Der Höhenflug am deutschen Aktienmarkt ist abrupt beendet. Nach dem Rekordhoch von 26.692 Punkten am Vortag verlor der Dax am Freitag zeitweise mehr als 1.000 Zähler. Am Ende stand ein Minus von 1,92 Prozent auf 25.820,36 Punkte. Das Wochenplus löste sich damit vollständig auf. Auch der MDax der mittelgroßen Werte gab nach und schloss 0,81 Prozent tiefer bei 30.642,23 Punkten.
Der Grund: Ein weltweiter Ausverkauf bei Chip- und KI-Werten drückt auf die Stimmung. Anleger fürchten nach dem Wahlerfolg der Demokraten bei den Zwischenwahlen in den USA schärfere Regeln für künstliche Intelligenz. Am Vortag verlor der New Yorker Halbleiterindex SOX bereits über 12 Prozent. Zwar erholte sich die Technologiebörse Nasdaq am Freitag um 2,0 Prozent, die Nervosität bleibt jedoch spürbar.
Zusätzliche Bremsspuren hinterlassen die Zinserwartungen. Ein robuster US-Arbeitsmarkt und eine für Oktober erwartete Inflationsrate von vier Prozent erhöhen den Druck auf die Notenbank Fed. Volkswirte rechnen mit einer weiteren Zinserhöhung im Dezember. Höhere Zinsen treffen vor allem wachstumsstarke Technologiekonzerne. Während die Zinsangst wächst, sanken die Ölpreise aufgrund der Hoffnung auf ein Ende des Iran-Konflikts leicht. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor 0,98 Prozent auf 6.170,49 Punkte.
Hochtief trotzt dem Abverkauf – Rüstung und Industrie schwach
Entsprechend vorsichtig reagieren Investoren auf aktuelle Unternehmensdaten. Die Aktie von Daimler Truck verlor 3,4 Prozent. Zwar fiel das dritte Quartal solide aus, der schwache Auftragseingang schreckte die Anleger jedoch ab. Noch deutlicher erwischte es die Rückversicherer: Munich Re büßte 4,3 Prozent ein, Hannover Rück gab 4,4 Prozent ab. Die Investmentbank JPMorgan hatte beide Titel wegen erwarteten Preisdrucks herabgestuft.
Auch die anhaltende Schwäche bei Rüstungswerten drückt auf die Kurse. Nach einer Gewinnwarnung senkten mehrere Analysten ihre Ziele für Rheinmetall. Das Papier verlor 3,4 Prozent auf 812,70 Euro, nachdem es zeitweise unter 800 Euro gerutscht war. Im Kleinwerte-Index SDax stürzte der Zulieferer Stabilus nach einer gesenkten Prognose für Nordamerika und China um 12 Prozent ab.
Dagegen stemmte sich Hochtief erfolgreich gegen den Trend. Das Papier kletterte um 5,5 Prozent nach oben. Auslöser waren Berichte, wonach der spanische Großaktionär ACS eine Komplettübernahme oder Fusion prüft. Bei Jost sorgte ein optimistischer Ausblick für ein Plus von 4,5 Prozent. Der Telekomanbieter Freenet legte um 0,4 Prozent zu. Das Unternehmen will nach dem Verkauf von Ceconomy-Aktien eigene Anteile für bis zu 75 Millionen Euro zurückkaufen.
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