29.03.2019 Markus Horntrich

GE: Es fehlt an Schwung - noch

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Trendthema

Der US-Mischkonzern General Electric (GE) steckt weiter in der Krise und tut sich schwer, aus ihr herauszukommen. Probleme macht vor allem die Kraftwerkssparte. Eine Verschlankungskur soll helfen, die hohen Schulden abzubauen. Was bei dem Konzern los ist, was die Analysten sagen und wie die Aktie läuft.

Die Bezeichnung Mischkonzern trifft wohl auf kaum einen Konzern der Welt so sehr zu wie auf General Electric. Die Amerikaner tummeln sich in den Feldern Energie, Gesundheit, Beleuchtung, Luftfahrt und Finanzdienste. Zwei Buchstaben zieren das Firmenlogo: GE.

Wenig schwungvoll laufen bei GE die Geschäfte. Darunter litt auch der Aktienkurs, und zwar so sehr, dass GE im Sommer 2018 nach mehr als 110 Jahren aus dem US-Leitindex Dow Jones Industrial flog. Übertragen auf deutsche Verhältnisse wäre das in etwa so, als würde Siemens nicht mehr im Dax sein.

GE ist hoch verschuldet. Auch deshalb drückt der erst seit Oktober 2018 amtierende Vorstandschef Lawrence Culp beim Konzernumbau weiter auf die Tube. Konzernteile werden veräußert, das spült Geld in die Kasse und senkt die Schulden. So soll etwa noch 2019 der Verkauf des Biopharma-Geschäfts an den US-Konzern Danaher für mehr als 21 Milliarden Dollar über die Bühne gehen. Auch aus dem Ölgeschäft verabschiedet sich GE peu à peu. Und die Zugantriebssparte wurde bereits mit dem Ausrüster Wabtec zusammengelegt.    

Für das Schlussquartal 2018 konnte Culp, der auf dem Chefsessel John Flannery nach nur 14 Monaten im Amt verdrängt hatte und der erste GE-Chef ist, der nicht aus den eigenen Reihen kommt, immerhin wieder schwarze Zahlen präsentieren. Nach wie vor Kopfschmerzen bereitet ihm aber die unter einer sinkenden Nachfrage leidende Kraftwerkssparte. Eine hohe Abschreibung in diesem Bereich hatte GE im dritten Quartal stark belastet. Auch im Schlussquartal war das Kraftwerksgeschäft das Sorgenkind. Auf einer Investorenkonferenz hatte sich Culp unlängst erneut recht pessimistisch zu deren Aussichten geäußert. Man habe zu lange gebraucht, um hier die Kosten und Strukturen anzupassen. Das zu tun, werde noch lange dauern.    

Konkreter wurde der Firmenlenker bei der Vorstellung des Ausblicks auf 2019: Es werde im operativen Geschäft mit einem Kapitalabfluss von bis zu zwei Milliarden Dollar gerechnet. Doch Culp verknüpfte die negative Botschaft mit einer zuversichtlich stimmenden Prognose: 2020 soll der Cashflow wieder positiv sein und sich 2021 sogar deutlich verbessern.

JPMorgan-Analyst Stephen Tusa bleibt skeptisch. Immer wieder seien in der Vergangenheit in Analystenkreisen die Schätzungen für GE zwar gekürzt worden, aber die Aktie mit Verweis auf das jeweils nächste Jahr zum Kauf empfohlen worden. Diesen Ansatz lehne er ab. Bis GE die Wende im Kraftwerksgeschäft gelinge, werde noch Zeit vergehen. Die Reparatur der Sparte sei kostspielig, schrieb er schon vor Culps Bekanntgabe der Prognose. Auch wenn der Ausblick nun einen optimistischen Ton enthalte, sieht Tusa wenig Greifbares, um seine Haltung zu ändern.    

Unter den bei Bloomberg erfassten Analysten, die die GE-Aktie seit Mitte März nach dem Ausblick auf 2019 unter die Lupe genommen haben, ist Tusa mit seinem Kursziel von 6 Dollar am pessimistischsten. Er stuft das Papier mit "Neutral" ein, wie sieben weitere Analysten auch. Acht Experten haben ein positives Votum mit Kurszielen von in der Spitze bis zu 18 Dollar. Sie setzen bei GE offenbar auf bessere Zeiten und halten den Aktienkurs für zu tief.    
Analyst Deane Dray von der kanadischen Bank RBC nannte die Prognose für 2019 besser als befürchtet und die in Aussicht gestellten Verbesserungen 2020 und 2021 für eine große Überraschung. Investoren sollten Culp vertrauen. Drays Votum für die GE-Aktie lautet "Outperform", sein Ziel 13 Dollar.    
Ganze zwei Analysten haben ein negatives Votum, darunter Robert Czerwensky von der DZ Bank mit einem Kursziel von 6,60 Dollar. Er wertet den Biopharma-Verkauf angesichts der damit einhergehenden Fortschritte beim Schuldenabbau zwar positiv, doch sei der Schuldenstand auch nach dem Deal weiter sehr hoch. Der Ausblick auf 2019 sei eine "herbe Enttäuschung" und zeige einmal mehr, dass die Lage schwieriger ist, als viele bisher angenommen hätten. Dass es nach einem von GE-Chef Culp angedeuteten schwachen ersten Quartal wieder aufwärts gehen soll, hält er für Zweckoptimismus.

Die Aktie von GE kostet aktuell rund zehn US-Dollar (8,83 Euro). DER AKTIONÄR hat den Wert rechtzeitig auf die spekulative Empfehlungsliste genommen. Allerdings eignet sich GE weiterhin nur für risikobereite Anleger. Der Stoppkurs des AKTIONÄR bleibt bei 7,50 Euro und damit knapp über Einstand.

Mit Material von dpa-AFX