17.04.2018 Andreas Deutsch

Egbert Prior: Prosit auf diese Aktie

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Er kennt die Börse aus dem Effeff. Die Rede ist von Egbert Prior. Der langjährige Herausgeber der Prior Börse schreibt für Sie über seine Favoriten: deutsche Nebenwerte. Lesen Sie seine Analyse.

„Die Rede ist von Hawesko. Der Weinhändler wächst und gedeiht. Seit dem Börsengang 1998 zahlten die Hamburger jedes Jahr eine Dividende! So sind in zwanzig Jahren je Aktie 21,58 Euro zusammengekommen. Ein schönes Zubrot!

Aktueller Kurs 51 Euro. Der Ausgabepreis beim IPO hatte – splitbereinigt – 22,24 Euro betragen. Damit weist Hawesko eine solide Rendite auf. Nach der Hauptversammlung am 11. Juni werden 1,30 Euro je Aktie ausgeschüttet.

Vorstandschef Thorsten Hermelink erzielte 2017 neue Rekordmarken. Der Umsatz kletterte um 5,4 Prozent auf 507 Millionen und übersprang damit erstmals die magische Marke einer halben Milliarde. Das operative Ergebnis stieg um 2,7 Prozent auf 30,4 Millionen und damit leicht unterproportional. Sie sollten dabei beachten, dass das Vorjahresergebnis Sondereffekte enthielt, die per Saldo positiv waren.

Die Ebit-Marge: sechs Prozent. Nicht schlecht für ein Handelsunternehmen, aber noch ausbaufähig. Mittelfristig dürften aus unserer Sicht auch sieben Prozent drin sein. Akquisitionen haben 2017 das Wachstum unterstützt.

Für den laufenden Turnus streben die Hanseaten weitere Bestmarken an. Nach unserer Schätzung könnten die Erlöse um drei bis vier Prozent wachsen, der Gewinn einen Tick mehr.

Unternehmenslenker Hermelink hat sich „Effizienz und Profitabilität“ auf die Fahnen geschrieben. Zentral ist dabei die Digitalisierung. Insgesamt erzielt der Konzern bereits rund 20 Prozent seiner Umsätze im Netz.

Hawesko betreibt die Ladenkette Jacques Weindepot, den Großhandel (Weinwolf und CWD) sowie den Versandhändler Hawesko. Die Hanseaten haben die drei Sparten neuerdings „Omni-Channel“, „B2B“ und „Digital“ getauft.

Die Weinhandelsgruppe möchte sich auch in Zukunft mit Akquisitionen verstärken. Zuletzt wurde über eine mögliche Übernahme des österreichischen Filialisten Wein & Co spekuliert. Das wäre eine ideale Ergänzung, allerdings ist ein Deal kurzfristig nicht zu erwarten. CEO Hermelink schaut sich aber regelmäßig nach potentiellen Akquisitionskandidaten um.

Obwohl Hawesko die 500-Millionen-Umsatzmarke geknackt hat, bleiben die Wachstumsmöglichkeiten schier unbegrenzt. Der Weinmarkt allein in der DACH-Region wird auf ein Volumen von zehn Milliarden Euro geschätzt.

Der Aktienkurs ist seit einigen Monaten bei 51 Euro wie festgenagelt. Offenbar gibt es einen größeren Aktionär, der auf diesem Niveau permanent abgibt. Aus meiner Sicht ergibt sich dadurch eine interessante Einstiegsmöglichkeit. Denn irgendwann wird das Paket versilbert sein.

Für 2018 schätzen wir das Ergebnis je Aktie auf 2,30 Euro. So gesehen errechnet sich ein KGV von 22. Angesichts des stabilen Geschäftsmodells und der kontinuierlichen Dividende vertretbar. Fazit: In vino veritas!“