Die festgefahrene Lage im Nahen Osten und die immer noch anhaltende Blockade der Straße von Hormus sorgen weiterhin für große Nervosität an den Rohstoffmärkten. Brent- und WTI-Öl haben sich nun weiter verteuert. Indes gibt es einen Austritt aus dem mächtigen Öl-Kartell Opec. Die Vereinigten Arabischen Emirate verlassen den Verbund.
Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen betonte: "Es ist nicht vollkommen überraschend." Sie verwies darauf, dass es bereits vor Ausbruch des Krieges Spannungen innerhalb der Opec gab, insbesondere in Bezug auf die Förderquoten. Die Vereinigten Arabischen Emirate hätten schon länger den Wunsch gehabt, ihre Produktion stärker auszuweiten, als es die bestehenden Vorgaben erlaubten. Nun richtet sich der Blick aus Abu Dhabi offenbar über das Ende des Konflikts hinaus: Ziel ist es, nach Kriegsende die eigenen Kapazitäten umfassender zu nutzen und die während der Krise entstandenen Ausfälle auszugleichen.
Bereits 2023 kam das Baker Institute der Rice-Universität in Houston zu dem Ergebnis, dass ein Austritt der Emirate kurzfristig wirtschaftliche Vorteile bringen könnte. Die heimische Förderung würde demnach deutlich ausgeweitet, was jährliche Mehreinnahmen von rund 50 Milliarden Dollar ermöglichen könnte. Gleichzeitig warnte die Studie jedoch vor möglichen negativen Folgen wie "zerbrochene Beziehungen" zu Saudi-Arabien sowie einem möglichen Preiskampf am Ölmarkt.
Offiziell begründen die Emirate ihren Schritt mit einem Fokus auf "nationale Interessen und dem Ziel des Landes, aktiv zu den dringenden Bedürfnissen des Marktes beizutragen." Auch die durch den Iran-Krieg verursachten Einschränkungen in der Straße von Hormus werden als Faktor genannt. Sultan Al Dschaber, Chef des staatlichen Ölkonzerns, bezeichnete den Schritt als "souveräne Entscheidung im Einklang mit der langfristigen Energie-Strategie und der wahren Kapazität bei der Produktion".
An den Märkten sorgte die Nachricht zunächst für leichte Kursverluste beim Ölpreis, da ein höheres Angebot erwartet wurde. Diese Bewegung hielt jedoch nicht lange an. Die weiterhin festgefahrenen Gespräche zwischen den USA und dem Iran sowie die geringe Aussicht auf eine schnelle Entspannung beim Angebot führten dazu, dass die Ölpreise im weiteren Verlauf wieder anzogen.
Es dürfte spannend werden, ob nun auch weitere Opec-Mitglieder dem Beispiel der Emirate folgen werden. Für die Ölpreise steigen dadurch natürlich die Abwärtsrisiken, da direkt nach einem möglichen Ende der Seeblockade ein Überschuss an Rohöl auf die Märkte kommen dürfte. Der Energiemarkt bleibt demnach nach wie vor ein sehr heißes Eisen. Wer bei Aktien wie etwa Repsol investiert ist, bleibt dabei und beachtet den Stoppkurs bei 16,00 Euro.
Heute, 06:40