Das kam überraschend: Die Waffenruhe im Iran-Krieg ist wohl vorbei. Der aus Sicht von US-Präsident Donald Trump beendete Waffenstillstand mit dem Iran hat am Mittwoch den Dax und andere Aktienmärkte deutlich unter Druck gebracht. Nachdem die Rekordjagd bereits am Montag mit dem Test der 25.900er-Marke abgebrochen worden war, ging es nun wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 25.000 Punkten.
"Der Iran-Konflikt könnte wieder zum Taktgeber für die Risikobereitschaft der Anleger werden", kommentierte Marktanalyst Timo Emden die Verluste. "Was zuletzt wie ein Hintergrundrisiko wirkte, rückt nun wieder ins Rampenlicht und zwingt Anleger, die geopolitische Risikokarte neu zu bewerten."
Auslöser ist, dass US-Präsident Donald Trump den Waffenstillstand mit dem Iran aus seiner Sicht für beendet erklärte, nachdem es zuvor zu gegenseitigen Angriffen samt einem Abschuss iranischer Raketen auf Bahrein gekommen war. Die Ölpreise zogen daraufhin kräftig an, womit die Sorgen vor Inflation, Konjunkturschwäche und Zinsreaktionen der Notenbanken wieder präsent sind. Immobilienwerte haben daher einen schweren Stand.
Bei der Lufthansa setzten sich die Gewinnmitnahmen mit einem Abschlag von rund fünf Prozent fort. Eine Abstufung durch die Citigroup auf "Sell" belastete. Die Bewertung der Aktie der Fluggesellschaft sei eine Wette darauf, dass der temporäre Rückenwind weiter bläst. Dabei müssten die Anleger aber geringere Margen akzeptieren und Streikrisiken ausblenden, hieß es. Hinzu kam der Ölpreisanstieg als Belastung.
Gefragt waren unterdessen Aktien aus dem Energiesektor. Besonders Eon legte zu. Goldman-Analyst Alberto Gandolfi sieht das Reformpaket der deutschen Regierung positiv für Eon. Energienetze spielten eine zentrale Rolle, was für steigende Investitionen in diesen Bereich spricht. Eon erziele hier die Hälfte seiner Gewinne, schrieb er.
Auch Aktien von Chemieunternehmen könnten zulegen. Diese galten zur Hochphase des Iran-Krieges bereits als einer der Profiteure. Die gestiegenen Ölpreise sorgen zwar auch in dieser Branche für Kostendruck auf der Rohstoffseite, aber Experten zufolge dürften europäische Unternehmen wegen ihrer hohen Preismacht besser mit der Situation zurechtkommen als ihre asiatischen Wettbewerber. Zumal eine mögliche erneute Sperrung der Straße von Hormus deren Zulieferketten erneut stark stören würde.
(Mit Material von dpa-AFX)
Heute, 13:06