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22.03.2020 Michel Doepke

Dermapharm-CEO Dr. Hans-Georg Feldmeier: "Nach unserer Einschätzung wird der Markt für medizinisches Cannabis weiter an Bedeutung gewinnen"

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Dermapharm

Als Hersteller von patentfreien Markenarzneimitteln hat sich Dermapharm in Deutschland etabliert. Das Unternehmen will weiter wachsen und lässt sich vom Coronavirus nicht beunruhigen. "Da wir 90 Prozent unserer Produkte im Segment Markenarzneimittel und andere Gesundheitsprodukte in Deutschland fertigen, sehen wir derzeit keine Einschränkungen durch das Coronavirus - auch nicht beim Einkauf von Wirkstoffen", sagte eine Unternehmenssprecherin zum AKTIONÄR. Was Anleger über Dermapharm wissen sollten und warum diese Wachstumsstory weiter geht, verrät Dermapharm-CEO Dr. Hans-Georg Feldmeier im AKTIONÄR-Interview.

Dr. Hans-Georg Feldmeier, CEO der Dermapharm Holding
Dermapharm

DER AKTIONÄR: Herr Dr. Feldmeier, gut zwei Jahre ist Dermapharm nun an der Börse. Wie zufrieden sind Sie mit der bisherigen Geschäfts- und Aktienkursentwicklung?

Dr. Hans-Georg Feldmeier: "Seit dem Börsengang 2018 haben wir unser Geschäft kontinuierlich weiterentwickelt, unseren Umsatz deutlich gesteigert und die Profitabilität weiter verbessert. Auf Basis unserer starken Marktposition auf dem deutschen Pharma- und Gesundheitsmarkt konzentrieren wir uns darauf, den Ausbau des Geschäfts erfolgreich fortzuführen. Dazu wollen wir sowohl organische als auch externe Wachstumschancen nutzen. Um dieses Ziel zu erreichen, verfolgen wir eine Strategie, deren Erfolg auf drei Säulen basiert: der Erweiterung des Produktportfolios durch die Einführung neuer, selbstentwickelter Produkte, einer zunehmenden internationalen Präsenz sowie weiteren erfolgreichen Akquisitionen.

Seit dem Börsengang am 9. Februar 2018 im regulierten Markt (Prime Standard) an der Frankfurter Wertpapierbörse sind wir in regelmäßigem Dialog mit den Teilnehmern des Kapitalmarktes, um die Unternehmensentwicklung zeitnah und transparent zu teilen und unsere Prognosen zu erläutern. Diese sehr erfolgreiche Unternehmensentwicklung wurde vom Kapitalmarkt honoriert, was sich auch in unserem Aktienkurs widerspiegelt. Unseren Aktienkurs konnten wir in 2019 um 65 Prozent steigern."

Welche wichtigen Meilensteine konnte die Dermapharm Holding in den zurückliegenden beiden Jahren erreichen?

"Seit dem Börsengang haben wir viel erreicht. Lassen Sie mich nur ein paar Beispiele hierzu nennen: Durch die Akquisition der spanischen Euromed haben wir uns den Zugang zu pflanzlichen Rohstoffen und natürlichen Wirkstoffen erschlossen und unsere eigene Wertschöpfungskette erweitert. Die Euromed ist ein führender Hersteller von Pflanzenextrakten, die als Vorprodukte zur Herstellung von Phytopharmaka, also pflanzlichen Arzneimittel, Nutrazeutika, sog. funktionelle Nahrungsmittel und Kosmetikprodukten verwendet werden. Hier sehen wir in der Zukunft besonders interessante Potentiale für die Entwicklung von Gesundheitsprodukten im Unternehmensverbund. 


Darüber hinaus haben wir die beiden Gesellschaften Strathmann und Trommsdorff, die wir kurz vor unserem Börsengang im Januar 2018 akquiriert haben, erfolgreich in die Dermapharm Gruppe integriert. In unseren Kernmärkten konnten wir 2019 durch organisches Wachstum unsere Marktposition ausbauen. Dabei hat ganz sicherlich geholfen, dass wir unsere Marketing- und Vertriebsaktivitäten innerhalb der Firmengruppe neu allokiert haben. So werden beispielsweise Herz-Kreislauf Therapeutika, die in der Vergangenheit nicht im Fokus der Bewerbung gestanden haben, nunmehr über die Firma Trommsdorff sehr erfolgreich und zielgerichtet vertrieben. Seit der Übernahme der beiden Gesellschaften konnten wir die Profitabilität deutlich steigern und das Geschäft ausbauen.

