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26.07.2018 Benedikt Kaufmann

Facebook nach 20%-Crash - jetzt nachkaufen?

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Facebook

Facebook rutschte nach den Zahlen massiv ab. Die erste Reaktion: “Unglaublich! Das kann nicht sein!” „20 Prozent? Das holt die Aktie schnell wieder auf.” Ist Facebook also ein ganz klarer Nachkauf?

Alleine die Tatsache, dass ein Gewinngarant wie Facebook massiv nach Quartalszahlen abrutscht, ist aber bestimmt kein Argument für einen Nachkauf, sondern eröffnet schlichtweg Chancen dazu. Um zu wissen, ob sich lohnt, diese Chance wahrzunehmen, muss man die Gründe für das Abrutschen verstehen.

Die Facebook-Aktie kategorisiert sich selbst als sogenannte Wachstumsaktie. Die Kurse steigen solange das Wachstum stimmt. Die Kurse steigen schneller, wenn sich das Wachstum beschleunigt. Und die Kurse fallen, wenn das Wachstum abnimmt. Welches dieser drei Szenarien aktuell auf Facebook zutrifft, ist leicht am Kurs abzulesen. Das Wachstum schrumpft.

Finanzchef David Wehner musste in der Quartalskonferenz diese Hiobsbotschaft nun tatsächlich verkünden, nachdem er mehrere Quartale bloß warnte:

So nimmt laut Wehner das Wachstum der Werbe-Umsätze in Europa schneller ab, als in anderen Märkten. Dies begründet das Unternehmen mit Währungseffekten und den Auswirkungen durch die EU-DSGVO. Gleichzeitig impliziert diese Aussage jedoch, dass die anderen Märkte ebenfalls schwächeln.

Wie deutlich diese Schwäche zu erwarten ist, beantwortet der Finanzchef nach der kryptischen Aussage in seinem Statement („Wir erwarten, dass die Wachstumsraten im Q3 und Q4 gegenüber den vorangegangen Quartalen um eine hohe einstellige Prozentzahl abnehmen.“) dem Analysten Ross Sandler von Barcleys, auf die Frage, ob das Wachstum nach dem Q4 18 nur noch bei etwa 20 Prozent liegen würde, mit einem „Ja!“. Ein Schock. Dies war auch der Zeitpunkt als die Aktie nachbörslich auf minus 24 Prozent abrutschte.

Als Grund hierfür nennt Wehner erneut Währungseffekte, Datenschutzverordnung und den Fokus auf zukünftige Wachstumschancen wie Stories, die aktuell noch nicht stark monetarisiert seien. Hier fällt einem Instagram ein, zu dessen aktueller Entwicklung Wehner jedoch sagt, dass man bereits die gleiche Werbeanzahl im Feed habe wie Facebook. Verwunderung, denn auf Facebook lässt sich kaum zusätzliches Wachstum durch die Erhöhung der Anzeigenzahl erzielen.

Die Wachstumsaussichten für Facebook lassen sich daher mit einem Wort zusammenfassen: „Unsicher!“ Steigen auf der Suche nach neuen Wachstumsquellen zudem die Kosten in den kommenden Quartalen um 50 bis 60 Prozent, ist die Facebook-Aktie anders zu kategorisieren. Zu der Wachstumsstory gesellt sich eine Turnaroundstory, die den Erfolg einer Suche nach neuem Wachstum möglich macht, aber viel Geduld von den Anlegern abverlangt.

In diese Geduld lohnt es sich nach Ansicht des AKTIONÄR zu investieren. Langfristig bleibt die Facebook-Aktie ein Kauf. Kurzfristig ist jedoch vom Nachkauf abzuraten, da der Markt diesen Schock und die Veränderung des Sentiments erst verarbeiten muss. Ein Risiko, das man getrost vermeiden kann. Abwarten und Panikreaktionen vermeiden.

Buchtipp: Die Facebook-Gefahr

Facebook ist in die Kritik geraten. Bots, Trolle und Fake News sind Synonyme für die Pro­bleme des Konzerns. Spätestens seit Brexit und Trump sehen Nutzer die Reichweite und die Algorithmen mit Argwohn. Einer von Ihnen: Roger McNamee. Einst stolz darauf, zu den ersten Facebook-Investoren zu gehören, ist der Kapitalgeber und Tech-Experte nun zum scharfen Kritiker geworden. In seinem Buch rechnet er mit Mark Zuckerberg und Sheryl Sandberg ab. Ihre Reaktion auf den Missbrauch des sozialen Netzwerks ist seiner Ansicht nach völlig unzureichend und geht am Kern des Problems vorbei: der Bedrohung unserer demokratischen Grundordnung. „Die Facebook-Gefahr“ ist ein nicht zu überhörender Weckruf – für das Silicon Valley, für die Politik, für uns alle.

Autoren: McNamee, Roger
Seitenanzahl: 400
Erscheinungstermin: 21.11.2019
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-86470-662-2