Coinbase stellt sich quer. Laut einem Bericht von Bloomberg erwägt der Konzern, seine Unterstützung für das lang erwartete US-Marktstrukturgesetz zurückzuziehen. Der Grund: Ein geplanter Passus, der die lukrativen Belohnungen für Stablecoin-Halter drastisch einschränken könnte.
Im Kern geht es um die Feinjustierung des „GENIUS Act“, der im Juli 2025 unterzeichnet wurde. Dieses Gesetz untersagt Stablecoin-Emittenten wie Circle bereits, direkte Zinsen oder Renditen an Nutzer auszuschütten. Drittanbieter wie Coinbase nutzten bisher jedoch eine regulatorische Lücke, um basierend auf Nutzerguthaben eigene Rewards auszuschütten – aktuell etwa 3,5 Prozent für Kunden des Abo-Dienstes „Coinbase One“.
Nun wollen Gesetzgeber offenbar nachschärfen. Eine im Raum stehende Option würde solche Belohnungen ausschließlich regulierten Finanzinstituten vorbehalten. Während Coinbase zwar eine nationale Banklizenz beantragt hat, sieht das Unternehmen in einer solchen Beschränkung einen direkten Angriff auf sein Geschäftsmodell.
Milliardenschwere Umsatztreiber in Gefahr
Für die Bilanz von Coinbase wäre ein Verbot verheerend. Analysten projizieren die Einnahmen aus dem Stablecoin-Geschäft für das Jahr 2025 auf rund 1,3 Milliarden Dollar. Ein Großteil davon stammt aus der Partnerschaft mit Circle und den Zinserträgen der USDC-Reserven.
Entsprechend alarmiert reagiert das Management. Coinbase-Chef-Lobbyist Faryar Shirzad warnt vor einem Wettbewerbsnachteil gegenüber China, wo der digitale Yuan bereits verzinst werde. Die Argumentation: Ein US-Verbot würde Innovationen ins Ausland treiben.
Die Gegenseite formiert sich im traditionellen Bankensektor. Lobbyverbände warnen vor einer „Einlagenflucht“ aus dem klassischen Bankensystem hin zu Krypto-Plattformen, die nicht den strengen FDIC-Sicherungsmechanismen unterliegen. Dies, so die Befürchtung, könnte die Kreditvergabe an kleine Unternehmen und Hausbauer austrocknen.
Politisches Tauziehen im Trump-Lager
Bereits am heutigen Montag soll der Gesetzesentwurf präsentiert werden, gefolgt von einer Abstimmung in zwei Senatsausschüssen am Donnerstag. Dass Coinbase nun die Muskeln spielen lässt, kommt nicht von ungefähr: Das Unternehmen zählt zu den größten Wahlkampfspendern für Politiker, die eine kryptofreundliche Politik unterstützen.
Während die Trump-Administration eine schnelle Verabschiedung der Krypto-Regulierung priorisiert, könnte der Widerstand des wichtigsten Branchenplayers den gesamten Prozess zum Entgleisen bringen. Ohne die Unterstützung von Coinbase bröckelt der ohnehin fragile parteiübergreifende Konsens.
Der Showdown naht. Sollte der Gesetzgeber bei den Stablecoin-Restriktionen hart bleiben, droht Coinbase ein empfindlicher Einschnitt in die Marge. Anleger sollten daher weiterhin an der Seitenlinie bleiben.
12.01.2026, 14:58