Zum Jahreswechsel haben wir das neue Logistikzentrum der Tochtergesellschaft mibe GmbH Arzneimittel in Brehna bei Leipzig in Betrieb genommen. Auf circa 12.000 m² nutzbarer Fläche wurden mit diesem Schritt die Versandkapazitäten der Firmengruppe ausgebaut. Dadurch, dass der Standort Brehna sowohl der zentrale Logistik-Hub als auch größter Produktionsstandort der Dermapharm ist, werden Synergien in der Produktions- und Versandlogistik erreicht, die Kosteneinsparungen ermöglichen, Ressourcen schonen und den Kunden Vorteile bieten.

Zeitgleich mit der Errichtung des neuen Lagers wurden in den vorhandenen Produktionsgebäuden auch die Fertigungskapazitäten ausgebaut. In neuen Produktionsräumen wurden fünf Anlagen zur Herstellung von Sticks installiert. Damit ist die Integration der ehemaligen Firma CfP, die Dermapharm vor zwölf Monaten aus der Insolvenz übernommen hatte, planmäßig abgeschlossen. Neben den Anlagen zur Herstellung von Sticks wurde in Brehna zudem eine neue vierstellige vollautomatische Abfüllanlage für flüssige, freiverkäufliche Arzneimittel, sogenannte Liquida in Betrieb genommen. Das Hauptprodukt auf dieser Anlage ist China-Öl, ein bewährtes Arzneimittel zur Linderung von Beschwerden bei Erkältungskrankheiten. Die neue Abfüllanlage stellt eine Verdopplung der Abfüllkapazitäten um weitere fünf Millionen Einheiten pro Jahr dar. Zum Jahresende 2019 erfolgte außerdem die Bauabnahme für die neue Fabrik der Melasan in Österreich zur Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln. Die neue Fabrikation wird nunmehr schrittweise bezogen."


Vor Kurzem haben Sie die Übernahme von Allergopharma bekanntgegeben. Ein „typischer Dermapharm-Deal“?

"Gibt es den typischen Dermapharm-Deal? Jeder Deal ist anders, aber wir suchen bei Akquisitionen nach Unternehmen oder Produkten, die unsere Therapiegebiete optimal ergänzen. In der Vergangenheit haben wir immer wieder gezeigt, dass wir Unternehmen nicht nur akquirieren, sondern auch erfolgreich integrieren und Synergien nutzen können. 

So haben wir im Februar 2020 das auf Therapeutika zur Desensibilisierung von Allergien spezialisierte Unternehmen Allergopharma von der Merck KGaA übernehmen können. Mit der Akquisition von Allergopharma erweitern wir unsere Kompetenz im Bereich der Dermatologie durch ein innovatives Produktportfolio von Immuntherapeutika zur Desensibilisierung bei Allergien. Die Dermapharm Gruppe war bislang nicht im Bereich der Desensibilisierung von Allergien aktiv. Zu unserem Produktportfolio zählten bislang Produkte zur Bekämpfung der Allergie-Symptome in Form von Augentropfen und Nasensprays, zum Beispiel Azedil, Momekort oder Levocamed, aber auch Tabletten wie Cetiderm. Mit Allergopharma können wir nun nicht nur die Symptome, sondern auch die Ursache direkt in Form einer Desensibilisierung bekämpfen.

Zudem ist Allergopharma in unseren Kernmärkten wie zum Beispiel Deutschland, Österreich, Schweiz sowie Polen und Spanien aktiv, wo wir gerade erst unsere Tochtergesellschaft mibe España gegründet haben. Außerdem ist Allergopharma auch in unseren Zukunftsmärkten wie z.B. China vertreten, einem Wachstumsmarkt in dem wir bislang noch nicht präsent sind. Damit ist Allergopharma eine ideale Akquisition im Rahmen unserer internationalen Wachstumsstrategie."


Fassen Sie weitere Übernahmen ins Auge?

"Der Erwerb neuer Zulassungen, Produkte oder Unternehmen ist seit jeher Teil unserer Geschäftsstrategie und wir haben unser Produktangebot durch erfolgreiche Akquisitionen kontinuierlich erweitert. Deshalb prüfen wir auch weiterhin selektive Wachstumschancen und sind bestrebt, strategische Optionen wahrzunehmen, die zu unserer Unternehmensstrategie passen."

