15.05.2018 Jochen Kauper

Marktexperte Marco Herrmann: "Verwirrung an den Finanzmärkten"

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Widersprüchliche Signale von Konjunktur und Bondmärkten verunsichern. Die gute Anlegerstimmung vom Jahresanfang ist längst gewichen. "Mit der Implosion einiger Volatilitätsfonds Anfang Februar geht es nun an den Aktienmärkten stürmischer zu. Der unerwartet scharfe Anstieg der Volatilität hatte eigentlich keine fundamentale Ursache, sondern wurde bewusst von durchtriebenen Tradern herbeigeführt. Dennoch haben seitdem die Anleger die rosarote Brille, durch die sie die Märkte analysiert hatten, beiseitegelegt und nehmen die vorhandenen Risiken stärker wahr: Am Konjunkturhimmel erscheinen die ersten Wolken und in den USA zieht die Inflation an.

Gerade erst hat der Internationale Währungsfonds in seiner Frühjahrsanalyse den positiven Ausblick für die Weltwirtschaft bestätigt. Und doch deuten seit dem Jahreswechsel bereits einige Frühindikatoren auf eine baldige Abschwächung des Wirtschaftswachstums hin. Beispielsweise hat sich der Geschäftsklima-Index des Ifo-Instituts schon von rekordhohen 105,2 auf 102,1 zurückgebildet. Auch die Google-Recherchen nach dem Begriff „Rezession“ haben spürbar zugenommen", sagt Marco Herrmann von der Fiduka Depotverwaltung.

Droht ein Konunkturabschwung?

Hinzu kommt: Mit dem Anstieg des Ölpreises auf das höchste Niveau seit drei Jahren klettern die Inflationssorgen. "Die Jahresrate der US-Inflation liegt bereits bei 2,4%, und selbst die Kernrate übersteigt mit 2,1 Prozent die Zielmarke der Notenbank Fed. Weitere Leitzinserhöhungen sind damit vorprogrammiert", so Herrmann. Dies spiegele sich auch in der Entwicklung der zweijährigen US-Staatsanleihe wider, deren Rendite sich innerhalb von sechs Monaten auf annähernd 2,5 Prozent verdoppelt habe – so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr.

"Wesentlich gebremster vollzieht sich der Renditeanstieg bei den langlaufenden Anleihen", analysiert der Fiduka-Mann. "Der Renditeunterschied zwischen langen und kurzen Laufzeiten beträgt nur noch 0,5 Prozent. Zuletzt hatten wir so eine flache Zinsstrukturkurve unmittelbar vor der Lehman-Pleite gesehen. Verflacht sich die Zinsstrukturkurve weiter und wird sogar invers, steht die nächste Rezession wohlmöglich bald ins Haus. Denn in den vergangenen 30 Jahren folgte in fünf von sechs Fällen ein Konjunkturabschwung", sagt Herrmann.

"Kurzfristige Prognosen schwierig"

"Die gute Nachricht zuerst: noch ist die Kurve nicht invers. Außerdem kann man konstatieren, dass aufgrund der weltweit unorthodoxen geldpolitischen Maßnahmen viele historische Verhaltensmuster nur noch selten in der heutigen Zeit zum gleichen Ergebnis führen", so Herrmann. "Auf der anderen Seite muss man der Realität ins Auge blicken: Wir befinden uns in der Spätphase des laufenden Konjunkturzyklus und das Wirtschaftswachstum dürfte sich bald verlangsamen. Konsequent weitergedacht dürften spätestens im nächsten Jahr die Zinserhöhungen der Fed stoppen – sofern wir keinen Ölpreis-Schock erleben. Damit sollten die Zeiten vergleichsweiser niedriger Zinsen anhalten."

Gemischte Wirtschaftsdaten, der politische Streit um Einfuhrzölle und die Restriktionen gegen Russland machen kurzfristige Prognosen schwierig. "Bei einem diesjährigen Kurs/Gewinn-Verhältnis von 12,5 für den DAX sind diese Risiken aber bereits ausreichend berücksichtigt. Mit einem breit aufgestellten Portfolio, das auch wieder stärker defensivere Aktien berücksichtigt, dürften auf mittlere Sicht dennoch zufriedenstellende Renditen zu erwirtschaften sein", lautet das Fazit von Marco Herrmann von der Fiduka.

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