07.12.2016 Fabian Strebin

Experte Hässler: Steigende Zinsen sind gut für Banken

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Commerzbank
Trendthema

Die Wahl von Donald Trump zum nächsten US-Präsidenten hat bei den amerikanischen Banken eine regelrechte Rallye ausgelöst. Im Interview mit DER AKTIONÄR erklärt Philipp Hässler, Analyst bei Equinet, wie die Situation bei der Commerzbank einzuschätzen ist.

DER AKTIONÄR: Der Zinsunterschied zwischen den USA und Europa wird bei den Anleiherenditen immer größer. Muss auch die EZB jetzt an Zinserhöhungen denken?

Herr Hässler: Nein, das denke ich nicht. Bevor die Inflation nicht deutlich steigt, sehe ich keine Zinserhöhung der EZB. Auf die langfristigen Zinsen hat die EZB zudem nur bedingten Einfluss. Entscheidender ist, dass sich durch die höheren Zinsen in den USA das Sentiment für Banken verbessert hat.

DER AKTIONÄR: Gibt es Unterschiede, was die Auswirkungen höherer Renditen bei einzelnen Geldhäusern angeht?

Herr Hässler: Grundsätzlich sind steigende Zinsen für alle Banken positiv, da sie mit den unverzinsten Kundeneinlagen wieder mehr Geld verdienen können. Außerdem können sie von ihren Kunden höhere Kreditzinsen verlangen, können gleichzeitig aber zeitverzögert die Zinsen auf Kundeneinlagen erhöhen, was sich in einer steigenden Marge auswirkt. Je stärker eine Bank im Privatkundengeschäft ist, umso mehr profitiert sie auch davon. Wenn die Zinsen in einer kurzen Zeitspanne zu schnell steigen, bestehen aber auch Risiken.

DER AKTIONÄR: Reichen bei der Commerzbank die angekündigten Kosteneinsparungen und der Fokus auf die Digitalisierung aus, um den Konzern wieder flott zu kriegen?

Herr Hässler: Ich frage mich hier, wie man 2 Millionen Neukunden bis 2020 gewinnen will und die Erträge so stark steigern möchte. Im Filialgeschäft ist die Kundenfreundlichkeit wichtig: Dass Niederlassungen über Mittag schließen, ist nicht mehr zeitgemäß. Außerdem erwarte ich, dass in den nächsten Jahren doch mehr als nur vereinzelt Geschäftsstellen geschlossen werden, auch wenn der Privatkunden-Vorstand Herr Mantel das zuletzt in einem Interview bestritten hat. Online- und Mobilebanking wird immer wichtiger. Banken, die hier stark sind, konnten in den letzten Jahren auch deutlich wachsen.

DER AKTIONÄR: Wie schätzen Sie das Thema Robo-Advising in der Anlageberatung ein? Kann die Commerzbank hiervon profitieren?

Herr Hässler: Ich denke, dass eher onlineaffine Kunden diese Variante wählen würden. Wer prinzipiell für Bankgeschäfte noch in seine Filiale vor Ort geht, der wird auch persönlich mit seinem Berater sprechen wollen.

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