Warner Bros. denkt über eine strategische Kehrtwende nach. Der Medienkonzern zieht in Erwägung, die Verkaufsgespräche mit dem Rivalen Paramount wieder aufzunehmen. Der Grund: Ein nachgebessertes Angebot von Paramount-Chef David Ellison sorgt für neue Dynamik im Bieterstreit. Damit könnte der bisherige Favorit Netflix unter Zugzwang geraten.
Bisher hielt der Vorstand von Warner Bros. an einer Vereinbarung mit Netflix fest. Diese sieht einen Kaufpreis von 27,75 Dollar je Aktie vor. Doch Paramount lockt nun mit deutlich attraktiveren Bedingungen. Das Unternehmen bietet nicht nur 30 Dollar pro Aktie, sondern adressiert auch gezielt die finanziellen Risiken eines Deal-Abbruchs.
Paramount räumt Hindernisse aus dem Weg
In der vergangenen Woche legte Paramount neue Details vor, um die Skeptiker im Warner-Vorstand zu überzeugen. Das Unternehmen ist bereit, eine Kündigungsgebühr in Höhe von 2,8 Milliarden Dollar zu übernehmen. Diese Summe müsste Warner Bros. an Netflix zahlen, falls der bestehende Vertrag aufgelöst wird. Zudem bietet Paramount an, eine Refinanzierung der Schulden von Warner Bros. abzusichern.
Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft die regulatorische Genehmigung. Paramount verspricht, die Aktionäre zu entschädigen, falls der Deal nicht bis zum 31. Dezember abgeschlossen ist. Dies unterstreicht die Zuversicht, dass die Wettbewerbshüter dem Zusammenschluss schnell zustimmen werden.
Wachsender Druck durch Investoren
Auch die Anteilseigner erhöhen die Schlagzahl. Investoren wie Pentwater Capital Management und die Ancora Holdings Group fordern den Vorstand öffentlich dazu auf, die Verhandlungen mit Paramount ernsthaft zu führen.
Sollte Warner Bros. entscheiden, dass das Paramount-Angebot tatsächlich überlegen ist, beginnt ein klar definierter Prozess. Zuerst muss Netflix über diesen Schritt informiert werden. Der Streaming-Marktführer hat dann das Recht, mit dem Angebot von Paramount gleichzuziehen. Entsprechend gespannt blicken Analysten auf die Reaktion aus der Netflix-Zentrale.
Der Preis der Größe
Beide Kontrahenten haben signalisiert, dass sie bereit sind, tiefer in die Tasche zu greifen. Paramount-Chef Ellison betonte bereits, dass das aktuelle Gebot nicht sein letztes Wort sein muss. Auch die Führung von Netflix erklärte gegenüber Aktionären, dass man bei Bedarf nachbessern könne.
Doch die Expansion hat ihren Preis. Die Anleger reagieren zunehmend nervös auf die Aussicht auf eine teure Bieterschlacht. Die Aktie von Netflix hat seit ihrem Höchststand im Juni mehr als 40 Prozent an Wert verloren. Experten wie Chris Marangi von Gabelli Funds loben zwar die kreative Struktur des Paramount-Angebots, fordern aber gleichzeitig eine weitere Erhöhung des Preises.
Der Kampf um Warner Bros. geht in die nächste Runde. Paramount hat mit seinem verbesserten Angebot die Hürden für einen Wechsel deutlich gesenkt und den Druck auf Netflix massiv erhöht.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Warner Bros. Discovery.
Heute, 08:56