Am morgigen Mittwoch wird Rheinmetall die Geschäftszahlen zum vergangenen Jahr vorlegen. Der größte Rüstungskonzern Deutschlands hat nach Verzögerungen bei wichtigen Aufträgen der Bundesregierung auf einen Schlussspurt im vierten Quartal gesetzt. Nun muss sich zeigen, in wie fern der Blue Chip das nun auch in den Zahlen widerspiegeln kann.
Grundsätzlich profitiert der Konzern weiterhin enorm vom Rüstungsboom. Getragen von der Aufrüstung der Nato-Staaten will Rheinmetall den Umsatz bis 2030 auf rund 50 Milliarden Euro in etwa verfünffachen. Die operative Marge soll dann bei mehr als 20 Prozent liegen. Infolge des Ukraine-Krieges bekommt das Unternehmen deutlich mehr Aufträge für Artillerie, Munition, Flugabwehr und Panzer. Zum einen liefert der Konzern direkt an die Ukraine, zum anderen stockt die Nato ihre Lager auf und modernisiert ihre Bestände, um für einen möglichen russischen Angriff gewappnet zu sein. Rheinmetall will seine Produktionskapazitäten erheblich aufstocken.
Aktuell kommen mit dem Iran-Krieg weitere geopolitische Spannungen hinzu, die Rüstungskonzernen wie Rheinmetall tendenziell in die Karten spielen. Rheinmetall baut sein Geschäft in diesem Umfeld weiter aus und sieht sich auf dem Weg zu einem „globalen Rüstungschampion“.
Die Prognose hat der Konzern wegen Veränderungen im Portfolio zuletzt bereits angepasst. Der Umsatz der weitergeführten Geschäfte sollte im vergangenen Jahr um 30 bis 35 Prozent gegenüber einem vergleichbaren Erlös von 7,7 Milliarden Euro ein Jahr zuvor wachsen. Die operative Ergebnismarge erwartete Konzernchef Armin Papperger hier zuletzt bei 18,5 bis 19,0 Prozent gegenüber dem Vergleichswert von 18 Prozent aus dem Vorjahr.
Das erwarten die Analysten
Der sogenannte Pre-Close-Call Anfang Februar kam bei den Experten nicht besonders gut an. Rheinmetall habe negative Indikationen für das laufende Jahr gegeben, bemängelte Bernstein-Analyst Adrien Rabier. Am Markt hätten sich die Erwartungen zuletzt im Aktienkurs deutlich negativ niedergeschlagen. Jefferies-Expertin Chloe Lemarie bilanzierte, dass die ersten Hinweise des Unternehmens zum Umsatz für 2026 klar unter den Markterwartungen gelegen hätten. Die Aussagen zur Marge ließen ebenfalls ein deutlich unter dem Konsens liegendes operatives Ergebnis erwarten.
Konkret trauen die Fachleute dem Rüstungskonzern im laufenden Jahr einen Umsatzsprung auf 14,1 Milliarden Euro zu, wie von Rheinmetall selbst zur Verfügung gestellte Daten zeigen. Das operative Ergebnis wird im Schnitt 2026 bei 2,8 Milliarden Euro erwartet, die entsprechende Marge läge damit bei 19,6 Prozent. Diese Schätzungen beinhalten allerdings noch das von Rheinmetall selbst mittlerweile ausgeklammerte Autozuliefergeschäft.
Insbesondere der Produktionshochlauf könnte schwieriger sein als ursprünglich angenommen, gab JPMorgan-Analyst David Perry zu bedenken. Aus Sicht von Marktanalyst Maximilian Wienke vom Broker eToro ist daher nicht mehr die Auftragslage entscheidend, sondern die Umsetzung: „Produktionskapazitäten, Margenentwicklung und die Fähigkeit, große Aufträge effizient abzuarbeiten, rücken in den Mittelpunkt.“ Der Markt erwarte eine effiziente Skalierung, steigende Profitabilität und eine saubere Integration der jüngsten Zukäufe.
Starkes Q4 erwartet
Mit Blick aufs abgelaufene vierte Quartal herrscht mehr Optimismus: Zum Jahresende dürfte Rheinmetall die Erwartungen in allen Segmenten übertroffen haben, schrieb Warburg-Analyst Christian Cohrs. Die starke Auftragsentwicklung dürfte sich fortgesetzt haben. Michael Raab vom Analysehaus Kepler Cheuvreux sieht den jüngsten Kursrücksetzer vor diesem Hintergrund als Kaufgelegenheit, denn langfristig seien die Wachstumsaussichten von Rheinmetall noch immer intakt.
Durchschnittlich gehen die Analysten für 2025 von einem Umsatz von gut 10,1 Milliarden Euro aus. Das wäre ein Plus von knapp vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das operative Ergebnis wird fast ein Drittel höher bei 1,9 Milliarden Euro erwartet. Die entsprechende Marge läge damit bei 19 Prozent nach 15,2 Prozent ein Jahr zuvor. Auch hier ist das Autozuliefergeschäft noch einbezogen. Bei der Dividende haben die Experten im Schnitt einen Anstieg von 8,10 Euro auf 10,54 Euro je Aktie auf dem Zettel.
Die Rheinmetall-Aktie hat zuletzt konsolidiert. Mit den Zahlen muss der Konzern nun die hohen Erwartungen erfüllen und untermauern, dass es weiter gut läuft. Grundsätzlich bestehen am Wachstumskurs aber keine Zweifel. Anleger bleiben an Bord und setzen auf weiter steigende Kurse.
Enthält Material von dpa-AFX
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Rheinmetall.
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Aktien der Rheinmetall befinden sich in einem Real-Depot der Börsenmedien AG.
Heute, 16:59