22.05.2019 Benedikt Kaufmann

Qualcomm kassiert heftiges Urteil

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Qualcomm
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Wieder bewegt ein Gerichtsurteil die Aktie von Qualcomm – dieses Mal jedoch nach unten. Über zehn Prozent muss die Chip-Aktie zur Handelseröffnung in den USA einbüßen. Zu Recht, denn das Urteil könnte die Machtverhältnisse im Smartphone-Geschäft endgültig verschieben.

Prozess verloren

Richterin Lucy Koh gab mit ihrer Entscheidung der US-Behörde FTC Recht. Die FTC warf Qualcomm vor, Smartphone-Hersteller mit der Einstellung von Chip-Lieferungen gedroht zu haben, wenn sie nicht eine weitreichende Patentlizenz erworben hätten.

Qualcomm bestritt die Vorwürfe – Richterin Koh befand allerdings, dass interne E-Mails von Top-Managern des Chip-Konzerns den Vorwurf belegten. Die Richterin verbot daher dem Chip-Konzern künftig, Lieferungen vom Erwerb einer separaten Patentlizenz abhängig zu machen. Außerdem darf Qualcomm keine Exklusiv-Vereinbarungen für Chip-Lieferungen eingehen und muss der Konkurrenz seine Patente unter fairen Bedingungen verfügbar machen.

Geschäftsmodell betroffen

Qualcomm ist ein zentraler Anbieter bei gleich zwei Arten von Smartphone-Chips. Zum einen liefert der US-Konzern die Prozessoren (Snapdragon) in beinahe allen Android-Phones. Zum anderen ist Qualcomm stark bei Modem-Chips.

Das Geschäft mit Patentlizenzen ist das zweite und lukrativere Standbein von Qualcomm neben dem reinen Chip-Verkauf. Unter anderem Apple hatte Qualcomm in scharfem Ton unfairen Wettbewerb durch das Beharren auf Lizenz-Vereinbarungen vorgeworfen, dann legten die Unternehmen aber ihren Streit außergerichtlich bei. Als ein Auslöser dafür gilt die Stärke von Qualcomm bei 5G-Modems.

Harter Schlag

Die Vorgabe, dass Qualcomm konkurrierenden Chip-Anbietern eine Lizenz für seine Standard-Patente gewähren muss, könnte nun für mehr Wettbewerb sorgen. Qualcomm muss die FTC zudem sieben Jahre die Einhaltung der Auflagen überwachen lassen. Ein harter Schlag für den Chip-Konzern.

DER AKTIONÄR empfiehlt Anlegern, weiterhin Abstand von Qualcomm zu halten. Die andauernden juristischen Probleme stellen ein zu hohes Risiko dar und der Handelsstreit bringt die Aktie zusätzlich unter Druck.

Mit Material von dpaAFX.