Die australische Telix Pharmaceuticals und die Münchener ITM SE fusionieren und wollen ein Radiopharma-Powerhouse schaffen. DER AKTIONÄR hat direkt nach dem Bekanntwerden des milliardenschweren Zusammenschlusses Andrew Cavey, CEO der ITM SE, und Chris Behrenbruch, Chef von Telix, zum angestrebten Deal interviewt.
DER AKTIONÄR: Herr Cavey, Herr Behrenbruch, warum ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, ITM und Telix zusammenzuführen?
Andrew Cavey: Radiopharmazeutika befinden sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium. Beide Unternehmen sind gut positioniert, doch die nächste Phase erfordert mehr Größe in der Produktion, Forschung, klinischen Entwicklung und im kommerziellen Geschäft. Durch den Zusammenschluss kommen die Isotopenexpertise von ITM und die Stärken von Telix in den Bereichen Bildgebung und Präzisionsmedizin zusammen. Ziel ist es, Innovationen, größere klinische Studien und die internationale Expansion zu beschleunigen.
Chris Behrenbruch: Unsere Beziehung beruht auf rund zehn Jahren Zusammenarbeit. Es handelt sich also nicht um einen kurzfristigen Deal. Telix bringt ein kommerziell erfolgreiches Geschäft mit Bildgebung und Präzisionsmedizin ein, ITM ein starkes Isotopengeschäft. Gemeinsam wollen wir eine führende Radiopharma-Plattform mit einer breiten Pipeline und einer integrierten Lieferkette schaffen.
Welche zusätzlichen Synergien sehen Sie zwischen den beiden Unternehmen?
Chris Behrenbruch: Deutschland und Australien verfügen beide über herausragende Expertise in der Nuklearmedizin. Durch den Zusammenschluss werden diese einander ergänzenden wissenschaftlichen und klinischen Ökosysteme zusammengeführt.
Andrew Cavey: ITM bringt Isotopenexpertise und therapeutische Programme ein. Telix steuert kommerzielle Diagnostika für die Präzisionsmedizin, eine therapeutische Pipeline im Bereich der Theranostik sowie Erfahrung mit Radiopharmazie-Netzwerken in den USA bei. Die wichtigsten Synergien liegen in den Bereichen Talente, Technologie und kommerzielle Umsetzung.
ITM-11 erlitt im August einen Rückschlag. Was sind die nächsten Schritte, und ist eine Zulassung weiterhin realistisch?
Andrew Cavey: Die Bedenken der FDA bezogen sich ausschließlich auf die Herstellung an einem Drittstandort, nicht auf die klinischen Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit. ITM arbeitet daran, die Probleme zu beheben, und sieht einen Weg für eine erneute Einreichung.
Chris Behrenbruch: Telix ist weiterhin von ITM-11 überzeugt. Die nachgelagerte, erfolgsabhängige Kaufpreiszahlung von 700 Millionen US-Dollar, die an behördliche Zulassungen und ein Nettoumsatzziel geknüpft ist, soll das Risiko steuern und nicht mangelndes Vertrauen signalisieren. Die FDA-Zulassung könnte der nächste wichtige Meilenstein sein – möglicherweise bereits im ersten Halbjahr des kommenden Jahres.
DER AKTIONÄR: Welchen Spitzenumsatz erwarten Sie für ITM-11?
Chris Behrenbruch: Auf Basis der bestehenden Produkte ist der Markt deutlich mehr als eine Milliarde US-Dollar wert. Ein Einsatz in früheren Therapielinien könnte den Markt zusätzlich vergrößern.
Die Übernahme der ITM SE macht für Telix Pharma strategisch absolut Sinn und hievt den australischen Radiopharma-Spezialisten in eine neue Dimension. Die Aktie bleibt langfristig aussichtsreich. Teil 2 des Interviews mit den beiden Firmenlenkern lesen Sie hier.
13.10.2026, 07:38
Bei Google bevorzugen