierung, die alternde Bevölkerung oder auch der wachsende Wohlstand in weiten Teilen der Welt sorgen für glänzende Aussichten der Branche. Zuletzt musste Otis zwar leichte Abstriche machen. Hintergrund: Im wichtigen Wachstumsmarkt China schwächelte der Konzern. Dem wurde mit einer aggressiveren Preisstrategie begegnet, weshalb die Marge zurückging. Auf lange Sicht sollte sich der Schritt, Marktanteile zu gewinnen, aber auszahlen, denn vor allem im Servicegeschäft winken hohe Erträge.

Der Gewinn von United Technologies verteilt sich noch relativ homogen auf die vier Konzernsparten.
United Technologies, DER AKTIONÄR

Eigenständig stärker?

Carrier war zuletzt so etwas wie das Sorgenkind des Konzerns. Die Klimatechniksparte konnte mit Ingersoll-Rand und Co nicht mithalten, gilt aber auch als besonders von der Konglomeratsstruktur beeinträchtigt. Eigenständig könnte der Konzern die Konsolidierung in der Branche aktiver mit vorantreiben. Zudem sind die langfristigen Aussichten für Carrier durchaus gut. Häufigere Extremtemperaturen und der zunehmende Wohlstand stützen die Nachfrage nach Klimaanlagen. 2018 gab es laut Internationaler Energieagentur (IEA) weltweit rund 1,6 Milliarden Klimageräte in Privathaushalten, bis 2050 sollen es 5,6 Milliarden sein. Carrier dürfte außerdem vom Megatrend Food Delivery profitieren. Gelingt dem Online-Lebensmittelhandel der Durchbruch, wird die Nachfrage nach transportablen, kommerziellen Kühlsystemen durch die Decke gehen – und Carrier nach Jahren stagnierender Gewinne auf den Wachstumspfad zurückkehren.

Top-Kerngeschäft

Nicht zu vergessen ist natürlich die neue UTX. Die Inte­gration von Rockwell Collins läuft bislang so gut, dass CEO Greg Hayes im Juli bereits die Prognose anhob. Zudem stimmen sowohl die Wachstumsraten als auch die Margen. Hayes ließ zudem kaum Zweifel daran, dass auch die ersten Anzeichen einer konjunkturellen Eintrübung da-ran nichts ändern. Der Zusammenschluss mit Raytheon macht Sinn und dürfte mit dem starken Rüstungsgeschäft für stabile Cashflow-Zuschüsse sorgen – wodurch künftige Investitionen auch in neuer Struktur gesichert sein dürften. Klar ist aber, dass ein Zusammenschluss in dieser Größenordnung eine Herausforderung wird und auch Risiken mit sich bringt.

United Technologies (WKN: 852759)

Drei in eins

Otis, Carrier und die neue UTX haben jeweils top Aussichten. Wer bereits jetzt in UTX investiert, bekommt künftig Anteile aller drei Firmen. Spannendes Investment für konservative Anleger!

Dieser Text ist als Top Tipp in DER AKTIONÄR 51/19 erschienen. Diese können Sie genau wie die aktuelle Ausgabe hier bequem herunterladen.

Hinweis auf Interessenkonflikte:

Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren: Raytheon