Der wichtigste Automarkt der Welt kühlt ab. Mercedes-Benz stellt sich in China auf eine längere Durststrecke ein. Die wirtschaftliche Lage im Land sorgt dafür, dass potenzielle Käufer ihre Portemonnaies fest verschlossen halten. Vor allem das Premium-Segment, das Kernstück der Stuttgarter Strategie, spürt den Gegenwind massiv.
Die Gründe für die Flaute sind vielseitig. Eine anhaltende Immobilienkrise und die hohe Jugendarbeitslosigkeit belasten die Stimmung der Konsumenten. China-Chef Oliver Thöne verdeutlichte das Problem am Rande der Messe Auto China: Die Menschen sparen lieber, anstatt zu investieren. Auch die durch geopolitische Konflikte gestiegenen Benzinpreise drücken auf die Kaufkraft. Das Ergebnis ist eine allgemeine Kaufzurückhaltung, die Mercedes hart trifft.
Zweistelliger Absatzeinbruch belastet die Bilanz
Die nackten Zahlen verdeutlichen die Schwere der Krise. Im ersten Quartal stürzten die Verkäufe von Mercedes in China um 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ab. Dieser Rückgang ist deutlich schärfer als noch im letzten Quartal 2023. Während lokale Hersteller einen aggressiven Preiskrieg führen, geraten die deutschen Autobauer zunehmend ins Hintertreffen. Dennoch bleibt China für Mercedes der mit Abstand bedeutendste Einzelmarkt.
Konzernchef Ola Källenius hält trotz des Volumenschwunds an seiner Strategie fest. Er setzt auf Preisdisziplin statt auf Rabattlachten. Der Grund: Mercedes will die Marge schützen. Källenius betont, dass das Ziel nicht das maximale Volumen sei, sondern ein optimales Gleichgewicht zwischen Absatz und Gewinnbeitrag. Während Konkurrenten wie die Volkswagen-Marke Skoda bereits über einen Rückzug aus China nachdenken, investiert Mercedes weiter in lokale Partnerschaften. Produkte sollen künftig noch stärker auf den spezifischen chinesischen Geschmack zugeschnitten werden.
Hoffnungsschimmer durch neue Modelle
Für die zweite Jahreshälfte setzt das Management auf eine Trendwende durch frische Produkte. Die überarbeitete S-Klasse soll zahlungskräftige Kunden zurück in die Autohäuser locken. Auch abseits von China gibt es vorsichtige Signale der Entspannung. In Europa ziehen die Verkäufe von Elektroautos wieder an. Vor allem die elektrische CLA-Limousine findet Anklang. Sie ist der Vorbote einer massiven Produktoffensive: In den kommenden Jahren will Mercedes rund 40 neue Modelle auf den Markt bringen.
Mercedes-Benz steckt in einem schwierigen Spagat zwischen Renditeanspruch und Absatzkrise. Ob die Strategie „Marge vor Volumen“ langfristig aufgeht, hängt nun davon ab, wie schnell die neuen Luxus-Modelle bei den chinesischen Kunden zünden. Die Mercedes-Benz-Aktie ist derzeit keine laufende Empfehlung des AKTIONÄR.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Mercedes-Benz.
Heute, 12:25