Die US-Börsen haben am Mittwoch deutlich nachgegeben. Auslöser waren steigende Renditen am Anleihemarkt und neue Unsicherheit über den künftigen Zinspfad der US-Notenbank Fed. Mehrere Währungshüter signalisierten nach der jüngsten Sitzung, dass noch in diesem Jahr eine Zinserhöhung nötig werden könnte, um die Inflation einzudämmen.
Der Dow Jones verlor im Handelsverlauf 507 Punkte beziehungsweise 1,0 Prozent auf 51.492,55 Punkte, nachdem er zuvor noch ein frisches Intraday-Rekordhoch markiert hatte – bereits das dritte Hoch in Folge. Der breiter gefasste S&P 500 gab 1,4 Prozent nach, der technologielastige Nasdaq Composite büßte 1,5 Prozent ein.
Wie erwartet ließ die Fed den Leitzins nach ihrer zweitägigen Sitzung unverändert in einer Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent. Für Unruhe sorgte jedoch der begleitende Ausblick: Laut den neuen Projektionen rechnen mehrere Notenbanker inzwischen mit höheren Zinsen im Jahr 2026. Der Median für den Leitzins zum Jahresende liegt nun bei 3,8 Prozent nach zuvor 3,4 Prozent im März. Das deutet darauf hin, dass die Fed mindestens einen weiteren Zinsschritt nach oben für nötig hält.
Zusätzliche Unsicherheit entstand dadurch, dass Fed-Chef Kevin Warsh nach eigenen Angaben keine eigene Zinsprognose eingereicht hat. Das erschwerte den Märkten die Einordnung der künftigen Linie der Notenbank zusätzlich.
Am Anleihemarkt reagierten die Renditen prompt: Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen sprang um 15 Basispunkte auf 4,205 Prozent nach oben. Steigende Renditen gelten insbesondere für zinssensible Wachstumswerte als Belastungsfaktor.
Für Beobachter war vor allem der neue Ton der Fed entscheidend. „Die Marktreaktion ist an diesem Punkt vor allem auf den Dot Plot zurückzuführen, der deutlich restriktiver ausgefallen ist“, sagte Claudia Sahm, Chefvolkswirtin bei New Century Advisors. „Beim Inflationsbild hat sich der Wind stark gedreht.“
Auch einige Einzelwerte sorgten für Aufsehen. Die SpaceX-Aktie drehte nach ihrer jüngsten Rally am Mittwoch deutlich ins Minus und verlor zeitweise mehr als sieben Prozent. Nach dem euphorischen Lauf infolge neuer Wachstumsfantasie um Elon Musks Raumfahrtkonzern setzten damit erstmals spürbar Gewinnmitnahmen ein. Am Ende des Handelstages stand ein Minus von 4,9 Prozent zu Buche.
Zu den positiven Ausreißern zählte dagegen Robinhood. Die Aktie des AKTIONÄR-Depotwerts sprang zeitweise um mehr als elf Prozent an. Der Kursschub war das Ergebnis einer Mischung aus starker Plattformdynamik, besseren Margenerwartungen und der Hoffnung auf zusätzliche Erlösquellen jenseits des klassischen Trading-Geschäfts erklärt.
Für neue Spekulationslaune sorgte Allbirds. Die Aktie legte am Mittwoch zeitweise um rund 50 Prozent zu. Das Unternehmen setzt auf einen radikalen Umschwung. KI statt Sneaker lautet das Motto und der neue Name daher Smartbird.
Im Chipsektor blieb Micron im Fokus. Die Aktie des Speicherchip-Spezialisten hat in nur zwei Monaten rund 130 Prozent gewonnen, doch Analysten sehen laut AKTIONÄR teils noch weiteres Potenzial von bis zu 47 Prozent. Rückenwind liefern die starke Preisentwicklung bei Speicherchips und die weiter robuste KI-Nachfrage.
Im Biotech-Sektor dreht Moderna erneut auf. Das Unternehmen prüft Investitionen in Produktionskapazitäten in Deutschland und könnte dabei sogar bestehende Standorte von BioNTech ins Auge fassen. Der Konzern sieht damit offenbar eine Chance, seine Impfstoffstrategie in Europa breiter aufzustellen und den Umbau über das Corona-Geschäft hinaus voranzutreiben.
Heute, 22:12