11.08.2019 Martin Mrowka

Neue Krisenherde belasten Aktienmarkt – DAX und Co. vor weiterem Rückfall?

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DAX
Trendthema

Nach der Verschärfung im Handelsstreit zwischen USA und China dürfte es am deutschen Aktienmarkt auch in der neuen Woche volatil zugehen. Zumal nun auch in Europa politische Risiken den Anlegern die Laune verderben könnten. Doch Aktien bleiben diesen Zeiten für Anleger alternativlos. Was nun die Kurse bewegen könnte. 

Am vergangenen Freitag ging der Leitindex DAX bei 11.693 Punkten ins Wochenende. Auf Wochensicht verlor das wichtigste deutsche Börsenbarometer damit 1,5 Prozent. Der MDAX gab auf 25.354 Zähler nach - ein Wochenminus von 1,1 Prozent.

Die neue Woche könnte erneut schwierig beginnen. Während die Berichtssaison der Unternehmen ihren Höhepunkt mittlerweile überschritten hat, drohen kurzfristig neue Winkelzüge der Akteure im internationalen Handelsstreit. In Europa haben zudem das Dauerthema Brexit und die neuen politischen Spannungen in Italien das Zeug, die Märkte durchzuschütteln.

In Italien ist die Populisten-Allianz aus rechter Lega und Fünf-Sterne-Bewegung nach nur 14 Monaten an der Macht krachend gescheitert. Der italienische Innenminister und Chef der rechten Lega, Matteo Salvini, hatte zuletzt ein Misstrauensvotum im Senat gegen den Ministerpräsidenten Giuseppe Conte angekündigt. Entzieht das Parlament dem Regierungschef das Vertrauen, wäre die Populisten-Allianz aus Lega und Fünf-Sterne-Bewegung auch formal am Ende.

Heißer Börsenherbst möglich

Neuwahlen in Italien sind wahrscheinlich, was für Unruhe an den Börsen sorgt. Und mit der Wahl von Boris Johnson zum britischen Premierminister ist die Wahrscheinlichkeit für einen Brexit ohne Abkommen am 31. Oktober gestiegen. Auch dies erhöht die Unsicherheit an den Märkten.

"Uns steht ein heißer Börsenherbst bevor", sagte Robert Greil, der Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers. Gemeinsam mit zunehmenden Rezessionssorgen gebe es aktuell genügend Zündstoff für weitere Pulsattacken an den Börsen - und damit erhöhte Schwankungen und stärkere Ausschläge.

Chinesischer Yuan unter roter Marke

Darüber hinaus bleibe der "Währungskrieg" auf der Agenda, ergänzte Analystin Claudia Windt von der Landesbank Helaba. Schließlich hatte die chinesische Währung zu Beginn der Woche deutlich abgewertet, der US-Dollar hielt sich zuletzt weiter deutlich über der "roten" 7-Yuan-Marke. US-Präsident Donald Trump betrachtet dies als weiteren Affront. Marktbeobachter fürchten, China setze seine Währung als "Waffe" im Handelskonflikt ein, um die Exporte anzukurbeln.

Insgesamt währte der Eindruck einer Entspannung an den Finanzmärkten nur kurz, fuhr Windt fort. Die negativen Effekte des Handelskonflikts zeigten sich vielmehr immer deutlicher nicht nur in China und in Deutschland, sondern auch in den USA. In diesem Umfeld suchten Anleger lieber verstärkt nach Sicherheit und investierten statt in Aktien in US-Staatsanleihen oder auch in Gold.

Aktien-Indizes verteidigen 200-Tage-Linie

Etwas weniger pessimistisch äußerten sich die Autoren des Börsenbriefs "AB-Daily" von Bernecker: "Der Leitbulle für alle bleibt der Dow Jones Industrial". Der US-Leitindex habe den Kursrutsch vom 5. August bereits eindrucksvoll überwunden und so eine deutliche Erholung signalisiert. Der breit gestreute S&P 500 sowie der deutsche Leitindex DAX hätten sich ähnlich entwickelt und alle drei hätten auch den charttechnisch kritischen Test der 200-Tage-Linie nach einem kurzen Abtaucher bestanden. Diese Marke gilt bekanntlich als Indikator für den langfristigen Trend.  

DAX (WKN: 846900)

Derweil könnten in der neuen Woche einige frische Konjunkturdaten zeigen, inwiefern die Handelskonflikte oder politischen Verwerfungen tatsächlich schon ihre Spuren hinterlassen haben. So rechnen die Experten der Postbank damit, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal bestenfalls stagniert hat. Eine wesentliche Rolle dürfte hierbei neben dem Außenhandel insbesondere die Entwicklung in der deutschen Industrie gespielt haben, deren Produktion im Juni im Vorjahresvergleich den stärksten Rückgang seit zehn Jahren verzeichnete habe.

Die deutschen BIP-Daten werden am Mittwoch veröffentlicht. Einen Blick wert sind sicherlich auch die Angaben zu den Einzelhandelsumsätzen und der Industrieproduktion in den USA, die am Donnerstag auf der Agenda stehen.

Quartalszahlen vor allem aus der zweiten Reihe

Schließlich öffnen in der neuen Woche auch noch einige Unternehmen ihre Bücher. Den Anfang machen am Montag unter anderem der Versicherungskonzern Talanx und die Deutsche Pfandbriefbank. Am Dienstag folgen dann zum Beispiel der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen und der im DAX notierte Konsumgüter-Konzern Henkel.

Mobilfunk-interessierte Anleger achten am Donnerstag dann auf die Geschäftszahlen von United Internet beziehungsweise 1&1 Drillisch.

Mit Material von dpa-AFX

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