Die Edelmetalle geraten am Dienstag spürbar ins Wanken. Gold und Silber geben nach, während globale Tech-Aktien im Zuge wachsender Zinsängste unter Druck geraten sind und die Nervosität an den Finanzmärkten insgesamt zunimmt. Die Furcht vor einer restriktiveren Geldpolitik wirkt sich dabei zunehmend auch auf klassische „Sichere-Hafen“-Assets aus.
• Die geopolitischen Entwicklungen belasten Gold und Silber.
• Der Kurs der US-Notenbank Fed drückt auf die Stimmung.
• Banken revidieren ihre bullishen Goldprognosen.
Gold-Futures verlieren im Handelsverlauf rund 1,5 Prozent und fallen auf 4.142 Dollar je Unze. Silber trifft es noch härter: Das Edelmetall rutscht zeitweise um mehr als fünf Prozent ab auf 61,80 US-Dollar je Unze, kann sich anschließend jedoch leicht erholen und notierte zuletzt wieder bei etwa 62,25 Dollar.
Geopolitik bremst die Kurse aus
Für zusätzlichen Gegenwind sorgt die veränderte geopolitische und geldpolitische Gemengelage. Seit dem Ausbruch des US-Iran-Kriegs am 28. Februar steht die klassische Rolle von Gold als Krisenwährung zunehmend in der Diskussion. Zwar profitieren Edelmetalle in der Regel von Unsicherheiten, doch die aktuelle Annäherung zwischen den USA und dem Iran ist Gift für den Goldpreis, da dadurch die Unsicherheit sinkt.
Vor allem die US-Notenbank rückt wieder stärker in den Fokus. Das jüngste, restriktive Fed-Meeting unter Vorsitz von Kevin Warsh hat die Erwartungen an mögliche Zinserhöhungen zum Jahresende deutlich erhöht. Höhere Zinsen gelten traditionell als Belastungsfaktor für Gold, da das Edelmetall keine laufenden Erträge abwirft und im Vergleich zu verzinsten Anlagen an Attraktivität verliert.
Banken revidieren Prognosen
Parallel dazu dreht auch die Wall Street ihre Einschätzungen: Mehrere große Banken haben ihre Prognosen für Gold nach dem Warsh-Meeting nach unten korrigiert. Besonders deutlich formuliert dies die Bank of America, deren zuvor ambitioniertes Kursziel von 6.000 Dollar je Unze unter den aktuellen geldpolitischen Rahmenbedingungen zunehmend unrealistisch erscheint. Als Begründung wird vor allem ein weiterhin „unangenehmes“ Inflationsumfeld genannt, das eine restriktivere Geldpolitik begünstigt.
Auch die Deutsche Bank zeigt sich vorsichtiger. In einer aktuellen Analyse heißt es, „die Falken vertreiben die Bullen“ am Goldmarkt. Für das dritte Quartal wird – unter der Annahme stabiler Fed-Politik – ein Kursziel von 4.300 Dollar je Unze genannt. Gleichzeitig warnen die Analysten jedoch: Sollten drei bis vier Zinsschritte der Fed erfolgen, könnte Gold sogar deutlich stärker abrutschen.
Kurzfristig bleibt die Lage bei Gold und Silber angespannt. Zwischen geopolitischer Unsicherheit und geldpolitischem Gegenwind fällt es den Edelmetallen schwer eine der beiden Richtungen nachhaltig einzuschlagen. Was Edelmetall-Experte Markus Bußler Anlegern in dieser Situation jetzt rät, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von Goldfolio. Alle Infos zum Börsenbrief finden Sie hier.
Warum gilt Gold als „sicherer Hafen“?
Gold wird von vielen Anlegern als Absicherung in unsicheren Zeiten betrachtet. Bei hoher Inflation, geopolitischen Krisen oder Turbulenzen an den Finanzmärkten kann die Nachfrage nach dem Edelmetall steigen, da Gold nicht beliebig vermehrt werden kann und historisch als Wertspeicher gilt. Zeichnet sich dagegen ein Ende großer Konflikte ab, fällt der Goldpreis oftmals.
Was beeinflusst den Goldpreis?
Der Goldpreis wird vor allem durch Angebot und Nachfrage, die Entwicklung der Zinsen, den US-Dollar und die Inflation beeinflusst. Besonders die Geldpolitik der US-Notenbank spielt eine wichtige Rolle: Steigende Zinsen können Gold belasten, da das Edelmetall keine laufenden Erträge abwirft.
Wie können Anleger in Gold investieren?
Anleger können Gold physisch in Form von Barren oder Münzen kaufen oder über Finanzprodukte wie Gold-ETCs und Fonds investieren. Während physisches Gold direktes Eigentum bedeutet, ermöglichen Wertpapiere meist einen einfacheren Handel über die Börse. Indirekt funktioniert dies zudem über Aktien von Gold- und Silberminenbetreibern wie Newmont, Agnico Eagle Mines oder Fresnillo.
Heute, 20:46