Ernüchterung in München: BMW muss seine Gewinnprognose für das laufende Jahr erneut senken. Es ist bereits die zweite Korrektur innerhalb von fünf Monaten. Einbrechende Verkäufe in China und hohe Kosten für den Konzernumbau belasten den Autobauer spürbar.
Die Erwartungen für das Autogeschäft fallen deutlich. BMW rechnet für 2026 im Segment Automobile nur noch mit einer operativen Marge zwischen minus 0,5 und plus 0,5 Prozent. Bislang lag die Zielmarke bei 1 bis 3 Prozent. Auch bei den Auslieferungen rudert der Konzern zurück: Statt eines leichten Rückgangs erwartet das Management nun ein moderates Minus im Vergleich zum Vorjahr.
Immerhin bleibt die Kasse nicht leer. BMW rechnet im Autosegment weiterhin mit einem freien Cashflow von über 2,5 Milliarden Euro – das entspricht rund 2,8 Milliarden Dollar. Bereinigt um die anfallenden Umbaukosten soll die Marge laut Konzernangaben immerhin über der Marke von 2 Prozent liegen.
Der Gegenwind aus Fernost
Der Grund für den Rückschlag: Jahrelang war China der wichtigste Ertragsbringer für BMW. Jetzt bricht der Markt ein. Im dritten Quartal sackten die Auslieferungen in der Region im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent ab.
Vor allem bei Elektroautos verliert BMW an Boden gegen heimische Rivalen wie BYD. Auch die anhaltende Immobilienkrise im Land drückt massiv auf die Kauflaune der wohlhabenden Kundschaft. Während die Verkäufe in Fernost einbrechen, zieht das Geschäft in Amerika an. Die USA stehen kurz davor, China als größten Einzelmarkt der Münchner abzulösen.
Sparprogramm und Führungswechsel
Konzernchef Milan Nedeljkovic, der das Ruder im Mai übernahm, reagiert mit einem harten Sparprogramm. Weltweit sollen rund 8.000 Arbeitsplätze wegfallen – das entspricht etwa 5 Prozent der gesamten Belegschaft. Auch in der Chefetage wird gesiebt: Rund 100 Spitzenmanager, vor allem am Hauptsitz in München, müssen gehen. Gleichzeitig will das Unternehmen Verwaltung und Produktion durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz beschleunigen.
BMW drückt zudem beim Produktwechsel aufs Tempo. Ältere Modelle werden früher als geplant eingestellt, um Platz für die Fahrzeuge der nächsten Generation zu machen. Das Management peilt für 2028 wieder eine operative Rendite von bis zu 5 Prozent an. Zu Beginn des nächsten Jahrzehnts soll die Marge wieder das gewohnte Niveau von 8 bis 10 Prozent erreichen.
BMW zahlt einen hohen Preis für die Abhängigkeit vom chinesischen Markt. Die Transformation hin zur Elektromobilität und der Preiskampf gegen Angreifer wie BYD belasten die Profitabilität massiv. Der angekündigte Stellenabbau und das Vorziehen neuer Modelle sind notwendige Schritte, wirken aber erst mittel- bis langfristig. Für Anleger bleibt der Konzern vorerst eine Baustelle – die detaillierten Q3-Zahlen am morgigen Mittwoch müssen zeigen, wie tief die Einschnitte tatsächlich ausfallen.
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