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05.07.2019 Lars Friedrich

Steinhoff: Alle gegen alle

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Steinhoff

Die Zahl der Klagen in Deutschland und Südafrika rund um Steinhoff ist unübersichtlich. Bemerkenswert an der Situation ist, wie sehr jeder darauf bedacht ist, seine eigene Haut zu retten, nachdem der Bilanzskandal öffentlich wurde. Auch einstige Partner distanzieren sich inzwischen voneinander und beschuldigen sich gegenseitig.

Immer-noch-Großaktionär und Ex-Aufsichtsratsvorsitzender Christo Wiese galt jahrelang als enger Partner und Freund von Ex-Steinhoff-CEO Markus Jooste. Als noch alles gut lief, widersprachen weder Wiese noch Jooste dieser Wahrnehmung. Dann wurde Jooste als Hauptverdächtiger im Steinhoff-Bilanzskandal bekannt.

Im Interview mit CNBC (DER AKTIONÄR berichtete) stellte Wiese seine Beziehung zu Jooste prompt ganz anders dar: „Es wird oft gesagt, Jooste sei mein Schützling gewesen. Ich habe ihn erstmals 1982 in Kapstadt getroffen, als er als Referendar für die Leute arbeitete, die meine Bilanzen geprüft haben. Ich glaube, ich habe ihn bis 2006, als er mir Bruno Steinhoff vorstellte, nicht mehr wiedergesehen. Plötzlich behaupten alle, ich hätte eine ganz besondere Beziehung zu Jooste gehabt und er sei sowas wie mein Ziehsohn gewesen. Nur fürs Protokoll: Jooste war einmal bei mir zuhause und ich habe ihn auch nur einmal besucht. Es gab keine enge, persönliche Beziehung.“

Wiese sagte weiter, er habe seit dem Rücktritt Joostes als Steinhoff-Chef nichts mehr von ihm gehört. „Würde ich Jooste jetzt treffen, hätte ich nur eine Frage an ihn: Warum hast du das getan?“ Jooste habe als sehr talentiert und getrieben gegolten. „Seine Arbeitseinstellung hat mich immer beeindruckt. Er war jemand, der sich von 15, 16 Stunden Arbeitstagen nicht aus der Ruhe bringen lässt. Oft war er innerhalb einer Woche in Europa, Südafrika und Australien. Ich kenne sehr wenige Leute, die das könnten. Also warum hat er sein Talent auf diese Art genutzt?“

Klagen, Vorwürfe, Forderungen

Auch jenseits der Frage nach dem Verhältnis zwischen Jooste und Wiese ist die Lage – gelinde gesagt – unübersichtlich. So hat Steinhoff ehemalige Führungskräfte verklagt, die Wirtschaftsprüfer von Deloitte wurden von Steinhoff, den Ex-Führungskräften und geschädigten Anlegern beschuldigt, ihren Job nicht richtig gemacht zu haben, Anleger haben aber auch Steinhoff verklagt. In Medienberichten hieß es im vergangenen Jahr sogar, dass Investoren eine Klage gegen die Commerzbank prüfen. Der Vorwurf: Die Bank, die das Zweitlisting Steinhoffs in Frankfurt betreute, habe womöglich irreführende Angaben im Prospekt zum Börsengang gemacht. Ebenfalls wurde berichtet, dass die Commerzbank um einen dreistelligen Millionenbetrag bangt, der Steinhoff gewährt wurde. Und so weiter …

Die derzeitige Lage und die Aussichten bei Steinhoff dürften selbst für aktuelle und ehemalige Führungskräfte schwer zu beurteilen sein. Kein Wunder, dass das Unternehmen selbst vor dem Handel mit seiner Aktie warnt und Analysten keine Einschätzungen mehr abgeben. Auch DER AKTIONÄR rät nur: Finger weg!

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