Mark Zuckerberg will den Massenmarkt für tragbare Künstliche Intelligenz erobern. Auf der Mobilfunkmesse MWC in Barcelona rührt Meta derzeit kräftig die Werbetrommel für die neue „Meta Ray-Ban“-Brille. Doch der geplante Marktstart in Europa wird von schweren Vorwürfen überschattet. Schwedische Medienberichte bringen den Konzern kurz vor dem Verkaufsstart in Erklärungsnot.
Die Recherchen der Zeitungen „Svenska Dagbladet“ und „Göteborgs-Posten“ wiegen schwer. Externe Dienstleister von Meta sollen Zugriff auf höchst private Aufnahmen der Brillen-Nutzer haben. Der Grund: Die Geräte zeichnen offenbar Szenen auf, die nie für die Cloud oder fremde Augen bestimmt waren. Mitarbeiter der Auftragnehmer berichten von Videos aus Schlafzimmern, Umkleidekabinen und sogar von Toilettengängen.
Besonders brisant: Viele Nutzer scheinen gar nicht zu wissen, dass die Brille in diesen Momenten aktiv ist. Ein Mitarbeiter schildert eine Szene, in der ein Mann die Brille auf dem Nachttisch ablegt und den Raum verlässt. Kurz darauf wird seine Frau gefilmt, wie sie sich im Zimmer auszieht – die Brille zeichnete die gesamte Zeit über weiter auf.
Training auf Kosten der Privatsphäre
Meta verteidigt das Vorgehen grundsätzlich. Der Konzern bestätigte, dass menschliche Prüfer Daten auswerten, um die KI-Modelle zu verbessern und die Nutzererfahrung zu optimieren. Laut Meta werden die Daten gefiltert, um die Privatsphäre zu schützen. Während der Konzern in seinen Nutzungsbedingungen auf die manuelle Prüfung durch Menschen hinweist, bleibt die praktische Umsetzung umstritten.
Gegenwind von Datenschützern
Für Datenschützer ist der Fall ein Alarmsignal. Kleanthi Sardeli von der Organisation Noyb kritisiert vor allem die fehlende Transparenz gegenüber unbeteiligten Dritten, die ungewollt gefilmt werden. Auch die Nutzung personenbezogener Daten für das KI-Training steht im Fokus der Kritik. Entsprechend skeptisch reagieren Marktbeobachter mit Blick auf die strengen europäischen Datenschutzregeln.
Ein konkretes Datum für den Verkaufsstart in Europa hat Meta bisher nicht genannt. Klar ist jedoch: Ohne eine Lösung der Datenschutzfragen droht die Hardware-Offensive in der EU zu scheitern. Für Meta steht viel auf dem Spiel.
Die Berichte über intime Aufnahmen kommen für Meta zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Wenn der Konzern das Vertrauen der europäischen Konsumenten und Regulatoren verliert, könnte die ambitionierte KI-Brille zum milliardenschweren Ladenhüter werden. Anleger bleiben vorerst weiter an Bord.
06.03.2026, 07:45