18.05.2020 Marion Schlegel

Lufthansa-Rivale Ryanair nach den Zahlen: Deswegen sieht Goldman Sachs eine 58-Prozent-Kurschance

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Ryanair

Europas größter Billigflieger Ryanair gerät in der Coronavirus-Krise noch schwerer in Bedrängnis und wird im ersten Geschäftsquartal einen noch höheren Verlust einfliegen als ohnehin schon gedacht. So dürfte zwischen April und Juni unter dem Strich ein Verlust von über 200 Millionen Euro anfallen, teilte das Unternehmen am Montag mit den Zahlen zum vorigen Geschäftsjahr mit. Der Konzern mit Sitz in Dublin hatte bisher mit einem Fehlbetrag von mehr als 100 Millionen Euro gerechnet. Die Iren erwarten dieses Geschäftsjahr weniger als 80 Millionen Passagiere – und damit nur noch fast die Hälfte der ursprünglich angepeilten 154 Millionen Fluggäste.

Ryanair-Chef Michael O'Leary geht davon aus, dass auch im Sommer zwischen Juli und September, also dem Höhepunkt der Reisezeit, rote Zahlen unter dem Strich stehen werden. Diese sollen aber nicht ganz so schlimm ausfallen wie im ersten Quartal. Der Flugverkehr werde substanziell zurückgehen, was auch die Ticketpreise unter Druck bringe. Ryanairs Rückkehr zu einem normalen Flugplan werde auch dadurch bedeutend erschwert, dass große Airlines mit Staatshilfen ihre Kosten drücken würden, hieß es vom Unternehmen. Für das gesamte Jahr könne Ryanair derzeit keine Gewinnprognose abgeben.

Ryanair (WKN: A1401Z)

Ryanair hatte bereits mitgeteilt, dass wegen der Krise bis zu 3.000 Jobs von Piloten und Kabinencrews auf der Streichliste stehen. Weitere Optionen sind früheren Angaben zufolge unbezahlter Urlaub, Gehaltskürzungen um bis zu 20 Prozent sowie die vorübergehende Schließung von Basen in Europa.

Im vergangenen Geschäftsjahr (Ende März) beförderte Ryanair 148,6 Millionen Passagiere, rund vier Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Ohne die Covid-19-Ausbreitung ab Mitte März hätten noch gut fünf Millionen Passagiere mehr befördert werden können. Der Umsatz kletterte auch dank steigender Durchschnittserlöse um zehn Prozent auf 8,5 Milliarden Euro.

Unter anderem wegen steigender Spritkosten und vor allem wegen des Wertverfalls von Kerosinpreis-Sicherungsgeschäften sank der auf die Aktionäre entfallende Gewinn unter dem Strich um 26 Prozent auf 649 Millionen Euro. Ohne die Sonderbelastung aus dem Hedging wäre der Gewinn um 13 Prozent auf rund eine Milliarde Euro gestiegen.

Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat die Einstufung für Ryanair nach den Zahlen auf "Buy" mit einem Kursziel von 14 Euro belassen. Analystin Venetia Baden-Powell wertet in einer ersten Reaktion am Montag vor allem den unerwartet geringen Liquiditätsverbrauch des Billigfliegers positiv.

Am heutigen Montagmorgen reagiert die Aktie mit einem Kursplus von fünf auf 8,87 Euro auf die Zahlen. Ryanair hat in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet und dementsprechend einen Puffer aufbauen können. Die Aktie eignet sich gerade in der derzeitigen Unsicherheitsphase aber nur für sehr risikobereite Anleger.

(Mit Material von dpa-AFX)