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Ferrari mit Verzweiflungstaktik: Luce kaufen jetzt Pflicht?

Ferrari mit Verzweiflungstaktik: Luce kaufen jetzt Pflicht?
Foto: Pressebild Ferrari
Ferrari N.V. -%
Philipp Schleu Heute, 08:15 Philipp Schleu

Ferrari greift tief in die Trickkiste. Um das erste reine Elektroauto der Firmengeschichte, den 550.000 Euro teuren „Luce“, trotz verhaltenem Echo in den Markt zu drücken, nutzt der Sportwagenbauer aus Maranello ein altbewährtes System: Die Warteliste als Loyalitätsprüfung.

Nach Informationen aus dem Sammlernetzwerk signalisiert Ferrari wohlhabenden Kunden, dass eine Bestellung des Luce ein entscheidender Hebel sein könnte, um sich den Zugang zu künftigen exklusiven Sondermodellen zu sichern. Das Prinzip ist in der Luxusbranche nicht neu. Wer die begehrten Highlights will, muss sich erst durch den Kauf von weniger gefragten Produkten beweisen.

Design-Kritik und das „Apple-Problem“

Der Druck zur Vermarktung kommt nicht von ungefähr. Als der Luce im vergangenen Monat enthüllt wurde, fiel das Urteil der Fangemeinde vernichtend aus. Das Design, für das Ferraris Designteam in Zusammenarbeit mit Apples ehemaligem Chef-Designer Jony Ive verantwortlich zeichnet, wirkte auf viele Kritiker zu glatt und austauschbar. Vergleiche mit Modellen von Honda oder Tesla machten die Runde – für eine Marke, die von der Emotion ihrer Verbrennungsmotoren lebt, eine herbe Enttäuschung.

Doch Ferrari bleibt bei seiner Linie. Das Unternehmen produziert jährlich weniger als 14.000 Fahrzeuge. Diese bewusste Verknappung ist das Fundament der Markenidentität. „Je mehr man kauft, desto wichtiger wird man als Kunde behandelt“, fasst Max Girardo, Gründer der Beratungsfirma Girardo & Co., das ungeschriebene Gesetz in Maranello zusammen.

Ferrari (WKN: A2ACKK)

Zwischen Loyalität und Risiko

Offiziell betont Ferrari, man fördere keine Käufe, die lediglich dem „Ranking“ dienen sollen. Man lege Wert auf eine persönliche Bindung zum Modell. In der Praxis berichten jedoch Sammler aus Regionen von Italien bis China, dass ihnen die Botschaft unmissverständlich vermittelt wurde: Wer bei den kommenden „One-off“-Modellen ganz vorne dabei sein will, sollte den Luce in Betracht ziehen.

Die Strategie birgt jedoch Risiken. Ferrari setzt hier den guten Ruf seiner treuesten Kunden aufs Spiel. Während Modelle wie der Amalfi oder der 296 GTB mit Preisen ab 240.000 beziehungsweise 290.000 Dollar als Einstiegsdrogen in die Ferrari-Welt akzeptiert sind, ist der Luce ein radikaler Bruch mit der Tradition. Wenn die Kundschaft das Gefühl bekommt, zu einem unbeliebten Elektroauto gezwungen zu werden, könnte die Exklusivität, die Ferrari eigentlich schützen will, langfristig Schaden nehmen.

Ferrari spielt ein riskantes Doppelspiel. Das Unternehmen versucht, den Absatz seines ersten Elektroautos über den „VIP-Status“ zu erzwingen, statt über die reine Begeisterung für das Produkt. Anleger bleiben vorerst weiter an Bord.

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