Der Software-Spezialist innoscripta aus Tutzing bei München bleibt auf Wachstumskurs. Dank einer starken Neukundengewinnung kletterten Umsatz und Gewinn beim KI-Gewinner im ersten Halbjahr deutlich. DER AKTIONÄR hat daher exklusiv mit CFO Alexander Meyer und COO Sebastian Schwertlein über die jüngste Entwicklung gesprochen.
Wie lief das zweite Quartal operativ für innoscripta?
Sebastian Schwertlein: Der Auftragseingang und die Neukundengewinnung liefen im zweiten Quartal herausragend gut. In mehreren Ländern konnten wir neue Kunden gewinnen und Büroflächen eröffnen. Unsere internationale Wachstumsstrategie haben wir mit neuen Standorten in Großbritannien, Frankreich und den USA vorangetrieben. Wir haben entsprechende Teams aufgebaut und Verträge mit Neukunden über alle Standorte hinweg geschlossen. Im weiteren Jahresverlauf wollen wir zusätzliche Traktion aufnehmen, und für 2027 erwarten wir bereits signifikante Umsatzerlöse aus dem Ausland.
Wie schlagen sich diese Erfolge in den Geschäftszahlen nieder?
Alexander Meyer: Wir wachsen operativ sehr stark und haben ein Umsatzwachstum von 43 Prozent im ersten Halbjahr erzielt, und auch das EBIT ist um 49 Prozent gestiegen. Zum Halbjahresende 2026 hat sich unsere Kundenanzahl auf über 2.900 erhöht. Mit unserer Guidance, die wir zum Halbjahr bestätigt haben, wollen wir zeigen, dass wir diese verlässlich einhalten – mittelfristige Ziele werden wir zusätzlich präsentieren. Zudem erweitern wir im Zuge der Auslandsverträge kontinuierlich unsere Software-Systeme und wollen klar aufzeigen, dass unser Geschäft weit über Deutschland hinausgeht.
Welche Perspektive sehen Sie für die internationale Skalierung von innoscripta?
Sebastian Schwertlein: Ich sehe uns perspektivisch als Global Player für F&E-Software. Wir arbeiten intensiv an unserer Expansion, sowohl international als auch national. Abseits unserer internationalen neuen Standorte haben wir bereits u. a. in Polen, der Schweiz und den Niederlanden Kunden gewonnen. Das zeigt für uns eindeutig, dass sich dieser Ansatz international skalieren lässt. Wir sind zu einem globalen Unternehmen geworden, das seine Produkte in viele verschiedene Märkte bringen möchte.
Welchen Stellenwert nimmt das Thema Künstliche Intelligenz bei innoscripta ein?
Alexander Meyer: Wir sehen KI als Chance, um unsere Arbeitsabläufe noch effizienter zu machen. Konkret versuchen wir, unsere Mitarbeiter auf Basis aller frei verfügbaren Informationen besser auf die Arbeit mit Kunden vorzubereiten. KI ist kein Risiko für uns, denn sie kann eine regulatorisch belastbare Infrastruktur nicht ersetzen.
Ein zentraler Baustein Ihres Erfolgs ist die Belegschaft. Wie binden Sie Schlüsselkräfte an das Unternehmen?
Alexander Meyer: Was für uns absolut essenziell ist: Entscheidende Mitarbeiter müssen langfristig von Equity profitieren können. Ich selbst habe mir vor vielen Jahren 20 Prozent der Anteile gekauft, und auch Herr Schwertlein ist Aktionär. Inzwischen ist eine signifikante Anzahl an Mitarbeitern am Unternehmen beteiligt – das ist für uns das beste Modell. Wir wollen Leistung immer belohnen und Mitarbeiter am Unternehmenserfolg partizipieren lassen, weshalb wir sehr lukrative Möglichkeiten mit einem hohen variablen Gehalt bieten.
Trotz der starken operativen Zahlen entwickelt sich der Aktienkurs noch verhalten. Wie gehen Sie damit um?
Alexander Meyer: Wir sind früh an die Börse gegangen, in der Hoffnung, gemeinsam mit neuen Partnern zu wachsen. Uns ist wichtig, dass die Alt-Eigentümer weiterhin rund 80 Prozent der Anteile stellen. Der Aktienkurs hat sich entgegen dem operativen Niveau bisher leider nicht mitentwickelt. Für uns ist wichtig, nachhaltiges Vertrauen am Kapitalmarkt aufzubauen. Ein Investor will das Gefühl haben, dass er in Substanz investiert – und wir sind eine Firma von sehr starker Substanz.
Zum Abschluss: Gibt es Unternehmen, die Ihnen als Vorbild dienen, und wo soll innoscripta in drei Jahren stehen?
Alexander Meyer: Wir haben großen Respekt vor anderen Wachstumsfirmen, die über einen längeren Zeitraum gewachsen sind – zum Beispiel Atoss Software. In drei Jahren wollen wir bewiesen haben, eine globale Plattform zu sein, die den besten Talenten eine Heimat gibt, sich weiterzuentwickeln. Und das soll sich dann auch nachhaltig im Aktienkurs niedergeschlagen haben.
KI-Gewinner müssen nicht zwangsläufig aus dem Silicon Valley kommen. Auch in Deutschland entstehen Unternehmen, die vom Einsatz Künstlicher Intelligenz profitieren. Innoscripta ist dafür ein Beispiel. Noch ist die Aktie keine laufende Empfehlung des AKTIONÄR – die Story ist aber überaus spannend. Watchlist!
Heute, 08:05
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