Munich Re kauft zu. Der Münchener Rückversicherer übernimmt das US-Insurtech At-Bay für 575 Millionen Dollar und stärkt damit sein Geschäft mit Cyberversicherungen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU). An der Börse sorgt der Deal bisher nur für Schulterzucken. Zu Recht oder hat er das Potenzial zum Coup oder Flop?
- 575 Millionen Dollar: Munich Re übernimmt At-Bay vorbehaltlich der Genehmigungen.
- Das Cyber-Prämienvolumen soll sich bis 2030 mehr als verdoppeln.
- Der Zukauf ist strategisch sinnvoll und der Preis fair.
At-Bay bietet Cyberversicherungen für kleine und mittlere Unternehmen an. Zum Angebot gehören zudem Services für die proaktive Cybersicherheit. Unternehmen sollen also nicht erst nach einem Angriff Unterstützung erhalten, sondern bereits im Vorfeld Risiken erkennen und reduzieren können.
„At-Bay ist aufgrund seiner Marktposition und einzigartigen Fähigkeiten eine perfekte Ergänzung unseres Spezialversicherungsportfolios und ein wichtiger Baustein unseres künftigen Cyber-Angebots“, kommentiert Munich-Re-Vorstand Mike Kerner den Deal.
Genau darin liegt der strategische Reiz der Transaktion: Cyberversicherungen entwickeln sich von einer klassischen Schadenabsicherung zu integrierten Plattformen für die laufende Überwachung und Reduzierung von Risiken. At-Bay verbindet Versicherungsschutz mit Sicherheitsdienstleistungen und bringt Munich Re damit näher an die operativen Bedürfnisse von KMU.
Der Deal eröffnet Munich Re allerdings nicht erstmals den Zugang zum Cybermarkt. Der Konzern ist dort seit Jahren aktiv. Nach eigenen Angaben erzielte Munich Re 2025 Cyberprämien von 1,7 Milliarden Dollar und beschäftigt rund 200 Spezialisten in diesem Bereich. Die Gruppe bezeichnet sich selbst als Marktführer im Segment.
At-Bay kann die Position vor allem im US-amerikanischen KMU-Geschäft stärken. Das Unternehmen bringt eine digitale Vertriebsplattform, Daten aus dem Mittelstandssegment und Erfahrung bei der Verbindung von Underwriting und Cybersicherheit ein. Für Munich Re geht es damit weniger um einen neuen Markt als um eine bessere Reichweite, zusätzliche Expertise und ein integriertes Produktangebot.
Der Cybermarkt ist langfristig ohne Zweifel attraktiv. Munich Re schätzte das weltweite Prämienvolumen für 2024 auf 15,3 Milliarden Dollar – weniger als ein Prozent des globalen Schaden- und Unfallversicherungsmarktes. Bis 2030 soll sich das Volumen nach Einschätzung des Rückversicherers mehr als verdoppeln. Der Konzern sieht damit einen der am schnellsten wachsenden Teilbereiche der Versicherungsbranche.
Kurzfristig ist die Lage jedoch anspruchsvoller. Munich Re übt nach Aussagen ihres Cyber-Chefs Jürgen Reinhart wegen niedriger Preise derzeit Zurückhaltung beim Zeichnen neuer Risiken. Der Markt sei zwar attraktiv, wenn die richtigen Risiken ausgewählt würden. Gleichzeitig müsse die Branche mögliche Kumulschäden – also Schäden, die durch ein Ereignis bei vielen Kunden gleichzeitig entstehen – ausreichend berücksichtigen. Munich Re kalkuliert dafür eine Reserve von acht bis zehn Prozent der Prämieneinnahmen.
Auch ein aktueller Marktausblick von S&P Global Ratings sieht keinen risikofreien Boom: Die Profitabilität sei zuletzt solide gewesen, zugleich nähmen Wettbewerb sowie Häufigkeit und Schwere von Cyberangriffen zu.
Der At-Bay-Kauf ist aus strategisch sinnvoll und der Preis in Ordnung. Munich Re erhält einen besseren Zugang zu US-amerikanischen KMU, kombiniert Cyberversicherung mit präventiven Sicherheitsdiensten und stärkt damit ein Geschäftsfeld, das langfristig stark wachsen dürfte. Ein unmittelbarer Gewinnsprung ist von dem Deal jedoch nicht zu erwarten. Die Einschätzung zur Munich-Re-Aktie bleibt daher unverändert. Sie bleibt ein attraktives Basisinvestment. Das Chartbild ist zwar angeschlagen, Anleger halten dennoch an dem Qualitätstitel fest.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Munich Re.
Heute, 14:34
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