15.10.2016 Jochen Kauper

Experte Thomas Gebert: Welcher Kurs ist für die Deutsche Bank gerechtfertigt?

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Wenn man sich mit einzelnen Aktien beschäftigt, ihre Kennzahlen betrachtet, die Gewinnreihen analysiert,  ihre Geschichte und ihren Kursverlauf studiert, stößt man manchmal auf Firmen, die viel zu günstig bewertet erscheinen, ja kolossal unterbewertet. „Welche Hybris, auf die Idee zu kommen, der Markt hat Unrecht und ich habe Recht. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich etwas sehe, das alle anderen nicht sehen?  Warum sollte eine Aktie zu einem gegebenen Zeitpunkt billiger sein als alle anderen oder viele andere? Manchmal lese ich in Börsenkommentaren oder Aktienempfehlungen, es handele sich um eine unentdeckte oder noch nicht entdeckte Aktie. Wo verstecken sich die Aktien? Muss man sie suchen wie Ostereier? Zumindest die jetzigen Besitzer dieser Aktien haben sie schon gefunden und einige oder mehrere von ihnen wollen sie wieder verkaufen, sonst käme ja kein Handel zustande“, sagt Börsenexperte und Buchautor Thomas Gebert.

Bankaktien hatten in der Finanzkrise die höchsten Dividendenrenditen

In der Regel weiß der Verkäufer mehr von einer Aktie als der Käufer. Der Verkäufer hat sich schon vor längerer Zeit mit der Aktie intensiv beschäftigt und sie schließlich in sein Depot übernommen. „Wenn eine Aktie günstig bewertet aussieht, liegt das meist daran, dass sie zuvor gefallen ist und nicht daran, dass sie plötzlich so viel mehr verdient. Da bleibt die Frage warum sie vorher gefallen ist“, so Gebert. Ebenso muss man eine hohe Dividendenrendite hinterfragen. „Auch die ergibt sich in der Regel dadurch, dass der Kurs vorher nachgegeben hat. Oft lassen sich die erhofften hohen Dividendenrenditen nicht realisierten. Vor der Finanzkrise im Jahr 2007 wiesen die Bankaktien die höchsten Dividendenrenditen auf. Societe Generale rentierte mit über fünf Prozent und Fortis mit über neun Prozent. Die Societe-Generale-Aktie fünftelte sich im Anschluss, Fortis ging pleite. Hohe Dividendenrenditen müssen als Warnzeichen gesehen werden. Die hohen Auszahlungen, die man sich jahrelang von den Stromversorgern versprach, materialisierten sich ebenfalls nicht“, erklärt Gebert.

Deutsche Bank: 45 Euro?

Die sinkenden Aktienkurse, aus denen sich die vermuteten hohen Dividendenrenditen ergaben, signalisierten frühzeitig, dass die Zahlungen so nicht kommen werden. „Auch der fallende Kurs der Deutschen-Bank-Aktie zeigt schon lange an, dass in der Bank irgendetwas schief läuft. Das Eigenkapital der Bank pro Aktie, auch Buchwert pro Aktie genannt, liegt bei 45 Euro. Dort müsste die Aktie eigentlich notieren. Dass sie nicht dort nicht steht, bedeutet, dass der Markt die Bilanz der Deutschen Bank nicht glaubt. Was stimmt? Der Kurs oder die Bilanz der Deutschen Bank? Beides geht nicht“, so lautet das Fazit von Thomas Gebert.

 

Mehr zu Thomas Gebet gibt es unter www.gebertbrief.de.

 

 

Buchtipp: Warum der DAX auf 10.000 Punkte steigt

Thomas Gebert ist seit mehreren Jahrzehnten an den Finanzmärkten aktiv. Der von ihm entwickelte Börsenindikator wird regelmäßig in der Wirtschaftspresse besprochen und diente einer führenden Investmentbank als Grundlage für ein erfolgreiches Zertifikat. Inmitten der Finanzkrise will der Börsenprofi eine Lanze für den Optimismus brechen. In seinem Manifest mit dem provozierenden Titel "Warum der DAX auf 10.000 Punkte steigt" zeigt er, warum er gute Chancen sieht, dass sich die aktuelle Krise mit ein wenig Abstand als hervorragende Kaufchance für mutige Investoren erweisen könnte.

Autoren: Gebert, Thomas
Seitenanzahl: 112
Erscheinungstermin: 27.10.2011
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-942888-95-0