20.04.2017 Benedikt Kaufmann

Facebook vs. Snapchat: Wer klaut von wem?

-%
Facebook
Trendthema

Snapchat veröffentlicht ein neues Augmented-Reality-Feature. Der große Konkurrent Facebook legt sofort nach – und setzt noch eine Virtual-Reality-App oben drauf. Durch innovative Funktionen sollen neue Nutzer gewonnen werden.

Snapchat hat ein neues Feature: World Lenses. Damit lassen sich unterschiedliche virtuelle Objekte in das von der Kamera aufgezeichnete Bild setzen. Einmal platziert, verhalten sich die dreidimensionalen Objekte wie in der echten Welt: läuft man auf sie zu, werden sie größer – umrundet man sie, zeigt sich das Objekt von der Rückseite. World Lenses ist damit eine echte Augmented-Reality-App.

Ein neues Feature an dem Facebook, das bereits zahlreiche Snapchat-Funktionen kopierte, scheinbar auch Gefallen findet. Auf der Facebook-Entwicklerkonferenz stellte das soziale Netzwerk am Dienstag eine ähnliche Augmented-Reality-App vor.

Doch Mark Zuckerberg hielt weitere Überraschungen auf Lager. Über eine Datenbrille, wie die Oculus von Facebook, soll ein virtueller Raum zusammen mit den Facebook-Freunden erkundet werden können. In den sogenannten Facebook Spaces soll man sich unterhalten, aber auch gemeinsam Videospiele spielen. Zuckerberg will weg vom textbasierten Netzwerk hin zu einem sozialen Netzwerk, das virtuell Freunde näher zusammenbringt. Angelpunkt der neuen technisch gestützten Kommunikation ist die Kamera. Noch ist Facebook Spaces ein reiner Prototyp – allerdings wird klar, wo Zuckerberg die Zukunft Facebooks sieht.

„Nutzer werden sicherlich mehr Zeit damit verbringen die 3D-Objekten zu platzieren und mit ihnen zu interagieren.“, sagt die Analystin Cathy Boyle von eMarketer. Damit erhöht sich die Zeit, die Nutzer für die Apps von Facebook und Snap aufwenden, was die Unternehmen zu attraktiveren Werbepartnern macht.

Der Umstand, dass der Gigant Facebook ständig vom kleinen Konkurrenten abkupfert, dürfte dem Börsenneuling einige Probleme bereiten. Es ist daher ein Muss, dass Snapchat weiter innovativ bleibt, meint Boyle. Ohne ständig neue Features sieht die Analystin den Nutzerwachstum und damit auch die Werbeumsätze Snaps in Gefahr.

Sicher scheint es fragwürdig, dass Facebook die neusten Features nur kopiert. Den einzelnen Nutzer wird dies jedoch kaum derart stören, dass er zu Snapchat wechselt. Er bleibt dort, wo seine Freunde sind – und mit 1,86 Milliarden monatlich aktiven Nutzern sind die meisten Freunde wahrscheinlich auf Facebook.

Facebook ist die unangefochtene Nummer Eins unter den sozialen Netzwerken – es ist kein Grund ersichtlich, weshalb sich dies in naher Zukunft ändern sollte. Daher: Klarer Kauf! Das AKTIONÄR-Kursziel liegt bei 150,00 Euro.

Buchtipp: Die Facebook-Gefahr

Facebook ist in die Kritik geraten. Bots, Trolle und Fake News sind Synonyme für die Pro­bleme des Konzerns. Spätestens seit Brexit und Trump sehen Nutzer die Reichweite und die Algorithmen mit Argwohn. Einer von Ihnen: Roger McNamee. Einst stolz darauf, zu den ersten Facebook-Investoren zu gehören, ist der Kapitalgeber und Tech-Experte nun zum scharfen Kritiker geworden. In seinem Buch rechnet er mit Mark Zuckerberg und Sheryl Sandberg ab. Ihre Reaktion auf den Missbrauch des sozialen Netzwerks ist seiner Ansicht nach völlig unzureichend und geht am Kern des Problems vorbei: der Bedrohung unserer demokratischen Grundordnung. „Die Facebook-Gefahr“ ist ein nicht zu überhörender Weckruf – für das Silicon Valley, für die Politik, für uns alle.

Autoren: McNamee, Roger
Seitenanzahl: 400
Erscheinungstermin: 21.11.2019
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-86470-662-2