US-Präsident Donald Trump steht vor den Midterms zunehmend unter Druck. Der Grund: Die hohen Spritpreise an den US-Zapfsäulen belasten Verbraucher und treiben die Inflation. Gleichzeitig sorgt der Krieg in der Ukraine und der Konflikt mit Iran für einen weltweiten Engpass bei Raffineriekapazitäten. Trumps Venezuela-Deal kommt für ihn daher zur richtigen Zeit.
- Das Pentagon erhält 35 Prozent an North American Blue Energy Partners (NABEP) – kostenlos für den US-Steuerzahler.
- NABEP erhält Konzessionen für 17 venezolanische Ölfelder mit 65 Milliarden Barrel nachgewiesenen Reserven.
- Der Deal könnte Trump helfen, den Ölpreis und damit den Spritpreis in den USA zu drücken.
Diesel kostet in den USA inzwischen durchschnittlich 5,85 Dollar je Gallone (umgerechnet 1,33 Euro je Liter – ein Traum für deutsche Speditionen und Autofahrer) – fast 60 Prozent mehr als vor einem Jahr. In Kalifornien sind es sogar 7,70 Dollar. Die hohen Spritpreise belasten dabei längst nicht nur Autofahrer und Spediteure: Steigende Dieselpreise verteuern landwirtschaftliche und industrielle Produkte und wirken sich damit letztlich auf die Preise zahlreicher Waren und Dienstleistungen aus.
Für Trump ist das politisch brisant. Vor den Zwischenwahlen 2026 kann sich der Präsident kaum leisten, dass die Kosten an den Zapfsäulen weiter steigen. Niedrige Ölpreise sind deshalb ein wichtiger politischer Trumpf. Genau hier kommt Venezuela ins Spiel.
65 Milliarden Barrel für Washington
Im Rahmen des Venezuela-Deals erhält North American Blue Energy Partners (NABEP) für 100 Jahre Konzessionen für 17 Ölfelder.Das Unternehmen kontrolliert damit nach Angaben des Weißen Hauses 65 Milliarden Barrel nachgewiesene Reserven. Zum Vergleich: ExxonMobil kommt auf rund 19,3 Milliarden Barrel Öläquivalent, Chevron auf etwa 10,6 Milliarden Barrel. Selbst wenn man die unterschiedlichen Berechnungsmethoden berücksichtigt, wäre NABEP damit ein Schwergewicht der globalen Ölindustrie.
Während NABEP seine Reserven in Barrel Rohöl deklariert, weisen Chevron und ExxonMobil ihre Reserven in Barrels of Oil Equivalent (BOE) aus. Dabei werden neben Rohöl auch Erdgas und andere Kohlenwasserstoffe berücksichtigt und anhand ihres Energiegehalts in eine vergleichbare Ölmenge umgerechnet. Der direkte Vergleich ist daher nur eingeschränkt möglich. Quellen: Chevron, ExxonMobil, NABEP
Gleichzeitig bekommt das US-Verteidigungsministerium über das Office of Strategic Capital 35 Prozent an NABEP. Das US-Außenministerium darf zudem 20 Prozent der Produktion zum Selbstkostenpreis kaufen und besitzt ein Vorkaufsrecht für die restlichen 80 Prozent.
Damit sichert sich Washington nicht nur Einfluss auf einen gewaltigen Ölreichtum. Venezuela könnte auch dabei helfen, zusätzliches Öl auf den Weltmarkt zu bringen und damit den Preisdruck zu dämpfen. Das ist für Trump besonders wichtig, weil höhere Ölpreise unmittelbar auf die Benzin- und Dieselpreise durchschlagen.
Geopolitik trifft Energiepolitik
Der Deal ist allerdings weit mehr als ein Versuch, den Ölpreis zu drücken. Venezuela verfügt mit mehr als 303 Milliarden Barrel über die größten nachgewiesenen Ölreserven der Welt. Gleichzeitig ist die Förderung nach Jahren der Vernachlässigung und fehlender Investitionen auf gut eine Million Barrel pro Tag gesunken. Zum Vergleich: Saudi-Arabien produziert rund 10 bis 11 Millionen Barrel, die USA knapp 14 Millionen Barrel täglich.
Genau dieses ungenutzte Potenzial will Washington heben. Ein US-Regierungsvertreter erklärte, der Deal sei auch eine Gelegenheit gewesen, „Ölfelder zu sichern, die weitgehend unter dem Einfluss chinesischer und russischer Unternehmen standen“. Damit verbindet Trump Energieversorgung, Geopolitik und staatlichen Einfluss.
Chevron investiert Milliarden
Dass nun tatsächlich frisches Kapital in den venezolanischen Ölsektor fließt, zeigt Chevron. Der US-Ölkonzern will in den kommenden fünf Jahren mehr als 7 Milliarden Dollar investieren und seine Produktion im Land auf rund 600.000 Barrel pro Tag mehr als verdoppeln. Chevron ist bislang der einzige große US-Ölkonzern mit einer nennenswerten Präsenz in Venezuela. ExxonMobil-Chef Darren Woods bezeichnete das Land dagegen Anfang des Jahres noch als „nicht investierbar“.
Ob Trumps Rechnung aufgeht, muss sich allerdings erst zeigen. Die marode Infrastruktur und die jahrelangen Investitionsdefizite lassen sich nicht kurzfristig beseitigen. Gelingt es jedoch, die venezolanische Produktion deutlich hochzufahren, könnte zusätzliches Öl auf den Weltmarkt gelangen. Für Trump wäre das mit Blick auf die hohen Spritpreise und die anstehenden Midterms ein willkommener Nebeneffekt: Mehr Angebot könnte den Ölpreis dämpfen – und damit auch den Druck an den US-Zapfsäulen.
DER AKTIONÄR bleibt für die US-Ölkonzerne derweil zuversichtlich. Wie Anleger jetzt bei Öl konkret handeln sollten, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe auf Seite 80. Diese finden Sie hier.
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