15.03.2019 Börsen. Briefing.

Steinhoff-Aktie: Jetzt ist es (r)aus – Luftbuchungen in Milliardenhöhe?

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Steinhoff
Trendthema

Hat der in Schieflage geratene Möbelhändler Steinhoff Bilanzen gefälscht und Anleger getäuscht und damit wissentlich hinters Licht geführt – oder nicht? Seit heute gibt es eine Antwort auf diese prekäre Frage. Sie ist enthalten in dem seit langem erwarteten Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC).

Die Aktie des Möbelhändlers Steinhoff wurde am Freitag stark nachgefragt. Nachdem sie sich im Früh- und Mittagshandel um den gestrigen Schlusskurs einpendelte, zündete sie am späten Nachmittag eine kleine Rallye. Auslöser: Der seit langem erwartete Bericht der Buchprüfer von PwC wurde veröffentlicht. Ihm zufolge hat eine Gruppe Topmanager beim Möbelkonzern Steinhoff über Jahre hinweg systematisch Transaktionen generiert, um im großen Stil die Bilanzen zu fälschen. Die fragwürdigen Buchungen von 2009 bis 2017 haben demnach ein Volumen von rund 6,5 Milliarden Euro. Der Bericht erlaubt es dem in Frankfurt und Johannesburg gelisteten Möbelhändler, nach mehrfachem Aufschub seine testierten Bilanzen für 2017 und 2018 vorzulegen. Sie werden für Mitte April erwartet.

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Der Bericht legt offen, dass die Gruppe angeführt von einem Topmanager "jahrelang Transaktionen strukturiert und durchgeführt hat, die im Ergebnis die Profitabilität und den Wert von Aktiva über einen langen Zeitraum deutlich übertrieben haben." Die Manager hätten mit einigen Kollegen und firmenfremden Personen zusammengearbeitet, um die fragwürdigen Transaktionen zu arrangieren.

Diese seien komplex gewesen, hätten viele Organisationen überspannt und seien auch durch Dokumente und juristische Akte belegt worden. Die Belege "wurden in vielen Fällen erst hinterher erschaffen und rückdatiert", hieß es weiter. Der Bericht nennt keine Verantwortlichen namentlich. 

Der frühere Firmenchef Markus Jooste habe nicht eingewilligt mit PwC zu sprechen, heißt es in dem Bericht. Gegen Jooste ermittelt bereits die Justiz.

Der Bilanzskandal hatte Steinhoff schwer erschüttert. Seit der Ankündigung der Bilanzunregelmäßigkeiten Ende 2017 wurde der Börsenwert des Unternehmens fast vollständig vernichtet. In Deutschland war Steinhoff für die Möbelkette Poco bekannt, die mittlerweile an den österreichische Möbelhändler XXXLutz verkauft worden ist.

Jetzt kann man davon ausgehen, dass die südafrikanische Börsenaufsicht Financial Sector Conduct Authority (FSCA) schweres Geschütz gegen die Manager auffahren wird – und womöglich auch gegen das Unternehmen selbst. Brandon Topham, verantwortlicher Ermittler, hatte zuletzt angekündigt, sich den Bericht genau ansehen zu wollen, unabhängig der eigenen Untersuchungen. "Wir führen unsere eigenen Ermittlungen durch", sagte er. "Wir arbeiten seit über einem Jahr an der Sache." Noch im Vorfeld der heutigen Veröffentlichung des PwC-Berichts sagte er: "Ich bin sehr glücklich, den PwC-Bericht verwenden zu können."

Wie die Kursreaktion und der Inhalt des PwC-Berichtes zusammenpassen? Eher wenig bis gar nicht. Der Bericht legt Luftbuchungen im Volumen von 6,5 Milliarden Euro offen. Man darf gespannt sein, wie die testierten Bilanzen (Mitte April) für die besagten Geschäftsjahre aussehen werden.

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Ein Beitrag von Leon Müller, Chief Editor Börsen.Briefing. – dem täglichen Newsletter des Anlegermagazins DER AKTIONÄR (registrieren Sie sich kostenfrei unter www.boersenbriefing.de)

Mit Material von dpa-AFX

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