Heidelberg Materials legt am Mittwoch (25. Februar) vorläufige Zahlen für 2025 vor. Diese dürften zeigen, dass sich der Baustoffkonzern weiter auf einem profitablen Wachstumskurs befindet. Steigende Preise und das vor gut einem Jahr angekündigte Sparprogramm sollten dabei helfen. Reicht das Zahlenwerk für eine Fortsetzung des mehrmonatigen Aufwärtstrends?
Angesichts des deutlichen Absatzrückgangs bei Zement in Europa sowie der stärkeren Ausrichtung auf CO2-reduzierte Produkte hat Heidelberg Materials seine Produktion in mehreren Werken angepasst. So wurde die Klinkerherstellung im Werk Hannover sowie im nordspanischen Añorga eingestellt. Die französischen Standorte Beffes und Villiers-au-Bouin wurden Ende November geschlossen. Gleichzeitig setzt der DAX-Konzern weiter auf Wachstum in Nordamerika und treibt dort Zukäufe voran. Bis Ende 2026 sollen jährlich mindestens 500 Millionen Euro eingespart werden – unter anderem durch eine reduzierte Klinkerproduktion, Effizienzsteigerungen in der Fertigung und Personalabbau.
Für 2025 stellte der Vorstand zuletzt ein operatives Ergebnis zwischen 3,3 und 3,5 Milliarden Euro in Aussicht. 2024 hatte das Unternehmen ein bereinigtes EBIT von 3,2 Milliarden Euro erzielt.
Analysten erwarten für das Gesamtjahr im Durchschnitt einen Umsatz von 21,6 Milliarden Euro und ein bereinigtes EBIT von gut 3,38 Milliarden Euro – jeweils mehr als im Vorjahr. Für 2026 prognostizieren sie weiteres Wachstum: Die Erlöse werden bei 22,5 Milliarden Euro, das operative Ergebnis bei rund 3,7 Milliarden Euro gesehen.
Thorsten Reigber von der DZ Bank zeigt sich noch optimistischer und traut dem Konzern stärkere Zuwächse bei Umsatz und Ergebnis zu. Zudem rechnet er mit ambitionierten Zielen für 2026. In Europa dürften die Volumina wieder anziehen, während sich das Geschäft in Nordamerika weiter robust entwickle. Für 2025 erwartet er erneute, moderate Preiserhöhungen und anhaltende Kostendisziplin. Ab Jahresende sollte Heidelberg Materials zudem zunehmend vom deutschen Infrastrukturpaket profitieren.
Ben Rada Martin von Goldman Sachs sieht den Konzern vor einer mehrjährigen Wachstumsstory. Analystin Elodie Rall von JPMorgan nimmt derweil mögliche Änderungen im europäischen Emissionshandel in den Blick. Medienberichten zufolge könnte die EU Gratiszertifikate länger ausgeben als bislang geplant. In einem Negativszenario kalkuliert Rall mit einem CO2-Preis von nur 40 Euro je Tonne – nach 90 Euro in ihrer vorherigen Analyse.
Selbst unter diesen Bedingungen rechnet sie mit anhaltender Preisdisziplin in der Branche. Vorreiter bei der Dekarbonisierung wie Heidelberg Materials und Holcim dürften weiterhin Kostenvorteile erzielen. Der potenzielle Nachteil erscheine gering im Vergleich zum jüngsten milliardenschweren Börsenwertverlust im Zuge der Zertifikatsdebatte.
Hintergrund: Die Aktie von Heidelberg Materials lief im vergangenen Börsenjahr sehr stark, setzte ihren Kurs im neuen Jahr fort und markierte Ende Januar 2026 bei 241,80 Euro ein Allzeithoch. Anfang Februar berichtete dann das Handelsblatt unter Berufung auf einen hochrangigen EU-Beamten über eine mögliche Verlängerung kostenloser Emissionszertifikate. Die Aktie unterbrach daraufhin ihre mehrmonatige Aufwärtsbewegung abrupt. Belastend wirkten zudem Aussagen von Bundeskanzler Friedrich Merz beim Gipfeltreffen der energieintensiven Industrien in Antwerpen, die ebenfalls Spekulationen über eine mögliche Lockerung von Klimaschutzvorgaben auslösten.
Heidelberg Materials gilt bislang als Profiteur strengerer Klimaschutzmaßnahmen, da der Konzern bei Dekarbonisierung und CO2-Abscheidung im Produktionsprozess eine branchenführende Position einnimmt. Anleger hatten daher Kostenvorteile für den Zementhersteller erwartet, sobald kostenlose Emissionszertifikate auslaufen. Eine mögliche Verlängerung dieser Regelung würde diesen Vorteil jedoch schmälern.
DER AKTIONÄR ist für die Aktie von Heidelberg Materials grundsätzlich zuversichtlich gestimmt. Eine Verlängerung kostenloser Emissionszertifikate könnte zwar für Gegenwind sorgen, hier sollte jedoch einiges eingepreist sein. Mit überzeugenden Zahlen und klaren Aussagen zur künftigen Entwicklung dürfte die DAX-Aktie daher schon bald wieder den Vorwärtsgang einlegen.
(Mit Material von dpa-AFX)
Heute, 09:19