Ein von Vorsicht geprägtes Umfeld hat den deutschen Aktienmarkt am Freitag spürbar unter Druck gesetzt. Neben geopolitischen Brandherden sorgten vor allem ein starker US-Arbeitsmarkt und eine abkühlende KI-Euphorie für lange Gesichter auf dem Parkett.
DAX musste Federn lassen und verlor 0,75 Prozent auf 24.759 Punkte. Damit verbucht der deutsche Leitindex auf Wochensicht ein Minus von 1,38 Prozent. Die psychologisch wichtige 25.000-Punkte-Marke bleibt zwar in greifbarer Nähe, erweist sich vorerst jedoch als hartnäckiger Widerstand. Auch in der zweiten Reihe gab es nichts zu holen: Der MDAX sackte um 1,02 Prozent auf 32.466 Zähler ab.
Händler verwiesen als Belastungsfaktoren unisono auf die weiterhin unklare Lage im Nahost-Krieg sowie die nachlassende Euphorie rund um das Thema Künstliche Intelligenz.
Dem nicht genug: Der am Nachmittag veröffentlichte US-Arbeitsmarktbericht für den Monat Mai fiel unerwartet solide aus. Laut der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) hat das Stellenplus in den USA deutlich überrascht und unterstreicht die robuste Verfassung des Arbeitsmarktes.
Die logische Konsequenz an den Märkten: Die Zinserhöhungserwartungen hinsichtlich der US-Notenbank Fed wurden prompt angeheizt – höhere Zinsen könnten bereits in diesem Jahr drohen und machen Anleihen im Vergleich zu Aktien wieder attraktiver.
Mahnende Worte von Anthropic – Halbleiter im freien Fall
Dass die KI-Rally vorerst eine Pause einlegt, hat auch strukturelle Gründe. Das KI-Unternehmen Anthropic fordert eine weltweite Pause bei der KI-Entwicklung und warnt vor den Risiken der Selbstoptimierung, da Modelle bald in der Lage sein könnten, sich ohne menschliches Eingreifen zu verbessern. Kommt nun zu diesen Warnsignalen auch noch makroökonomischer Zinsdruck hinzu, erwischt dies die finanzierungsintensiven Tech-Werte doppelt hart.
Auf dem deutschen Parkett gab es folgerichtig deutliche Verluste bei den Chipwerten. Infineon weiteten ihre Vortagesverluste um gut neun Prozent aus und waren der klare DAX-Flop. Im MDAX büßten Aixtron fast fünf Prozent ein, und auch im SDAX lagen Halbleiterwerte mit hohen Abschlägen hinten. Zusätzliche Belastungen gab es bei Wacker Chemie: Eine frische Verkaufsempfehlung der US-Bank Citigroup drückte die Papiere am MDAX-Ende um fast sechs Prozent nach unten – der Markt überschätze wohl die Chancen im Halbleitergeschäft.
Trotz der trüben Gesamtstimmung gab es vereinzelte Renditeperlen. Die Titel des Portalbetreibers Scout24 kletterten um knapp zwei Prozent und bauten ihre starke Tendenz der Vorwochen aus. Hier wirkte das bullishe Votum von Goldman-Sachs-Analyst Adam Berlin nach, der auf zweistelliges Gewinnwachstum und steigende Margen setzt.
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