03.05.2020 Michel Doepke

Drägerwerk-Chef übt Kritik – Abstauberlimit verfehlt – und jetzt?

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Drägerwerk Vz.

Die Produkte von Drägerwerk stehen in der Corona-Krise hoch im Kurs, die Aktien des Unternehmens auch. Der Chef des Medizintechnikherstellers, Stefan Dräger, hat die Politik nun im Hinblick auf die Versorgung von Krankenhäusern, Arztpraxen und Pflegeheimen mit medizinischen Schutzmasken kritisiert. 

"Schlagzeilen gefragt"

"Ich habe den Eindruck, zurzeit sind vor allem Schlagzeilen gefragt, dass Millionen von Masken irgendwo auf einem Flughafen auf der Stelle zur Verfügung stehen", sagte der Lübecker Unternehmer der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Dräger stellt Schutzmasken in Fabriken in Schweden und Südafrika her. In den USA baut das Unternehmen im Auftrag der US-Regierung eine eigene Fertigungsanlage.

Sofern gewünscht, sei so eine Fabrik natürlich auch in Deutschland möglich, sagte Dräger der Zeitung. Der Bau würde zwei bis drei Monate dauern. "Wir stehen Gewehr bei Fuß. Das würde die Abhängigkeit von fragwürdigen Zwischenhändlern senken, die ihre Ware an den Meistbietenden verkaufen." Der Bund hat bei Dräger 10.000 Beatmungsgeräte zur Behandlung von Covid-19-Patienten bestellt. Die ersten wurden nach Auskunft des Unternehmers im März geliefert.

Drägerwerk verzeichnet aufgrund der Corona-Krise einen Auftragsboom bei Schutzmasken und Beatmungsgeräten. Jedoch muss die Gesellschaft auch zeigen, dass die Aufträge in profitable Umsätze umgemünzt werden können. Im ersten Quartal 2020 ist der Sprung in die schwarzen Zahlen noch nicht geglückt. Drägerwerk erzielte im Berichtszeitraum einen EBIT-Verlust von 0,6 Millionen Euro.

Drägerwerk Vz. (WKN: 555063)

DER AKTIONÄR hat sich mit einem Abstauberlimit bei 68,00 Euro auf die Lauer gelegt. Dieses wurde allerdings verfehlt. Anleger, die bereits investiert sind, lassen die Gewinne laufen. Günstig ist das Papier mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 27 für 2020 nicht mehr – zumal Drägerwerk weiterhin Verluste schreibt. Langfrist-Favorit bei Beatmungsgeräten bleibt die profitable Getinge.

(Mit Material von dpa-AFX)