09.04.2012 Bastian Galuschka

Maschmeyer goes Biotech

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Trendthema

Der Einstieg des Milliardärs beim Biotech-Zwerg Biofrontera hat für großes Aufsehen gesorgt. DER AKTIONÄR sprach mit Verantwortlichen beider Parteien.

Ein Produkt auf dem Markt, zwei Lizenzdeals in der Tasche, durchfinanziert bis zum Break-even und als Bonus Carsten Maschmeyer als neuen Großinvestor: Nach langer Durststrecke läuft es rund beim Biotech-Unternehmen Biofrontera. DER AKTIONÄR sprach mit dem Vorstandsvorsitzenden Prof. Dr. rer. nat. Hermann Lübbert über seine Pläne mit dem Unternehmen und den Einstieg von Carsten Maschmeyers Investmentgesellschaft ALSTIN.

DER AKTIONÄR: Herr Lübbert, Sie sammelten mit der jüngsten Kapitalmaßnahme 11,5 Millionen Euro ein. Haben Sie Herrn Maschmeyer schon eine Dankeskarte geschickt?

Zuerst einmal möchte ich betonen, dass mit dem Geld Stand heute die Finanzierung zum Break-even gesichert ist. Welches deutsche Biotech-Unternehmen kann das schon von sich behaupten? Im Juli wird eine Wandelanleihe mit einem Volumen von knapp vier Millionen Euro fällig, die wir vorzeitig ablösen wollen. Des Weiteren ist noch eine Zahlung von einer Million Euro an die Asat AG für einen Patentkauf zu entrichten. Die verbleibenden Gelder werden investiert, um die Markteinführung von Ameluz, unserem Medikament zur Behandlung von Aktinischen Keratosen, zu finanzieren, insbesondere natürlich die Vermarktung in Deutschland.

Welcher Umsatz und Gewinn ist mit Ameluz in diesem und im nächsten Jahr machbar?

Wir rechnen mit fünf Millionen Euro in diesem Jahr. Das sollte unsere Ausgaben decken. 2013 dürften die Erlöse auf sieben Millionen Euro klettern. Dann wären wir in der Gewinnzone. Die Prog­nose beinhaltet aber keine Einmalzahlungen von möglichen zusätzlichen Lizenzabkommen und ist daher konservativ.

Lizenzabkommen für Skandinavien, Spanien und vor Kurzem auch für die Beneluxländer haben Sie bereits unter Dach und Fach gebracht. Wie geht's weiter?

Natürlich sind hier die großen europäischen Länder zu nennen, für die sich Firmen vorrangig interessieren. Aber auch die USA werden zum Thema. Hier planen wir kurzfristig, in Gespräche mit der FDA einzutreten. Sind die regulatorischen Dinge geklärt, wollen wir auch in Amerika einen Partner präsentieren.

Wo sehen Sie Biofrontera in drei Jahren?

Wir planen, Biofrontera weiterzuentwickeln als Spezialpharma-Unternehmen in der Dermatologie mit eigenem Vertrieb in Deutschland. Dafür sehen wir uns auch nach weiteren Produkten um, die wir mitvertreiben könnten. Einlizenzierungen wären also durchaus eine Option. Natürlich gibt es aber bei Ameluz noch viel zu tun mit internationalen Zulassungen, aber vor allen Dingen auch Indikationserweiterungen. Im Prinzip können Sie mit Ameluz ja alle oberflächlichen Tumoren behandeln. Anwendungsbereiche wären beispielsweise Hauttumore, Akne, Warzen, Gebärmutterhalskrebs, aber auch die Hautverjüngung.

Herr Lübbert, vielen Dank für das Gespräch.

Auch beim Geschäftsführer der Investmentgesellschaft ALSTIN, durch die sich Carsten Maschmeyer bei Biofrontera mit 12,5 Prozent eingekauft hat, hakte DER AKTIONÄR nach.

DER AKTIONÄR: Herr Goschin, was hat Herr Maschmeyer und Sie auf Biotech und Biofrontera gebracht?

ALSTIN hat einen eher langfristigen Anlagehorizont. Wir haben auch keine starren Exit-Perioden wie viele Fonds, die nach drei oder fünf Jahren wieder verkaufen müssen. Von dem Biofrontera-Investment sind wir sehr überzeugt und denken, dass unser Know-how im Vertrieb und unser Netzwerk der Firma weiterhelfen werden. Die Kurs-Performance seit unserem Einstieg zu 2,60 Euro spiegelt dies bereits wider.

Haben Sie auch andere deutsche Biotechs auf dem Radar?

Wir sind immer auf der Suche nach interessanten Investmentmöglichkeiten mit außergewöhnlichen Wachstumschancen. Insbesondere den deutschen Biotech-Sektor beobachten wir dabei sehr intensiv. 

Herr Goschin, vielen Dank für Ihr Statement.

Der Knoten ist geplatzt

Durch den Maschmeyer-Einstieg ist Biofrontera ins Rampenlicht gerückt. Spätestens 2013 dürfte die Biotech-Firma die Gewinnzone erreichen. DER AKTIONÄR sieht die Prognose des Managements als konservativ an und erhöht daher das 12-Monats-Kursziel auf sechs Euro.