Nach dem starken Jahresstart am deutschen Aktienmarkt haben sich die Anleger am Freitag weiter zurückgehalten. Der DAX fiel um 0,22 Prozent auf 25.297 Punkte. Seit einer Reihe von Rekorden bis zu einer Bestmarke von 25.507 Zählern am Dienstag stehen die Zeichen auf Konsolidierung. Auf Wochensicht ist der deutsche Leitindex kaum vom Fleck gekommen.
Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater sieht darin lediglich eine Verschnaufpause: "Nach dem ereignisreichen Jahresbeginn an den Krisenschauplätzen Venezuela, Grönland und Iran mussten die Kapitalmärkte diese geopolitischen Entwicklungen erst einmal verdauen." Die USA drohten dem iranischen Regime wegen der brutalen Niederschlagung der Massenproteste erneut mit einem militärischen Eingreifen. US-PräsidentDonald Trump zieht außerdem Strafzölle für jene Länder in Erwägung, die sich seinem Besitzanspruch auf Grönland entgegenstellen.
Aus Sicht von Marktexperte Marcel Mußler konkurriert derzeit der kurzfristige Abwärtstrend mit dem steilen Rallytrend seit Mitte Dezember. So trieb zuvor vor allem die Aussicht auf eine Belebung der deutschen Wirtschaft die Kurse an. Hinzu kommen der weiter ungebremste Ausbau von KI-Kapazitäten weltweit sowie die Rüstungsinvestitionen rund um den Globus. Obendrein nehmen noch Trends wie Robotik und perspektivisch auch die Weltraumwirtschaft Fahrt auf.
Klöckner vor Übernahme
Auf Unternehmensseite stand hierzulande zum Wochenschluss der Stahlhändler Klöckner & Co im Fokus. Der US-Konzern Worthington Steel bietet 11 Euro je Aktie für die Düsseldorfer, deren Großaktionär Friedhelm Loh das Angebot unterstützt. Der KlöCo-Aktienkurs schnellte um 28,2 Prozent auf 11,04 Euro nach oben. Bereits seit dem Bekanntwerden von Übernahmeverhandlungen Anfang Dezember 2025 war es steil aufwärts gegangen.
Chemie schwach, Energie stark
Aus Branchensicht schwächelten insbesondere Chemiewerte, nachdem die Analysten von Barclays und JPMorgan wenig Hoffnung auf eine starke Belebung der schon lange schwächelnden Branche gemacht hatten. Am DAX-Ende verloren Brenntag und BASF vier beziehungsweise 3,7 Prozent, im MDAX gerieten Evonik , Wacker Chemie und Lanxess unter Druck.
Gefragt waren auf der anderen Seite Papiere von Unternehmen, die von der Energiewende und dem Ausbau von Künstlicher Intelligenz (KI) profitieren. Die Aktie des Energietechnikkonzerns Siemens Energy gewann vorne im DAX 6,3 Prozent, für den Versorger RWE ging es um 1,5 Prozent nach oben. Ihm kam auch der Durchbruch beim geplanten Bau neuer Gaskraftwerke in Deutschland zugute.
Nebenwerte im Fokus
Für die Anteilsscheine von K+S ging es dagegen um 4,6 Prozent bergab, womit die Anleger ihre jüngsten Gewinnmitnahmen beim Kalidünger-Konzern ausweiteten. Für Belastung sorgte der Konkurrent Mosaic. Das US-Unternehmen berichtete von einer Nachfrageschwäche im vierten Quartal, die deutlicher als saisonal üblich ausgeprägt gewesen sei.
Die Aktie der Norma Group litt unter einem skeptischen Analystenkommentar und gab mit einem Minus von 6,3 Prozent einen Großteil ihre Jahresgewinne wieder ab. Die Anlagestory des Verbindungstechnik-Herstellers stehe auf dem Prüfstand, schrieb Pal Skirta vom Bankhaus Metzler in einer Studie. Er strich seine Kaufempfehlung und stuft die Papiere nun mit "Hold" ein.
Drägerwerk knüpften mit einem Anstieg um 11,7 Prozent an ihren starken Vortag an, an dem der Hersteller von Medizin- und Sicherheitstechnik mit Eckdaten und einem ersten Ausblick für 2026 überzeugt hatte. Am Freitag stufte Analyst Harald Hof von MWB Research die Aktien bei einem neuen Kursziel von 95 Euro auf "Buy" hoch. Die Prognose des Managements für 2026 deute auf eine stärkere Margendynamik hin als bisher angenommen, so der Experte.
Enthält Material von dpa-AFX
Hinweis auf Interessenkonflikte
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Heute, 18:13