Mit Zukäufen erweitert Dermapharm das Portfolio an pharmazeutischen Wirkstoffen und Arzneimittelzulassungen.
Dermapharm

Welches Wachstum prognostizieren Sie in den kommenden Jahren?

"Unsere erfolgreiche Wachstumsstrategie basierend auf den genannten drei Säulen werden wir auch weiterhin konsequent verfolgen. Ein konkretes Wachstumsziel für mehrere Jahre geben wir jedoch nicht bekannt. Mit der Veröffentlichung unseres Geschäftsberichts am 8. April 2020 werden wir eine Prognose für 2020 veröffentlichen."

Möchten Sie die internationale Präsenz weiter stärken?

"Auf jeden Fall - für die internationale Expansion unseres Geschäfts mit Markenarzneimitteln und anderen Gesundheitsprodukten haben wir bereits Tochtergesellschaften in Großbritannien, Italien, Spanien und den USA gegründet und Vertriebsmanager mit lokalem Knowhow eingestellt. Darüber hinaus befindet sich eine Vielzahl von Präparaten aus eigener Entwicklung im Zulassungsverfahren für diese Länder. So können wir den sukzessiven Aufbau des Portfolios und entsprechender Vertriebs-strukturen in den neuen Märkten sicherstellen.

Beispielsweise expandieren wir mit unseren CE-zertifizierten und weltweit patentierten hyperthermischen Medizinprodukten bite away und Herpotherm in weitere europäische Länder sowie in Asien und Amerika. Die Akquisition der Euromed, die über 98 Prozent ihrer Umsätze im Ausland realisiert, und die Übernahme der Allergopharma stellen einen weiteren Schritt der Internationalisierung dar."

Mit dem Erwerb einer Beteiligung am Cannabis-Unternehmen FYTA hat sich Dermapharm im spannenden Cannabis-Markt positioniert. Was zeichnet FYTA aus?

"FYTA verfügt über eine eigene moderne Indoor-Produktionsanlage in Waalwijk in den Niederlanden, in der medizinisches Cannabis unter konstant gleichen Bedingungen wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Lichtintensität sowie unter einer kontrollierten mit Nährstoffen angereicherten Bewässerung angebaut werden kann. Innerhalb der Dermapharm Firmengruppe haben wir die Ressourcen, Cannabis – Produkte erfolgreich zu vermarkten.

Nach unserer Einschätzung wird der Markt für medizinisches Cannabis weiter an Bedeutung gewinnen. Daher war die Beteiligung an FYTA der logische Schritt, um uns den Marktzugang zu sichern."


Könnten Sie sich vorstellen, dass es auch in Europa sukzessive zu einer Legalisierung kommt?

"Seit März 2017 regelt in Deutschland das Gesetz „Cannabis als Medizin“ den Einsatz von Cannabisarzneimitteln als Therapiealternative bei Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen. Demnach können Schwerkranke Cannabisprodukte auf Rezept in der Apotheke erhalten, nachdem dafür lange Zeit eine Sondererlaubnis erforderlich war.

Weltweit rücken Cannabisprodukte wegen ihres medizinischen Potentials zunehmend in den Fokus. Deswegen erwarten wir, dass sich diese Therapiealternative sukzessive auch in Europa durchsetzen wird."

Wann ist mit ersten Umsatzbeiträgen zu rechnen?

"Die technischen Voraussetzungen sind bei der FYTA erfüllt. Wir warten auf die behördlichen Genehmigungen."

Inzwischen notieren Sie im SDAX. Ist eine mögliche Aufnahme in den MDAX in den kommenden Jahren realistisch?

"Unsere Unternehmensziele bestehen nicht in der Erreichung eines bestimmten Indexes. Wir wollen die Dermapharm jedoch erfolgreich auf dem eingeschlagenen Weg weiterentwickeln. Dafür engagieren wir uns gemeinsam mit unseren Mitarbeitern."

Vielen Dank für das aussagekräftige Interview!


Dermapharm (WKN: A2GS5D)

DER AKTIONÄR ist davon überzeugt, dass Dermapharm die derzeitige Corona-Krise meistern kann. Um die Marke von 30,00 Euro bleibt die Aktie ein klarer Langfrist-Kauf.